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Altertumswissenschaften: Zurück bis in die Antike

Leonhard Gerke (24) studiert im fünften Semester Altertumswissenschaften an der Uni Freiburg. Zurzeit absolviert er ein Auslandssemester an der französischen Universität Sorbonne in Paris.

Das Gesicht einer Philosophenbüste (Foto: Sonja Trabandt)

Während im Geschichtsstudium meist das Mittelalter und die darauffolgenden Epochen bis zur Neuesten Geschichte im Vordergrund stehen, blicken die Altertumswissenschaften noch weiter zurück. In seinem Studium beschäftigt sich Leonhard Gerke mit den Kulturen Europas zwischen 2000 vor Christus bis zum Ende der Antike im 5. Jahrhundert nach Christus. „Mich hat vor allem die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs gereizt“, erzählt der Student. „Man hat Kurse aus der Alten Geschichte, Klassischen Archäologie, Latinistik, Gräzistik und christlichen Archäologie und lernt dadurch die Antike in all ihren Facetten kennen.“ Das gilt auch für die Quellen, mit denen Leonhard Gerke im Studium arbeitet: „Wir schauen uns nicht nur literarische Werke an, sondern alle möglichen Zeugnisse von der alltäglichen Gebrauchskeramik über Statuen und Tempelbauten bis hin zu öffentlichen Inschriften und philosophischen Texten.“ Dadurch sei der eigene Blick weniger beschränkt auf ein spezielles Gebiet und man erkenne leichter größere Zusammenhänge.

Archäologie hautnah kennenlernen

Ein Porträtfoto von Leonhard Gerke (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Leonhard Gerke (Foto: privat)

Leonhard Gerke

Während er sich in den ersten Semestern hauptsächlich Grundlagenwissen in den verschiedenen Fachbereichen angeeignet hat, konnte Leonhard Gerke ab dem dritten Semester eigene Schwerpunkte setzen. Manche Kurse haben auch praktische Anteile, zum Beispiel in der Archäologie. Hier arbeitet der Student regelmäßig mit Originalen oder deren Abgüssen aus der archäologischen Sammlung der Uni. „Das macht das Ganze sehr anschaulich. Außerdem haben wir die Möglichkeit, an einer Ausgrabung teilzunehmen und die Feldarbeit der Archäologen hautnah kennenzulernen. Das kann anstrengend sein, ist aber sehr interessant und man lernt unheimlich viel.“

Wie an den meisten anderen Unis auch, kann Altertumswissenschaften in Freiburg nur in Kombination mit einem zweiten Fach studiert werden. „Als Nebenfach bieten sich zum Beispiel Archäologische Wissenschaften, Klassische Philologie oder Geschichte an“, sagt der Student. „Man kann aber auch was ganz anderes machen, wenn man möchte. Ich habe mich für Philosophie entschieden.“ Zu den Zugangsvoraussetzungen zählen neben dem Abitur auch Lateinkenntnisse. „Wenn man zusätzlich noch über Kenntnisse in Alt-Griechisch verfügt, ist das von Vorteil, aber man kann auch noch während des Studiums das Graecum an der Uni nachholen.“

Obwohl das Auswendiglernen wichtiger historischer Daten und Fakten anders als in der Schule nicht im Vordergrund steht, gehört es anfangs hin und wieder dazu. „Später geht es dann vor allem darum, Zusammenhänge zu erkennen, Quellen zu interpretieren und sinnvolle Hypothesen aufzustellen, die man in Form schriftlicher Hausarbeiten ausarbeitet. Meist kann ich dabei selbst entscheiden, welches Thema und welche Fragestellung mich am meisten interessieren. Ein bisschen ‚Forschergeist‘ und Freude am Enträtseln von Problemen ist dabei sicherlich hilfreich.“

Karriere an der Uni?

Derzeit sammelt Leonhard Gerke Auslandserfahrung in Frankreich, danach steht seine Bachelorarbeit an. Nach seinem Abschluss will er sich für ein Masterstudium bewerben. „In welcher Fachrichtung weiß ich noch nicht. Möglicherweise in der Klassischen Archäologie. Auch über eine Promotion denke ich nach, aber das wird sich erst noch zeigen müssen“, sagt der Student. Und danach? „Es gibt viele spannende Stellen in Museen und Forschungseinrichtungen, aber im Moment kann ich mir auch gut vorstellen, eine akademische Karriere an der Universität einzuschlagen.“