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Biologe: Mit Austern im Labor arbeiten

Als Meeresbiologe verbringt Torben Bruhns (26) viel Zeit im Labor seiner Universität statt auf den Ozeanen unserer Erde. Schließlich ist er zurzeit vor allem mit seiner Promotion beschäftigt.

abperlende Wassertropfen auf der Oberfläche einer Lotuspflanze (Foto: Sebastian Kaulitzki)

Bereits im Bachelorstudium an der Universität Hamburg war Torben Bruhns klar, dass er sich gern auf den Bereich Meeresbiologie spezialisieren wollte. Also wechselte er zum Masterstudium an die Universität Rostock, die zu dieser Spezialisierung ein eigenes Studienfach anbietet. „In der Endphase meines Masterstudiums hat die Universität Rostock zwei Doktorandenstellen ausgeschrieben, auf die ich mich beworben habe“, berichtet der Biologe. Er erhielt die Zusage für eine und arbeitet nun im zweiten Jahr am Lehrstuhl für Meeresbiologie im Bereich Ökophysiologie. „Wir untersuchen, wie Organismen im Meer auf Umwelteinflüsse reagieren, zum Beispiel den Klimawandel oder auch Giftstoffe im Wasser.“ Ganz konkret befasst Torben Bruhns sich mit Austern.

Muscheln im Stresstest

Ein Porträt-Foto von Torben B. (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Torben B. (Foto: privat)

Zu Beginn eines Arbeitstags bereitet er zunächst alles vor, was er für seine Forschungen im Labor benötigt. Beispielsweise setzt er Lösungen an oder stellt die Gerätschaften für erforderliche Messungen bereit. Anschließend begibt er sich an die Arbeit mit den Austern. „Um Stress zu simulieren, werden die Muscheln zum Beispiel eingefroren oder trockengelegt“, erklärt Torben Bruhns. Um unter anderem den Protein- oder Glukosegehalt zu messen, entnimmt er den Austern Gewebe und färbt die gesuchten Stoffe beispielsweise mit Säure ein. „Mit Hilfe der unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts können wir dann die vorhandenen Stoffmengen berechnen.“ Die erhobenen Daten wertet er mithilfe eines Statistikprogramms aus. „Über die Ergebnisse schreiben wir wissenschaftliche Veröffentlichungen. Aus zwei bis drei dieser Paper wird dann meine Doktorarbeit bestehen.“

Bereits in seiner Masterarbeit hat Torben Bruhns über das Stressverhalten von Organismen im Meer geschrieben. „Aber nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter steige ich viel tiefer in die Forschung ein“, erklärt er. Die Grundlagen der Laborarbeit und den Umgang mit Statistikprogrammen hat er bereits im Studium kennengelernt. Technisches und mathematisches Verständnis ist wichtig für die Arbeit in der Forschung. „Man muss logisch denken können“, sagt der Doktorand. Und stressresistent sein: „Bei den Laborarbeiten kann immer mal etwas schiefgehen. Dann muss man den Fehler finden und ihn beheben.“ In seinem Bereich hat Torben Bruhns viel mit internationalen Kolleginnen und Kollegen zu tun. „Dafür braucht man interkulturelles Fingerspitzengefühl und muss natürlich die englische Sprache gut beherrschen.“ Die Wissenschaftssprache ist natürlich noch einmal etwas ganz Besonderes – auch seine Publikationen schreibt der Doktorand auf Englisch.

Sylt, Arktis – Umweltamt?

Wenn die Corona-Einschränkungen vorbei sein werden und der wissenschaftliche Mitarbeiter noch mehr Forschungsergebnisse vorweisen kann, wird er auf internationale Kongresse und Konferenzen fahren, um seine Studien vorzustellen. „Je nach Forschungsprojekt sind Meeresbiologen viel unterwegs“, sagt Torben Bruhns. Es kann sein, dass er demnächst länger auf Sylt arbeiten wird. Kolleginnen und Kollegen von ihm waren bereits mehrere Monate mit dem Schiff in der Arktis oder Antarktis auf Forschungsreise.

Torben Bruhns rechnet damit, noch zwei Jahre für seine Doktorarbeit zu benötigen. „Was ich danach machen werde? Das ist bei Biologen immer ein wenig Glückssache“, sagt er. Viele bleiben in der Forschung, allerdings gibt es dort oft nur befristete Stellen. Andere gehen in die Wirtschaft – jedoch bietet diese für Meeresbiologinnen und -biologen nur sehr begrenzte Möglichkeiten. „Ich könnte mir auch vorstellen, zum Beispiel für das Umweltamt zu arbeiten“, blickt er voraus. Zwei Jahre hat Torben Bruhns ja noch Zeit, etwas Passendes zu finden.