zum Inhalt

Robotik und Automation - Interview: "Die Branche wird sich prächtig entwickeln"

Welche Chancen bietet die Robotik und Automation aktuell? Und welche Herausforderungen treiben sie um? Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des Fachverbands „Robotik und Automation“ im VDMA, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, gibt einen Einblick.

Roboter an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg (Foto: Steffen Kirschner)

abi» Herr Schwarzkopf, welche zukunftweisenden Trends und Entwicklungen beobachten Sie aktuell in der Robotik und Automation?

Patrick Schwarzkopf: Neben den „Cobots“, die uns Menschen direkt assistieren, werden Roboter zunehmend mobil. Sie bewegen sich selbständig durch Fabrikhallen und Logistikzentren und navigieren sicher und autonom, um alles, was gebraucht wird, stets zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu bringen. Der Roboter ist ja so etwas wie ein Arm. Nun kommen zum Arm noch die Augen hinzu: Eine Kamera bringt dem Roboter das Sehen bei („Robot Vision“). Damit kann der Roboter seine Umwelt wahrnehmen und flexibel reagieren. Mit künstlicher Intelligenz kommt noch etwas mehr „Gehirn“ dazu – allerdings nicht ganz so gruselig wie im Science-Fiction-Film. Roboterprogrammierung wird kinderleicht. Man bewegt den Roboterarm einfach und drückt auf einen Knopf – und schon ist die Bewegung programmiert. Das wird die Robotik, die einst ein Fachgebiet für wenige Spezialisten war, für alle erschließen: „Democratizing robotics“ heißt das im Englischen.

abi» Welche Herausforderungen kommen in den nächsten Jahren auf die Branche zu?

Patrick Schwarzkopf: Die Branche hat nicht mit größeren Herausforderungen zu rechnen. Sie wird sich prächtig entwickeln. Und sie wird einen großen Beitrag leisten, um Klimaneutralität zu erreichen und ressourcenschonender zu produzieren. Ein Beispiel ist Fotovoltaik. Was das mit Robotik und Automation zu tun hat? Nur durch sie konnten die Produktionskosten für Solarmodule so massiv gesenkt werden, dass sich diese Form der Energieerzeugung rechnet.

abi» Wie ist es um den Fachkräftebedarf in der Branche bestellt?

Patrick Schwarzkopf: Klare und kurze Antwort: Fachkräfte werden dringend benötigt – es herrscht Knappheit! Dadurch bieten sich in der Robotik und Automation hervorragende Chancen für junge Menschen. Zwar gibt es immer mehr Frauen in der Robotik und Automation, aber ehrlich gesagt besteht hier noch großer Nachholbedarf. Roboteringenieurinnen braucht das Land!

abi» Welche aktuellen Entwicklungen beobachten Sie in der Branche im Zusammenhang mit Covid-19?

Patrick Schwarzkopf: Einerseits konnte sich die Branche den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise nicht entziehen und musste 2020 einen Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent verkraften. Andererseits hat die Robotik und Automation ungeheuer schnell und flexibel auf Covid-19 reagiert. In Rekordzeit wurden automatisierte Linien für die Produktion von Atemschutzmasken entwickelt und in großer Stückzahl errichtet. Auch die Laborautomation spielt eine große Rolle: Wenn sehr viele Tests durchgeführt werden und zahlreiche Proben sicher gehandhabt werden müssen, dann kommen die Stärken von Robotern zum Vorschein. Sie nehmen dem Laborpersonal die monotonen Arbeiten ab und machen dieses so sehr viel leistungsfähiger. Ebenfalls spannend: Es gibt jetzt Desinfektionsroboter, die in Krankenhäusern eingesetzt werden. Sie fahren autonom durch die Räume und desinfizieren zuverlässig mit UV-Licht.

Der abi» Experte

Portraitfoto von Patrick Schwarzkopf (Foto: privat) Portraitfoto von Patrick Schwarzkopf (Foto: privat)

Patrick Schwarzkopf

Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des Fachverbands „Robotik und Automation“ im VDMA, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau