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Workcamp im Inland

Eine Erfahrung fürs Leben

Eine Anzeige machte Jacqueline Lehner (19) zufällig auf das Workcamp des gemeinnützigen Vereins Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten (IBG) aufmerksam. Die junge Frau überlegte nicht lange und meldete sich als Freiwillige beim IBG. Für abi» berichtet sie von ihren Erfahrungen, die sie in den drei Wochen als Leitung des Camps gesammelt hat.

Eine Frau schneidet einen Kirschbaum zu.

Von Montag bis Freitag arbeitete Jacqueline Lehner gemeinsam mit den Teilnehmern an einem gemeinnützigen Projekt draußen in der Natur.

Aktueller Hinweis zur Corona-Pandemie

Die momentanen Beschränkungen des öffentlichen Lebens wirken sich neben dem Abitur auch auf die Zeit danach aus. Welche Regelungen aktuell gelten und worauf du in Bezug auf Studium, Ausbildung und eine eventuelle Auszeit achten musst, erfährst du in der Übersicht „Studieren in der Corona-Krise: Was du jetzt wissen musst!“ und „Corona-Krise: Was wird aus meiner Auszeit nach dem Abi?“.

Einfach vor die Haustür gehen und Menschen verschiedener Nationalitäten kennenlernen. Dass so etwas im Rahmen eines Workcamps auch im Inland möglich ist, zeigte Jacqueline Lehner die Anzeige des IBG im Amtsblatt ihres Heimatortes Klingenberg am Main. „Glücklicherweise hat der Verein noch eine Leitung des Camps benötigt, die sich erstens in der Stadt auskennt und zweitens gut Englisch sprechen kann. Da ich beide Voraussetzungen erfüllte, war ich sofort dabei“, berichtet die 19-Jährige. Bereits während ihrer Schulzeit hat sie ehrenamtlich Jugendgruppen geleitet, was sie in ihrer Entscheidung, ein ganzes Workcamp zu managen, bestärkte.

Die Vorbereitung

„Man braucht sich meiner Erfahrung nach keine Sorgen machen, dass man den Anforderungen als Leitung nicht gerecht wird“, sagt Jacqueline Lehner. Ein viertägiges Seminar bereitet auf die Aufgaben als Campleitung vor. „Zudem kommt auch mal ein Ansprechpartner des IBG vorbei, der einen unterstützt und nachhakt, ob alles unproblematisch verläuft“, erklärt sie.
Zudem war sie nicht alleine: An ihrer Seite gab es eine Co-Leitung, eine junge Frau aus Serbien, mit der sie sich gemeinsam um die 14 ehrenamtlichen Teilnehmer gekümmert hat, die zwischen 18 und 30 Jahren alt waren. Da es sich bei einem Workcamp um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt, bekommen die Freiwilligen das Essen und die Unterkunft gestellt. Die Campleitung bekommt darüber hinaus eine Aufwandsentschädigung von 60 Euro in der Woche.

Als Team etwas bewirken

Porträtbild Jacqueline Lehner

Jacqueline Lehner

Das Workcamp fand im August 2019 statt. Die Freiwilligen wurden in einem Wanderheim untergebracht – mit zwei großen Räumen mit Betten und Matratzen, einer großen Wohnküche und getrennten Bädern.
Von Montag bis Freitag arbeiteten die Teilnehmer an einem gemeinnützigen Projekt draußen in der Natur. „Wir haben in der Klingenberger Schlucht alte Holzbrücken erneuert, Auffangstationen für Vögel gebaut, sie mit einem neuen Regenwasserablaufsystem wetterfest gemacht, ziemlich viel restauriert und renoviert, Biotope sauber gemacht und Müll gesammelt“, fasst Jacqueline Lehner zusammen. Die Arbeiten haben ihr viel Freude bereitet: „In der Gruppe ein gemeinsames Ziel zu erreichen und gleichzeitig dabei etwas für die Umwelt zu tun, ist eine wahnsinnig tolle Kombination“, betont sie.

Jacqueline Lehner war als Campleitung hauptsächlich für die Koordination zuständig. „Der Tag fing damit an, dass ich die Teilnehmer geweckt habe, mit ihnen gemeinsam Lunchboxen vorbereitet und sie zu den Außenstellen gefahren habe. Außerdem war ich noch für die Planung zuständig, zum Beispiel mit dem Bürgermeister der Stadt, um das Begrüßungsevent der Freiwilligen zu organisieren oder die Aufgaben, die wir in der Natur erledigen sollten, ins Englische zu übersetzen“, erklärt sie.

Das einzige, was der 19-Jährigen in den drei Wochen gefehlt hat: Schlaf. „Ja, der kam ein bisschen zu kurz“, schmunzelt sie und fügt hinzu: „Wir haben in unserer Freizeit sehr viel miteinander unternommen, gegrillt, getanzt, gespielt – und das oft bis in die Nacht“. Auch ein Ausflug nach Aschaffenburg stand auf dem Programm. Besonders gut gefiel Jacqueline Lehner der intensive Austausch: „Am Schluss des Camps konnte ich sogar ein paar Worte Italienisch, Spanisch und Chinesisch“, sagt sie.

Von den Erfahrungen profitieren

Ein Workcamp im Inland kann Jacqueline Lehner nur empfehlen, „gerade wenn man nach dem Abi nicht so viel Geld hat und sich keine Weltreise leisten kann, aber trotzdem etwas Sinnvolles machen möchte. Zudem ist es ein guter Einstieg, weil man nicht in ein total fremdes Umfeld geworfen wird.“
Sie ist sich sicher, dass sie in Zukunft von ihren Erfahrungen profitieren wird. Zurzeit studiert die 19-Jährige im ersten Semester Chemie. „In den Semesterferien kann ich mir gut vorstellen, noch einmal ein Workcamp zu leiten, ob im Inland oder Ausland. Wichtig ist für mich in erster Linie der Spaß daran, etwas Gutes zu tun und Menschen aus verschiedenen Nationen kennenzulernen.“

Workcamp

Bei einem Workcamp kommen für zwei bis drei Wochen junge Menschen aus der ganzen Welt zusammen, die in internationalen Gruppen leben und gemeinsam für ein gemeinnütziges Projekt arbeiten. Einsatzmöglichkeiten gibt es in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Bau und Renovierung, Archäologie und im sozialen oder künstlerischen Bereich. Die meisten Workcamps finden im Sommer, zwischen Juni und September statt, doch vereinzelte Angebote gibt es das ganze Jahr über. Weitere Infos zur Anmeldung, Vorbereitung und den Vermittlungsbedingungen findest du unter:
ibg-workcamps.org

abi» 29.05.2020

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