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Pharmazeutinnen und Pharmazeuten: Gute Chancen nach anspruchsvollem Studium

Egal ob Kopfschmerztabletten oder Coronatest: Viele Menschen gehen regelmäßig in eine Apotheke in der Nähe. Dort arbeiten Pharmazeutinnen und Pharmazeuten. Die Akademiker*innen sind jedoch auch in anderen Bereichen gefragt – und haben sehr gute Jobaussichten.

Aufnahme eines Schildes mit der Aufschrift "Apotheke" (Foto: Martin Rehm | Bundesagentur für Arbeit)

„Viele Menschen denken bei Pharmazeuten nur an die öffentlichen Apotheken vor Ort“, sagt Dr. Ursula Sellerberg, selbst Apothekerin und stellvertretende Sprecherin der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. „Tatsächlich arbeiten in diesem Bereich die meisten Apothekerinnen und Apotheker, darüber hinaus gibt es aber noch sehr viele andere Tätigkeitsfelder.“

Arbeitgeber findet man etwa in der pharmazeutischen Industrie. „Wenn Fertigarzneimittel wie Tabletten hergestellt werden, sind auch Pharmazeuten gefragt“, erklärt die Verbandssprecherin. Dort sind sie in den gesamten Herstellungsprozess involviert, optimieren die Rezeptur oder kümmern sich um die Zulassung und rechtliche Rahmenbedingungen. Zudem kann der Vertrieb zu ihren Schwerpunkten zählen. An Hochschulen wiederum sind sie im Bereich Lehre und Forschung tätig. Weitere Einsatzbereiche sind zum Beispiel die öffentliche Verwaltung, unter anderem im Bereich der Arzneimittelzulassung oder bei Umweltämtern.

„Wer den Abschluss schafft, kann sich die Jobs aussuchen“

Doch wie sieht es mit der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt aus? „Es gibt zu wenig Arbeitskräfte – dies ist ein Engpassberuf“, betont Ursula Sellerberg. „Wer Pharmazie studiert und den Abschluss schafft, hat danach super Chancen und kann sich derzeit die Jobs aussuchen.“

Das bestätigen die Zahlen der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Demnach gab es im Jahr 2020 gut 55.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bereich der Pharmazie. Das entsprach einem Zuwachs von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt wurden rund 620 gemeldete Arbeitsstellen registriert. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote wiederum war 2020 mit 2,0 Prozent relativ gering, weswegen Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit, feststellt: „Die Chance, eine Beschäftigung zu finden, ist besonders in ländlichen Regionen hoch“.

Einige Hürden überwinden

Dennoch verändert sich der Arbeitsmarkt. „In der pharmazeutischen Industrie wird der Bedarf an Apothekerinnen und Apothekern größer, außerdem sind diese Jobs oft besser bezahlt“, sagt Ursula Sellerberg. Deswegen hätten Apotheken vor Ort mittlerweile manchmal Probleme, ihre Stellen zu besetzen. Den Internethandel sieht die Expertin hingegen nicht als Problem. „Bundesweit gibt es rund 3.000 Apotheken, die neben der Versorgung der Patientinnen und Patienten vor Ort auch eine Erlaubnis für den Versandhandel haben. Der Versandhandel ist für die meisten Apotheken nur ein weiteres Standbein.“ Grundsätzlich ist zwischen Apotheker/innen und Pharmazeut/innen zu unterscheiden. Nicht jede(r) Pharmazeut/in ist auch Apotheker/in, denn für die Arbeit in der Apotheke ist eine entsprechende Approbation nötig.

So gut die Zukunftsaussichten auch sind: Um in den Beruf zu kommen, muss man einige Hürden nehmen. So gelten für das vierjährige Pharmaziestudium meist ein Numerus clausus (NC) sowie verschiedene Zulassungsbeschränkungen (siehe FAQ „Pharmazie – das musst du wissen!“). Wer einen Studienplatz bekommt, muss zwei Staatsexamen meistern. Danach folgt ein einjähriges Praktikum, davon mindestens ein halbes Jahr in einer öffentlichen Apotheke, und dann das dritte Staatsexamen.

Neue Aufgaben durch Corona

„Für das Studium sollte man Interesse für naturwissenschaftliche Themen mitbringen“, empfiehlt die ABDA-Expertin. Gerade im Grundstudium stehen viel Chemie, Biologie, Physik und Mathematik auf dem Programm. Außerdem gibt es einen relativ strengen Zeitplan. „Die Tage sind sehr voll, man muss sowohl in der Theorie als auch während der Praktika viel lernen und sehr diszipliniert sein.“

Später im Beruf gibt es laut Ursula Sellerberg ebenso einige Herausforderungen zu meistern. So müsse man sich in öffentlichen Apotheken darauf einstellen, abends und an Wochenenden zu arbeiten. „Die Arbeitszeiten richten sich nach den Öffnungszeiten der Apotheke, deswegen wird man oft im Schichtsystem eingesetzt.“

Durch die Corona-Pandemie seien außerdem neue Aufgaben hinzugekommen, darunter die Herstellung von Desinfektionsmitteln sowie die Durchführung von Coronatests. Das könne zwar durchaus anstrengend sein, allerdings hätten Apotheker/innen gezeigt: „Wir können Krise“. Am schönsten findet Ursula Sellerberg am Beruf aber den Kontakt zu Kundinnen und Kunden: „Man kann Menschen helfen“, sagt sie. „Das wird von vielen Apothekerinnen und Apothekern sehr geschätzt.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Pharmazeut/in).

berufenet.arbeitsagentur.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Die Studiensuche hilft dir bei der optimalen Auswahl deines Studienorts oder Studienfachs. (Suchwort: Pharmazie)

arbeitsagentur.de/studiensuche 

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier kannst du dich über Studienmöglichkeiten in Deutschland informieren.

studienwahl.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

berufe.tv

Informations- und Bewerbungsportal der Stiftung für Hochschulzulassung

hochschulstart.de

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.

abda.de

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.

bpi.de

Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.

vfa.de

Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD)

bphd.de