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Geschichte studieren: Faszinierende Vergangenheit

Wer sich für Geschichte interessiert, findet eine Vielzahl entsprechender Studiengänge an deutschen Hochschulen. Da es jedoch nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an Historikerinnen und Historiker richten, lohnt sich bereits während des Studiums ein Blick über den Tellerrand.

Nahaufnahme von Fossilien

„Ich liebe die praktische Arbeit an der frischen Luft, aber genauso gerne vertiefe ich mich in der Bibliothek stundenlang in eine theoretische Arbeit“, sagt Mirjana R., die sich im vierten Semester des Masterstudiengangs „Archäologie des Mittelalters“ an der Uni Tübingen befindet. Von Klischees lässt sich die 25-Jährige nicht beeindrucken: „Es heißt immer, als Archäologe solle man gleich den Taxiführerschein machen, aber so schlecht sehen die Jobchancen gar nicht aus“, sagt sie schmunzelnd. „Man kann sich für Forschung und Lehre entscheiden und an der Universität bleiben oder in die Denkmalpflege gehen“, berichtet sie. „Außerdem gibt es zahlreiche weitere außeruniversitäre Forschungsinstitute. Wem Ausgrabungen im Blut liegen, der kann sich bei einer Grabungsfirma bewerben.“ Und dann gebe es schließlich noch das breite Feld der Museen und Sammlungen.

Mehr als Schulwissen

Ein Porträtfoto von Hans-Gerd Setz. Ein Porträtfoto von Hans-Gerd Setz.

Hans-Gerd Setz

„333, bei Issos Keilerei“: Diesen Merkspruch haben viele noch aus dem Schulunterricht im Ohr. „Geschichte ist jedoch viel mehr als Schulwissen“, sagt Hans-Gerd Setz, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Idar-Oberstein. Wer ein Geschichtsstudium in Erwägung zieht, muss sich für tiefgehendere Fragen der Geschichtsforschung begeistern können: Was war damals? Wie kam es zu diesem Ereignis? Welche Rückschlüsse kann ich daraus für die heutige Zeit ziehen? „Die Methoden und Arbeitsweisen des Faches sind in erster Linie Quellen- und Literaturarbeit. Als Historiker arbeitet man vor allem mit zeitgenössischen schriftlichen Aufzeichnungen und Dokumenten“, erklärt Hans-Gerd Setz. „Für die Recherche und das Analysieren von Texten braucht man Neugier und Ausdauer sowie ein gutes sprachlogisches Denkvermögen.“ Meist werden bei der Studienbewerbung außerdem gute Kenntnisse in Fremdsprachen wie etwa Altgriechisch, Latein, Französisch oder Englisch vorausgesetzt. Entsprechende Nachweise können an den meisten Hochschulen innerhalb der ersten Semester nachgeholt werden.

Das Angebot an Studiengängen mit historischen Forschungsthemen ist groß. Womit sich der jeweilige Studiengang konkret befasst, hängt von der Hochschule und der Ausrichtung ab. Manche sind auf bestimmte Epochen wie Altertum, Mittelalter, Neuzeit oder Neueste Zeitgeschichte spezialisiert, andere auf bestimmte Regionen wie den Vorderen Orient oder Amerika. Wieder andere Studiengänge befassen sich mit Regional-, Landes- und Stadtgeschichte oder Wirtschafts- beziehungsweise Sozialgeschichte. In interdisziplinären Studiengängen wie Byzantinistik oder Altorientalistik beschäftigt man sich nicht nur mit der Geschichte, sondern beispielsweise auch mit den Sitten und Gebräuchen, der Religion oder Literatur bestimmter Epochen und Kulturen.

Meist wählt man zusätzlich zum Studienfach Geschichte ein bis zwei weitere Fächer. „Als Neben- und Ergänzungsfach bieten sich die ‚historischen Hilfswissenschaften‘ wie Papyrologie, Geoarchäologie, Numismatik (Münzenkunde), Diplomatik oder Sprachwissenschaften an“, sagt Hans-Gerd Setz. „Abhängig vom Berufsziel können es aber auch Archiv-, Bibliotheks-, Dokumentationswesen, Museologie, Kulturmanagement, Journalismus oder andere sein.“ Beim Lehramtsstudium belegt man ergänzend ein zweites Unterrichtsfach sowie Bildungswissenschaften.

Flexibilität bei der Jobsuche gefragt

„Geisteswissenschaftler haben keinen Arbeitsmarkt heißt es oft. Trotzdem ist die Story vom Taxi fahrenden Historiker eine Zeitungsente“, meint der Berufsberater. „Dennoch gibt es tatsächlich relativ wenige Stellenausschreibungen, die sich explizit an Historiker oder Geisteswissenschaftler wenden. Um in Konkurrenz zu Absolventen anderer Fachrichtungen treten zu können, müssen sie sich ihren späteren Arbeitsplatz ‚erarbeiten‘“. Das Fachstudium alleine reiche dafür in der Regel nicht aus. „Selbst in studientypischen Berufen und Branchen ist über das reine Pflichtstudienprogramm hinaus zusätzliches Engagement inner- und außerhalb der Hochschule gefragt.“ Deshalb ist es besonders wichtig, sich bei der Planung des Studiums von vornherein an einem Berufsziel zu orientieren – zum Beispiel durch die Wahl der Fächerkombination, den Erwerb verschiedener Zusatzqualifikationen, freiwillige Praktika oder berufsbezogene Nebenjobs.

Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit bestätigt: „Der Arbeitsmarkt stellt sich für Historikerinnen und Historiker sowie Archäologinnen und Archäologen als nicht unproblematisch dar.“ Das Berufsfeld ist so klein, dass es kaum belastbare Zahlen dazu gibt, wie viele Menschen als Historikerin beziehungsweise Historiker arbeiten. Nur knapp 300 Stellenangebote, die sich explizit an Absolventinnen und Absolventen der Geschichte richten, wurden im gesamten Verlauf des Jahres 2021 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. „Vor allem für Berufseinsteiger ist das ein Problem, bei dem der Blick über den Tellerrand helfen kann. Denn wie bei den geisteswissenschaftlichen Studiengängen insgesamt sind auch Historikerinnen und Historiker nicht auf ein bestimmtes Einsatzfeld festgelegt“, sagt Ralf Beckmann. So arbeiten viele Historikerinnen und Historiker außer in Museen oder Forschung auch in fachfernen Tätigkeiten. „Für einen erfolgreichen Berufseinstieg sind deshalb neben einem guten Abschluss immer auch Flexibilität, Praxiserfahrung und ein gutes Netzwerk wichtig.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen zu allen Studienmöglichkeiten in Deutschland
www.studienwahl.de

BERUFENET

Zu jeder Berufsbezeichnung (z. B. Historiker/in) liefert die Suchmaske der Bundesagentur für Arbeit Informationen zu entsprechenden Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten und Berufsperspektiven.
www.arbeitsagentur.de/berufenet

Studiensuche

Mit Hilfe der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit lässt sich das Studienangebot an deutschen Hochschulen und Universitäten recherchieren.
www.arbeitsagentur.de/studiensuche

Entgeltatlas

Der Entgeltatlas zeigt das Durchschnittsgehalt für verschiedene Berufe, aufgeschlüsselt nach Region, Alter und Geschlecht.
www.arbeitsagentur.de/entgeltatlas

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

Der Berufsverband bietet auf seiner Website unter anderem Informationen zum Geschichtsstudium und veröffentlicht Stellenanzeigen.
www.historikerverband.de