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Finanzen in der Ausbildung – FAQ: Finanztipps für Azubis

Der Beginn der Ausbildung bringt meist das erste eigene Geld und jede Menge Fragen. Gemeinsam mit Dr. Felix Wenzelmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gibt abi» Antworten.

EineFrau sitzt im Stuhl und hält Geldscheine in der Hand (Foto: Martin Rehm)

Wie hoch ist die Vergütung in meinem Ausbildungsberuf?

Durchschnittlich verdienten Azubis 2019 in dualen tariflich geregelten Ausbildungen 939 Euro brutto im Monat. Angehende Zimmerer*Zimmerinnen konnten sich im Durchschnitt sogar über 1.240 Euro freuen. Die Vergütung für Bäcker*innen lag dagegen mit 711 Euro monatlich deutlich darunter. Wichtig: In der Datenbank sind Durchschnittswerte aufgelistet. Die reale Vergütung in deinem Ausbildungsberuf kann je nach Branche und Region stark nach oben oder unten abweichen. In der Regel steigt sie mit jedem Ausbildungsjahr.

Welche Faktoren beeinflussen die Höhe der Ausbildungsvergütung?

Betriebe, die dual ausbilden, sind gesetzlich verpflichtet, dir eine angemessene und über die Zeit steigende Ausbildungsvergütung zu zahlen. Die Höhe der Zahlung wird im Ausbildungsvertrag festgeschrieben. Dabei müssen sich die Betriebe an Untergrenzen halten. So gibt es für viele Branchen und Regionen Tarifverträge, die einen Mindestbetrag festlegen. Allerdings können zwischen den Branchen und den Regionen große Unterschiede bestehen. Wichtig zu wissen: Nicht der Ausbildungsberuf entscheidet über die Höhe der tariflichen Vergütung, sondern die Branche, in der gelernt wird. So können beispielsweise angehende Kaufleute für Büromanagement in der Automobilbranche anders bezahlt werden als im Gesundheitswesen. Betriebe ohne Tarifbindung müssen nach Gesetz mindestens 80 Prozent des Branchentarifs der Region zahlen.

Was ist der neue Mindestlohn für Azubis?

Seit dem 1. Januar 2020 gibt es eine Mindestausbildungsvergütung für Azubis, die eine Untergrenze von monatlich 515 Euro Bruttogehalt im ersten Ausbildungsjahr vorsieht. Allerdings betrifft dieser Mindestsatz nur Betriebe, die nicht tariflich gebunden sind. Gibt es einen Branchentarifvertrag, der weniger Vergütung vorsieht, darf sich der tariflich gebundene Betrieb an die geringere Vorgabe halten. Für Abiturient*innen relevant werden kann die Mindestvergütung in Berufen, die selten ausgebildet und schlecht bezahlen werden, wie beispielsweise bei Goldschmied*innen.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt?

Wer in der Ausbildung mehr als 325 Euro monatlich verdient, muss Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Dann werden vom Bruttogehalt, das im Ausbildungsvertrag festgehalten ist, Beiträge für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Kommst du mit deinem Gesamteinkommen jährlich über den Grundfreibetrag (dieser liegt 2020 bei 9.408 Euro im Jahr), musst du außerdem noch Steuern zahlen. Das, was du nach den Abzügen auf dein Konto überwiesen bekommst, ist dein Nettogehalt. Manchmal übernehmen Ausbildungsbetriebe zusätzliche Sachleistungen, etwa Zuschüsse zu Kost und Logis oder einem Handy.

Ich mache eine schulische Ausbildung. Welche finanziellen Aspekte muss ich beachten?

Bei schulischen Ausbildungen gibt es oft keine Vergütung, da die Ausbildung komplett an der Schule und nicht im Betrieb stattfindet. Eine Ausnahme stellen die betrieblich-schulischen Ausbildungen in kommunalen Krankenhäusern und Unikliniken dar. Hier erhalten Auszubildende seit dem 1. Januar 2019 ein Gehalt, teilweise bekommen auch angehende Erzieher*innen in der schulischen Ausbildung eine Vergütung – allerdings ist diese Ausbildung (und damit auch das Gehalt) Ländersache. Sind die Schulen privat, musst du eventuell sogar Schulgeld zahlen. Wie für ein Studium kann für eine schulische Ausbildung BAföG zur Finanzierungshilfe beantragt werden.

Welche Ausgaben können auf mich zukommen?

Wohnst du noch bei deinen Eltern, entscheiden sie, ob du einen Beitrag zur gemeinsamen Haushaltskasse leisten musst. Ist der Ausbildungsort zu weit entfernt vom Elternhaus und ein Umzug notwendig, fallen Kosten für Unterkunft und Verpflegung an. Vielleicht musst du zusätzlich Fahrtkosten einkalkulieren, weil der schulische Unterricht im Block weiter weg stattfindet. Wie bei den Einnahmen sind auch die Ausgaben sehr individuell. Informiere dich vor deiner Ausbildung, mit welchen Beträgen du rechnen musst.

Meine Ausbildungsvergütung reicht nicht aus. Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Bei der Bundesagentur für Arbeit gibt es die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Sie hilft dir beispielsweise, wenn du eine eigene Wohnung an einem entfernten Ausbildungsort finanzieren musst. Wohnst du während der Ausbildung zu Hause, erhalten deine Eltern bis maximal zu deinem 25. Lebensjahr weiterhin Kindergeld. Bekommst du bei einem Auszug während der Ausbildung keinen Unterhalt von deinen Eltern, geht das Kindergeld an dich. Außerdem gibt es günstige Bildungskredite oder Stipendien, die du beantragen kannst.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de

Hier findest du Informationen rund um deine Ausbildung und Finanzierungshilfen.

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit mit Angaben zur Höhe der Ausbildungsvergütungen.

berufenet.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Neben allgemeinen Infos zu Ausbildung und Bezahlung gibt es hier eine Datenbank zu tariflichen Ausbildungsvergütungen nach Berufen.

www.bibb.de

Rechner zur Berufsausbildungshilfe

www.babrechner.arbeitsagentur.de

BAföG

www.bafög.de

Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Dachverband der regionalen Industrie- und Handelskammern

www.dihk.de

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Auf der Seite des Ministeriums findest du Informationen zur Ausbildungsförderung und Mindesausbildungsvergütung.

www.bmas.de