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Waldorfpädagogik: Die Entwicklung des Kindes ganzheitlich im Blick

Nadine Böhme studiert im dritten Semester Waldorfpädagogik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Mannheim. Die 24-Jährige ist vom pädagogischen Konzept der Waldorfschule überzeugt.

Zwei junge Schüler*innen sitzen mit Arbeitsutensilien an einer Schulbank. (Foto: Martin Rehm)

Sind Waldorfpädagogen nicht so elitäre Hippies, die ihren Namen tanzen und nur Bio essen? Kaum eine Schule ist mit so vielen Klischees behaftet wie die Waldorfschule, die vor knapp 100 Jahren von Rudolf Steiner ins Leben gerufen wurde, der eine spirituelle Weltanschauung vertrat. Über derartige Vorurteile kann Bachelorstudentin Nadine Böhme nur schmunzeln: „Klar gibt es Unterschiede zu anderen Schulen, schließlich folgen die Waldorfschulen einem anderes Erziehungskonzept – nämlich Erziehung durch Selbsterziehung. Aber mit den sich hartnäckig haltenden Klischees hat das nichts zu tun.“

Im Fokus der Schule steht das Erlernen einer ganzheitlichen Erziehung, die alle Fähigkeiten der jungen Menschen berücksichtigt – immer mit dem Ziel, diese gleichermaßen auszubilden und zu fördern. Ein weiterer Unterschied zu Regelschulen: Zum Stundenplan der Waldorfpädagogik gehört ein sogenannter „Epochen-Unterricht“, der morgens in den ersten zwei Schulstunden stattfindet. So wird der Stoff, der sonst über ein Jahr gelernt wird, mehrmals im Schuljahr in dreiwöchigen „Lesen-, Rechen-, Formenzeichnen, oder Geschichtsepochen“ kompakt bearbeitet. So wird das Nebeneinander der Fächer für eine bestimmte Zeit aufgehoben, um konzentrierter bei einem Unterrichtsgegenstand wie etwa Pflanzenkunde oder Lesen bleiben zu können. Für die 24-Jährige sind genau diese Unterschiede der Grund gewesen, warum sie sich nicht für ein klassisch ausgelegtes Lehramtsstudium entschieden hat. Ihr gefällt, dass jedes Kind freier und  individueller gefördert werden kann.

Praxisorientiert ausgerichtet

Ein Porträt-Foto von Nadine B. (Foto: Sarah Nobel) Ein Porträt-Foto von Nadine B. (Foto: Sarah Nobel)

Das dreijährige Studium, das an der Alanus Hochschule im Studienzentrum in Mannheim stattfindet und für das pro Semester eine Studiengebühr von 950 Euro anfällt, vereint wissenschaftliche, künstlerische und soziale Persönlichkeitsbildung. „Im Verlauf des Studiums durchläuft man quasi selbst nochmal die Erziehung durch Selbsterziehung, was sehr stark persönlichkeitsbildend ist“, meint Nadine Böhme. Besonders gut gefällt ihr, dass das Studium sehr praxisorientiert ist. Dazu gehören insgesamt fünf Praktika und die Sozialarbeit. Hier betreuen die Studierenden für etwa eineinhalb Stunden in der Woche drei Jahre lang jeweils ein Kind in der eigenen Umgebung. „Mein Kind ist aktuell in der vierten Klasse. Wir verbringen viel Zeit draußen, spielen Fußball oder üben gemeinsam das Lese“, erzählt die Studentin.

Künstlerische Selbstbildung

Da Waldorfschulunterricht durch kreative und künstlerische Elemente geprägt ist, bildet die künstlerische Selbstbildung einen Schwerpunkt des Studiums. Eurythmie (Bewegungskunst), Musik, Malen, Plastizieren und Sprachgestaltung stehen daher auf dem Stundenplan. Aus den Fächern Englisch, Gartenbau, Handarbeit, Musik, Sport und Werken können die Waldorfpädagogik-Studierenden zudem ein Wahlfach aussuchen. Nadine Böhme entschied sich für Musik. Das Fach beinhaltet unter anderem Musiktheorie, Klavier, Gesangsunterricht und Chorsingen. „Mit dem Requiem von Mozart haben wir in Kürze sogar unseren ersten großen Auftritt als Chor“, erzählt die Studentin begeistert.

Man muss nicht vor der Klasse stehen

„Die Freude an der Arbeit mit Kindern ist auch beim Waldorfpädagogik-Studium natürlich die wichtigste Voraussetzung. Darüber hinaus sollte man offen für neue Perspektiven sein und Interesse an innovativen Denkansätzen haben.“ Ob als erlebnispädagogische Fachkraft, Assistenzlehrer*in oder in Form von Hortarbeit in Ganztagsschulen – mit dem Bachelor of Arts Waldorfpädagogik in der Tasche, bieten sich viele Möglichkeiten, pädagogisch in der Berufswelt Fuß zu fassen. Nadine Böhme möchte noch das Masterstudium Waldorfpädagogik anhängen, das sie als Waldorfklassenlehrerin oder für eine wissenschaftliche Laufbahn qualifiziert. „Ich sehe mich beruflich jedoch weniger als Klassenlehrerin, sondern mehr in der Einzelbetreuung, Schulbegleitung oder auch im Bereich der Musikpädagogik“, erklärt sie.  

Waldorfpädagogik studieren

Fünf Studiengänge im Bereich „Waldorfpädagogik“ listet studienwahl.de. Studienmöglichkeiten gibt es an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Mannheim sowie an der freien Hochschule Stuttgart. Der Bachelorstudiengang heißt „Waldorfpädagogik“, darauf aufbauend sind die Masterstudiengänge mit dem Schwerpunkt „Klassenlehrer/in bzw. Klassen- und Fachlehrer/in“ oder mit dem Schwerpunkt „Klassenlehrer/in inklusive Pädagogik“ möglich.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Waldorfpädagogik)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.
studienwahl.de

BERUFE.TV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/jobsuche

Bund der Freien Waldorfschulen

www.waldorfschule.de