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FAQ: Entwicklungszusammenarbeit: Praxiserfahrung, Fremdsprachen, Empathie

Mit welcher Ausbildung oder welchem Studium kann ich in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) tätig werden? Welche Fähigkeiten sollte ich mitbringen? Michael Hümmer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Fürth, beantwortet häufig gestellte Fragen.

Hände liegen auf einer Computertastatur vor einem Bildschirm, auf dem eine Projektübersicht angezeigt wird. (Foto: Ingo Wagner)

Welche Voraussetzungen gibt es für eine Auslandstätigkeit in der EZ?

In der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium, idealerweise einen Master-Abschluss. Zudem muss man einschlägige Praxiserfahrung im Ausland vorweisen. Englisch sollte man sehr gut beherrschen, eine weitere Fremdsprache auf sicherem Level. Das sind in der Regel die Bedingungen für einen Berufseinstieg über Trainee-Programme.

Wie kann ich Praxiserfahrung sammeln?

Besonders positiv werden Praktika in einem für die EZ relevanten Gebiet mit einer entsprechenden Tätigkeit gewertet. Sie werden von in Deutschland ansässigen Institutionen, wie auch von Organisation vor Ort angeboten. Direkt nach dem Abitur kann man einen einschlägigen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren. Auch ehrenamtliches Engagement etwa bei einer Nichtregierungsorganisation (NRO), die in der internationalen Zusammenarbeit tätig ist, bringt wertvolle Erfahrungen.

Welche weiteren Kompetenzen sind gefordert?

Kommunikationsfähigkeit ist wichtig: Zuhören, wahrnehmen, reflektieren gehört dazu. Dafür braucht man Empathie und Offenheit. Zusammenarbeit bedeutet schließlich, mit den Akteuren vor Ort Projekte zu initiieren, um gemeinsam Veränderungen zu bewirken. Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Organisationstalent und Managementkenntnisse sind ebenfalls nötig.

Wie gelingt der Berufseinstieg?

In der EZ sind staatliche, kirchliche, privatwirtschaftliche und gemeinnützige Organisationen tätig. Viele bieten Trainee-Programme an. Interessant ist auch das Programm Junior Professional Officer (JPO). Für Junior-Positionen sind meist zwei Jahre Berufserfahrung nötig.

Welche Berufe sind gefragt?

Theoretisch alle. Medizinische und pädagogische Fachkräfte, Rechts-, Politik-, Wirtschafts- und Regionalwissenschaftler*innen, Finanzexpertinnen und -experten, Ingenieurinnen und Ingenieure. Mit Blick auf den Klimawandel werden Berufe immer wichtiger, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmen, etwa Fachkräfte aus der Forst-, Land- und Wasserwirtschaft. Letztlich kommt es darauf an, in welchem Bereich man tätig werden will. In Deutschland selbst werden insbesondere bei Organisationen, die sich über Spenden finanzieren, beispielsweise Fundraiser gebraucht.

Welche Ausbildungen führen in die EZ?

Theoretisch alle – auch abhängig davon, ob man im In- oder Ausland arbeiten will. In einem Masterstudiengang ist es möglich, einen entwicklungspolitischen Schwerpunkt zu wählen, etwa Friedens- und Konfliktführung oder Internationale Beziehungen. Auch eine Management-, BWL- oder Marketing-Vertiefung kann sinnvoll sein. Manche Organisationen können als Partner für ein duales Studium zum Beispiel in BWL oder Wirtschaftsinformatik gewonnen werden. Auch werden Berufsausbildungen etwa zum/r Kaufmann/-frau für Büromanagement angeboten.

Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungshelfer*innen und Entwicklungsexpertinnen und -experten?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Was sich sagen lässt: Entwicklungshelfer*innen sind immer im jeweiligen Land im Einsatz. Expert*innen können ebenfalls im Ausland tätig sein, oft in beratender Funktion, aber auch in Deutschland arbeiten. Entwicklungshelfer*innen, die nach dem Entwicklungshelfer-Gesetz entsendet werden, werden als Person definiert, die in Entwicklungsländern ohne Erwerbsabsicht einen mindestens einjährigen Dienst leisten, „um in partnerschaftlicher Zusammenarbeit zum Fortschritt dieser Länder beizutragen“. In Deutschland gibt es sieben staatlich anerkannte Träger des Entwicklungsdiensts, die diese Personen entsenden dürfen.