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Psychologie studieren: In die menschliche Psyche eintauchen

Das Psychologiestudium zählt zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Neben dem klassischen Berufsziel Psychotherapeut/in gibt es spannende berufliche Möglichkeiten in der Wirtschaft, der Werbebranche oder beim Sport. Denn Psychologie spielt überall eine wichtige Rolle.

Mehrere Bücher mit Rücken unterschiedlicher Farbe und unterschiedlicher Dicke sind übereinander gestapelt. Die Themen sind Trauma-Heilung, Psychische Störungen und Soziale Arbeit.

Psychologie? Kenne ich! „Viele denken spontan an Therapiesitzungen und reduzieren Psychologie auf das Berufsbild Therapeut/in“, erzählt Julia Früh, Beraterin bei der Agentur für Arbeit Heidelberg. Dabei sei ein Psychologiestudium ein wissenschaftliches Studium, in dem unterschiedliche Schwerpunkte studiert werden können: „Neben dem häufigsten Bereich, der klinischen Psychologie, gibt es die Rechtspsychologie, Wirtschaftspsychologie, pädagogische Psychologie sowie etliche weitere Spezialisierungen.“

Das breit angelegte Studium eröffnet damit ganz unterschiedliche berufliche Möglichkeiten. „Absolventinnen und Absolventen können etwa in einer Personalabteilung das Thema Recruiting betreuen oder sich um Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder Mobbingproblemen kümmern“, zeigt Julia Früh auf.

  • Porträt von Julia F.

    Neben dem häufigsten Bereich der klinischen Psychologie gibt es die Rechtspsychologie, Wirtschaftspsychologie, pädagogische Psychologie sowie etliche weitere Spezialisierungen.

    Julia Früh, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Heidelberg

Zulassungsbeschränktes Fach

Wer das Fach Psychologie an einer Universität studieren möchte, muss zuerst die Zulassungsbeschränkung überwinden: Die Studienplatzvergabe läuft (wie für Medizin) über das Portal hochschulstart.de der Stiftung für Hochschulzulassung, wobei sich die Zulassungsverfahren je nach Bundesland und Universität unterscheiden können.

Der Zugang ist in den letzten Jahren insgesamt etwas leichter geworden, da neben der Abiturnote an immer mehr Universitäten auch ein Leistungstest angerechnet wird. Der Studieneignungstest für den Bachelorstudiengang der Deutschen Gesellschaft für Psychologie – kurz BaPsy-DGPs – kann je nach Universität bis zu einem Drittel der Gesamtpunktzahl ausmachen, wenn es darum geht, ob man einen Studienplatz bekommt oder nicht.

Beispiel Heidelberg: Das Auswahlverfahren erfolgt nach einem Punktesystem, bei dem maximal 60 Punkte erreicht werden können: maximal 30 Punkte für die Abiturnote, maximal 20 Punkte im STAV-Psych-Test, maximal zehn Punkte für sonstige Leistungen wie etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ehrenamtliche Tätigkeiten oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Es lohnt sich darüber hinaus, einen Blick ins Ausland zu werfen: „In Österreich etwa ist der Zugang generell über einen Test geregelt“, erklärt Julia Früh. „Aufbau und Ablauf des Studiums sind ähnlich wie in Deutschland. Auch die Sprache ist kein Problem.“ Wer über gute Englischkenntnisse verfüge, könne auch in Belgien oder den Niederlanden studieren: „Aber wer in Deutschland als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut arbeiten möchte, muss immer darauf achten, dass im Anschluss die entsprechende Weiterbildung hierzulande möglich ist“, betont die Beraterin.

Reformierter Zugang zur Psychotherapie

Die Ausbildung der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wurde 2020 reformiert. Das bedeutet, dass man heute mit erfolgreichem Abschluss eines Bachelorstudiums in Psychologie und der Wahl entsprechender Orientierungspraktika im Anschluss einen Master mit dem Schwerpunkt Psychotherapie absolvieren kann. Das Studium schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die eine mündlich-praktische Prüfung und anwendungsorientierte Parcoursprüfungen in fünf Kompetenzbereichen beinhaltet. „Nach dem Abschluss erhalten Absolventinnen und Absolventen die Approbation, also die staatliche Zulassung zur Berufsausübung“, erklärt Julia Früh. Alternativ kann im Master auch ein anderer Schwerpunkt gelegt werden.

Im Anschluss an die Approbation können die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine fünfjährige Weiterbildung, in der sie bereits Geld verdienen, absolvieren und sich dabei auf verschiedene Psychotherapieverfahren sowie die Versorgung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen spezialisieren. „Mit der Psychotherapie-Weiterbildung können Absolventinnen und Absolventen dann genau wie Fachärztinnen und Fachärzte eine Kassenpraxis für Psychotherapie leiten oder dort tätig sein“, erklärt die Beraterin.

Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit Approbation, aber ohne Weiterbildung können in Krankenhäusern und Kliniken, in privaten psychotherapeutischen Praxen, in Rehabilitationseinrichtungen, in psychosomatischen und psychosozialen Einrichtungen, in Beratungs- und medizinischen Versorgungszentren, in der Kinder- und Jugendhilfe oder im Straf- und Maßregelvollzug arbeiten.

Beratung statt Therapie

Ohne Approbation dürfen Absolventinnen und Absolventen zwar grundsätzlich auch an Kliniken tätig sein, „sie dürfen aber keine Psychotherapie anbieten, sondern nur Beratungsleistungen“, erläutert Julia Früh. Therapie und Beratung unterscheiden sich in den Behandlungsmöglichkeiten einer Störung: „So können Therapeutinnen und Therapeuten viel stärker in die Tiefe gehen und etwa Traumata aufarbeiten.“

In der Beratung hingegen gehe es oft um eine Entscheidungsfindung: „Das können berufliche Themen sein, aber auch Themen im klinischen Kontext: Was tut meiner Gesundheit gut? Wie kann ich mein Verhalten zum Positiven verändern?“, umreißt die Beraterin das weite Feld.

Psychologie an der Schnittstelle

Wer nicht zwangsläufig das Berufsziel „Psychotherapeut/in“ hat, sollte sich Schnittstellenstudiengänge als Alternative zum klassischen Psychologiestudium anschauen, etwa Wirtschaftspsychologie, Kommunikationspsychologie, Verkehrspsychologie, Arbeitspsychologie, Medienpsychologie oder Gesundheitspsychologie.

Und noch ein Hinweis: Viele Studiengänge werden an Fachhochschulen oder Hochschulen für angewandte Wissenschaft angeboten: „Wenn man den Wunsch, Psychologie zu studieren, vom beruflichen Ziel aus denkt, gibt es oft mehrere Wege, um dahin zu kommen“, sagt die Beraterin.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Psychologie, Psychotherapeut/in)

www.arbeitsagentur.de/berufenet

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit rund um Ausbildungs- und Studienberufe

www.berufe.tv

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de

Studiensuche

Mit der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit kannst du Studienbereiche entdecken und die richtige Auswahl treffen.

www.arbeitsagentur.de/studiensuche

Studiencheck

Finde heraus, ob dein Wunsch-Studium zu dir passt!

www.studiencheck.de

Bundespsychotherapeutenkammer

Eine Übersicht der Landeskammern der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten findest du unter:
www.bptk.de

Deutsche Psychotherapeutenvereinigung e.V.

www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) e.V.

www.bdp-verband.de

Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs)

www.dgps.de