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Communications Manager: Der Werdegang als Qualifikation

Alexander Bressel (32) hat Europäische Kultur und Ideengeschichte studiert und ist nun Communications Manager bei Google Deutschland. Sein Studium sieht er längst nicht mehr als Schlüssel für seine Karriere – aber dennoch als gute Basis.

Hörsaal (Foto: Axel Jusseit)

Alexander Bressel kennt sie, die Kommentare und zweifelnden Fragen: „Aber was willst du später damit machen?“ oder „Kann man damit Geld verdienen?“. Sie kamen des Öfteren, wenn er erzählte, dass er Europäische Kultur und Ideengeschichte am Karlsruher Institut für Technologie studiert. Nicht von seinen Eltern, erzählt er. „Die haben mich auf meinem Weg immer unterstützt.“ Aber durchaus von Freunden und Bekannten.

Die Kommentare haben ihn nie verunsichert. „Ich habe das studiert, was mich interessiert“, sagt er. An seiner Studienentscheidung hat er nie gezweifelt. Geschichte hatte ihn schon immer interessiert, außerhalb der Schule las er Sachbücher und Fachzeitschriften zum Thema. „Ich war wahrlich kein Einser-Schüler“, sagt er heute. „Auch mein Abi war so naja. Aber den Bachelor habe ich mit 1,3 abgeschlossen. Mir hat das Studium einfach Spaß gemacht.“ Eine konkrete Vorstellung, was er nach dem Studium beruflich machen will, hatte Alexander Bressel tatsächlich lange nicht. „Aber ich war mir immer sicher, dass sich etwas ergeben wird.“

Vom freiwilligen Praktikum zum Volontariat

Foto von Alexander Bressel (Foto: privat) Foto von Alexander Bressel (Foto: privat)

Alexander Bressel

Ein Schulpraktikum beim Südwestrundfunk (SWR) hatte sein Interesse für Medien geweckt. Während des Studiums absolvierte er ein freiwilliges Praktikum bei einem regionalen Nachrichtenportal. Das Schreiben machte ihm Spaß – und das Vermitteln von Wissen. Nach seinem Bachelorabschluss ging Alexander Bressel für ein weiteres Praktikum zum SWR. Im Anschluss wollte er eigentlich ein Masterstudium anschließen. Doch sein Praktikum lief so gut, dass er ein Angebot für ein Volontariat bekam. Alexander Bressel nahm an. „Thematisch hatte das mit meinem Studium nicht mehr viel zu tun, aber dennoch hat es mir geholfen: Ich konnte wissenschaftlich arbeiten, wusste, wie ich sorgfältig recherchiere, welchen Quellen ich trauen kann und mich gut in Themen einarbeiten.“

In seiner Zeit beim SWR bekam er die Möglichkeit, im Fernsehbereich zu arbeiten. „Ich merkte schnell, dass das mein Ding ist.“ Als sein Vertrag auslief, bewarb er sich gezielt auf Stellen bei Fernsehsendern – und landete schließlich in der Redaktion von RTL II News. „Mich hat es gereizt, Nachrichten so aufzubereiten, dass die Menschen am Ball bleiben, die eben nie die Tagesschau anschauen würden. Das ist schon eine Herausforderung“, erzählt er. Er berichtete etwa über Gaming- und Tech-Themen und lernte in dieser Zeit einige Menschen kennen, die bei großen Tech-Unternehmen arbeiteten. Als er eines Tages erfuhr, dass im Presseteam von Google eine Stelle als Communications Manager frei werde, bewarb er sich sofort. „Die Stelle bei Google war zwar nur eine Elternzeitvertretung, aber ich wollte die Chance nutzen.“

Gefragte Quereinsteiger*innen

Er bekam sie und blieb über die Vertretungszeit hinaus beim Unternehmen. Er ist für die Pressearbeit verschiedener Produkte im Hardware-Bereich zuständig, wie etwa Smart Speaker. „Man braucht dafür schon eine gewisse Affinität zu technischen Themen – aber kein Detailwissen“, erklärt Alexander Bressel. Wird das gewünscht, fragt er intern bei Expert*innen nach. „Ich bin nach wie vor ein Vermittler“, sagt er.

Vom Fachgebiet seines Studiums hat sich der 32-Jährige mittlerweile weit entfernt. „Was mich für diesen Job qualifiziert, habe ich in meinem gesamten Werdegang gelernt. Das Studium ist ein Teil davon  aber nicht der ausschlaggebende.“ Das sei auch bei vielen seiner Kolleg*innen der Fall. Überhaupt seien im Unternehmen mehr Geisteswissenschaftler*innen tätig, als man annehmen würde.