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Diversity-Managerin: „Mein Ziel ist, die Gesellschaft zu verändern“

Wie bringt man Vielfalt in ein Unternehmen und setzt selbige so um, dass sich alle Mitarbeiter*innen gleichberechtigt einbringen können? Diese Frage bewegt Diversity-Manager*innen wie Lisa Müller (32).

Teamleiterin spricht mit Kolleg*innen (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert)

Lisa Müller (Name von der Redaktion geändert) nutzt gern eine kleine Übung, um Teams zu zeigen, wie unterschiedlich deren Mitglieder sind: Sie lässt Bilder aussuchen. „Das ist eine ganz einfache Methode“, sagt die Diversity-Managerin und erklärt: Das Team setzt sich in einen Kreis. Dann werden Fotos ausgelegt, aus denen sich jedes Teammitglied eines aussuchen soll, das es mit dem Begriff „Kultur“ verbindet. „Die Menschen suchen sich vollkommen unterschiedliche Fotos aus und jede Person hat eine ganz andere Erklärung dafür“, berichtet Lisa Müller von ihren Erfahrungen. „Und plötzlich merken alle: Hey, wir sind ja so krass unterschiedlich!“

Porträt-Foto von Lisa Müller (Foto: privat) Porträt-Foto von Lisa Müller (Foto: privat)

Lisa Müller

Dass alle Mitarbeiter*innen eines Unternehmens diese Unterschiede erkennen und vor allem wertschätzen – das ist die Aufgabe aller Diversity-Manager*innen. Lisa Müller wohnt in Heilbronn und arbeitet bei einem internationalen Unternehmen. Dass die 32-Jährige genau diesen Beruf ergreifen würde, darauf hat sie schon seit ihrer Schulzeit hingearbeitet: Sie war im Austausch in den USA, für ein Work & Travel in Australien und studierte schließlich International Cultural and Business Studies in Passau. Während des Studiums war sie in Argentinien und Mexiko, und nach dem Abschluss machte sie eine Weiterbildung am „Institut für Diversity Management“ in Schwabach bei Nürnberg.

Schon in der Schule war ihr Ziel definiert

„Interkulturalität war schon immer mein Thema“, sagt sie. „Außerdem bin ich homosexuell und dazu eine junge Frau – das sind alles Dimensionen, die dafür gesorgt haben, dass ich nicht immer ,gleich’ behandelt wurde.“ So wurde ihr schon in der Schule klar, dass sie in ihrem Leben etwas mit diesem Thema machen wollte: „Mein Ziel ist, die Gesellschaft so zu verändern, dass jede*r die Chance hat, so zu sein, wie sie oder er eben ist. “Genau so definiert sie auch Inklusion – neben „Diversity“ ist dies der zweite Begriff, der Lisa Müller sehr am Herzen liegt. Mit „D&I“, der englischen Kurzform für „Diversity and Inclusion“, betitelt sie auch ihren Berufsbereich. Bei ihrer jetzigen Stelle ist sie hauptsächlich damit befasst, die Führungskräfte in Sachen D&I zu beraten, zu trainieren und Konzepte zu entwickeln. „Wenn Führungskräfte nicht verstehen, wenn sie ihr eigenes Verhalten nicht reflektieren, dann ändert sich im Unternehmen nicht viel.“

Vielfalt steigert Innovation und Kreativität

Für den Job braucht man entsprechendes Fingerspitzengefühl. „Auch Führungskräfte sind, wie alle Menschen, verschieden: Die einen muss man emotional gewinnen, die anderen über Zahlen, Daten und Fakten.“ So erklärt sie beispielsweise, warum D&I einem Unternehmen Kosten sparen kann: „Wenn Menschen sich am Arbeitsplatz nicht outen können, egal, ob das Sexualität, Religion oder Krankheiten betrifft, dann fließt da viel Energie in das Verstecken der Wahrheit hinein“, erklärt sie. „Und alles, was die Angestellten viel Energie kostet, kostet das Unternehmen viel Geld.“ Oder sie erklärt, wie D&I zu besseren Lösungen führt: Studien belegen, dass Innovation und Kreativität steigen, je vielfältiger die Mitglieder eines Teams sind. „Denn: unterschiedliche Leute bringen unterschiedliche Perspektiven, Ideen und Kenntnisse mit.“ Unterschiedliche Menschen müssen jedoch gleich viel wert sein, alle müssen gehört werden, erklärt Lisa Müller: „Inklusion bedeutet, dass sich alle einbringen können“, erklärt Müller. „Wenn ich in einem Unternehmen weiß, jede Person hat die Möglichkeit, das eigene Potenzial zu entwickeln und sich voll einzubringen - dann habe ich es geschafft.“