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Bionikerin: Biologie in die Technik transferieren

Jessica Brüggebors (28) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der BIOKON – Forschungsgemeinschaft Bionik-Kompetenznetz e.V. in Berlin. Dort bildet sie eine Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie.

Auf einem Schreibtisch vor einer schwarzen Tastatur schreibt eine Männerhand mit Rotstift auf ein Dokument, auf dem bereits eine Formel und eine Grafik notiert sind. (Foto: Swen Reichhold | Bundesagentur für Arbeit)

Jessica Brüggebors‘ Monitor zeigt ein Baumdiagramm mit Verästelungen in verschiedenen Farben. Sie verzweigen sich immer weiter und führen zu Begriffen wie Nachhaltigkeit oder biologische Inspiration. Mit einer speziellen Software erstellt sie eine sogenannte Mindmap, eine strukturierte Darstellung von miteinander verknüpften Ideen und Informationen. „Die Mindmapping-Methode verwenden wir, um ein Themengebiet zu erschließen, dessen einzelne Bausteine mit einem roten Faden zu verbinden und so ein rundes Gesamtbild zu erhalten“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Ihr Themengebiet ist in diesem Fall die biologische Transformation – die Anwendung von Materialien, Strukturen und Prinzipien der belebten Natur in der Technik. Ziel ist es, eine nachhaltige Wertschöpfung in Unternehmen zu generieren. Die einzelnen Bausteine in der Mindmap stellen die verschiedenen Elemente der Wertschöpfungskette dar, zum Beispiel Forschung und Entwicklung, Fertigung oder Logistik.

  • Ein Porträt-Foto von Jessica B.

    Wir versuchen für jeden Schritt des Wertschöpfungsprozesses ein Beispiel für eine praktische Anwendung von biologischer Inspiration oder Nachhaltigkeit zu finden und kommunizieren die Ergebnisse an interessierte Unternehmen.

    Jessica Brüggebors

Die Struktur von Knochen als Vorbild

Jessica Brüggebors‘ Projekt heißt „Biologische Transformation – Umweltkommunikation für KMU zur Nutzung biologisch inspirierter Systemlösungen für ein resilientes und nachhaltiges Wirtschaften.“ Dabei steht die Abkürzung KMU für kleine und mittelständische Unternehmen, das Adjektiv resilient für anpassungsfähig bzw. krisenfest. Das Projekt richtet sich hauptsächlich an Unternehmen in den Bereichen Automotive sowie Maschinen- und Anlagenbau.

„Wir versuchen für jeden Schritt des Wertschöpfungsprozesses ein Beispiel für eine praktische Anwendung von biologischer Inspiration oder Nachhaltigkeit zu finden und kommunizieren die Ergebnisse an interessierte Unternehmen“, erklärt sie. Konkret wurde beispielsweise für den Baustein Forschung und Entwicklung ein möglichst kostengünstiger und nachhaltig produzierter Deckel für ein Getriebe entwickelt, der zugleich besonders leicht und lange haltbar sein sollte.

Das Vorbild aus der Natur hierfür? „Die für Forschung und Entwicklung zuständigen Kollegen haben sich am Wachstum von Knochen orientiert und dabei eine Grunderkenntnis der Biologie in die Technik transferiert“, sagt Jessica Brüggebors. Demnach baut sich das Material von Knochen immer dort auf, wo es benötigt wird, weil auf die Stellen besondere Belastungen einwirken. Diese Erkenntnis wird in der Bionik mathematisch in einem Algorithmus dargestellt, der wiederum Teil einer Topologie-Optimierungs-Software ist. Das Stichwort ist Materialeffizienz.

„Dieses Prinzip lässt sich in der Bionik auf unterschiedliche Bauteile anwenden, also nicht nur auf unsere Abdeckung, sondern zum Beispiel auch auf einen besonders leichten Fahrradrahmen.“ Der Vorteil dabei: Es lässt sich Material reduzieren, weil es nur dort angelegt wird, wo es wirklich nötig ist. „Nach Abschluss des Projekts wollen wir als BIOKON-Verein eine Broschüre herausgeben, um den Unternehmen etwas Greifbares mitgeben zu können.“

Kommunikation über das Netzwerk

In der Zukunft soll es Webinare für Interessierte geben. Schon jetzt ist Jessica Brüggebors regelmäßig bei Workshops zu Themen im Bereich Biologische Transformation dabei. Obendrein bietet BIOKON mit dem Format „Green up your future“ für Jugendliche und junge Erwachsene Workcamps zu Berufsperspektiven im grünen Bereich an.

Jessica Brüggebors selbst hatte sich nach dem Abitur zunächst für ein Bachelorstudium der Biologie an einer Universität entschieden. Als sie mit der Bionik in Berührung kam, faszinierte sie diese Disziplin so sehr, dass sie sich entschloss zu wechseln. An der Westfälischen Hochschule in Bocholt erlangte sie dann ihren Bachelorabschluss. Nach dem Studium stieg sie zunächst mit einem Praktikum bei einem Ingenieurdienstleister ein und arbeitete dort anschließend als Projektingenieurin. „Zu der Zeit war ich mehr in der Entwicklung tätig und an der Optimierung von Bauteilen beteiligt. Diese Erfahrungen sind nun nützlich bei meinen heutigen, vor allem kommunikativen Aufgaben“, sagt die 28-Jährige.

Ihre weiteren beruflichen Wünsche? „Momentan strebe ich an, die Bionik noch mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit zu verknüpfen, was bei meinem aktuellen Projekt auch schon der Fall ist.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Bionik)
www.arbeitsagentur.de/berufenet

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung
www.studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Mit der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit kannst du Studienbereiche entdecken und die richtige Auswahl treffen.
www.arbeitsagentur.de/studiensuche

BIOKON – das Bionik-Kompetenznetzwerk

www.biokon.de

Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik e.V. (GTBB)

www.gtbb.net

Die Bioniker

Forschung und Produktentwicklung von Absolventinnen und Absolventen des Internationalen Studiengangs Bionik an der Hochschule Bremen
www.diebioniker.de