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Elektromobilität: Autos mit Sonne tanken

Das eigene E-Auto mit der Photovoltaikanlage auf dem Hausdach laden? Diese Idee fand Anja K. schon als Kind super. Heute studiert die 22-Jährige in Ravensburg Elektromobilität.

Elektroauto beim Aufladen. (Foto: Nicole Schwab)

Anja K. verbringt gerade ihr Praxissemester im Mercedes-Benz-Werk in Kirchheim unter Teck. Dort werden Elektro-Autos getestet, die neu auf den Markt kommen. „Die E-Motoren und Akkus kommen auf Prüfstände, damit wir Versuche damit machen können: Funktioniert alles so, wie es sein soll? Oder gibt es Probleme?“, erklärt die 22-jährige Studentin. Als Praktikantin darf sie bei den verschiedenen Schritten zuschauen und mithelfen: Beim Anschließen der Ladeelektronik, beim Vorbereiten, Durchführen und Auswerten der Tests.

Anja K. befindet sich im siebten Semester des Bachelorstudiengangs „Elektromobilität und regenerative Energien“ an der Hochschule Ravensburg Weingarten. Pro Semester besucht sie ungefähr sechs Fächer – im Grundstudium waren es unter anderem Mathe, Elektrotechnik, Digitaltechnik, Maschinenkonstruktion, Werkstoffkunde und CAD; im Hauptstudium ging es dann beispielsweise auch um Energiespeicher und Photovoltaik. Außerdem standen Programmieren und Englisch auf dem Stundenplan. Ihre Englischkenntnisse hat Anja K. aber auch bei ihrem Auslandsemester im finnischen Oulu verbessert. 

Im Labor und am Prüfstand

Anja K.  (Foto: privat) Anja K.  (Foto: privat)

Von Anfang an gehörte für Anja K. die Praxis zum Studienalltag. „Im ersten Semester haben wir im Labor zum Beispiel gelernt, ein Oszilloskop zu verwenden“, erzählt die Studentin. Dabei handelt es sich um ein Messgerät, mit dem elektrische Signale sichtbar gemacht werden können. In einer Projektarbeit hat sie sich bereits ein Semester lang mit der Testung von E-Autos auf dem hochschuleigenen Prüfstand befasst. Außerdem hat sie als studentische Hilfskraft beim Institutsleiter gearbeitet. Hier hat sie zum Beispiel 3-D-Konstruktionen erstellt, sich mit Batterietechnologien beschäftigt und an einem Batteriemanagement-System mitgearbeitet, das die Batterien in einem Elektrofahrzeug überwachen soll. 

Von all diesen Erfahrungen profitiert sie jetzt im Praxissemester, ebenso wie von ihrem breiten Grundlagenwissen aus Elektrotechnik und Maschinenbau. Die Studentin gibt ein Beispiel: „In der Fahrzeugtechnik haben wir gelernt, die Energie zu berechnen, die das Fahrzeug durch die Reibung auf der Straße und den Luftwiderstand für die Beschleunigung aufbringen muss. Noch viel mehr Spaß hat es gemacht, als ich das dann auf dem Prüfstand anwenden konnte, wo die Rolle die Widerstände, die es auf der Straße geben würde, simulieren sollte.“   

Nach Abschluss ihres Praxissemesters wird Anja K. ihre Bachelorarbeit schreiben. Ob sie dann den Master anschließt, hat die junge Frau noch nicht entschieden. „Jetzt will ich erstmal mein Studium gut abschließen“, sagt sie. Später möchte sie in den Bereich Forschung und Entwicklung im technischen Bereich einsteigen, bei einem Autokonzern oder in einem Institut. „Im Bereich der elektrischen Fahrzeuge kann man noch jede Menge bewegen. Es muss noch viel geforscht werden, damit die Technik sich weiter verbessert“, erklärt sie.

Von der Masse abheben

Anja K. wünscht sich, dass sich zukünftig noch mehr Frauen für dieses Arbeitsfeld begeistern: „Ich bin das einzige Mädel in meinem Semester. Die Anderen könnten das bestimmt auch, aber sie ziehen es gar nicht in Betracht. Das finde ich sehr schade.“

Die Entwicklung nachhaltiger Technologien ist Anja K. ein persönliches Anliegen, für das sie – dank ihres Vaters – schon seit Kindertagen brennt. „Meine Familie hatte schon früh eine Photovoltaikanlage auf dem Hausdach und ein Elektroauto, dass wir mit der Sonne geladen haben. Es war toll, das zu sehen!“, erinnert sie sich. Für die Tochter war das auch ein Grund für die Wahl ihres Studienfachs: „Ich wollte nicht einfach nur Maschinenbau studieren, sondern mich von der Masse abheben und was Besonders machen. Das ist mir offenbar auch gelungen.“

Elektromobilität studieren

Die Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit listet unter dem Stichwort „Elektromobilität“ zwölf grundständige und acht weiterführende Studiengänge in Deutschland. Bei einigen dieser Programme handelt es sich um Bachelor bzw. Master of Science, bei anderen um Bachelor bzw. Master of Engineering. Die Masterprogramme sind teilweise konsekutiv und teilweise nicht-konsekutiv.

Bachelorstudiengänge gibt es zum Beispiel an der TU Chemnitz, an der TH Brandenburg, an der Hochschule München, an der TH Ingolstadt, an der Hochschule Trier und an der Berliner Hochschule für Technik. Das Bachelorprogramm „Elektromobilität und regenerative Energien“ wird von der Hochschule Ravensburg Weingarten angeboten. An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg kann man ein duales Studium in „Mechatronik – Fahrzeugsystemtechnik und Elektromobilität“ absolvieren.

Masterstudiengänge in Elektromobilität werden beispielsweise an den Universitäten in Magdeburg, Chemnitz, Stuttgart und Hannover angeboten.

Weitere Infos

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

In der Studiensuche kannst du recherchieren, welche Studiengänge an welchen Hochschulen in Deutschland angeboten werden.
arbeitsagentur.de/studiensuche

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de