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Ich will zur Polizei - Interview: „Wir sind Situationsakrobaten“

Vom Streifendienst über digitale Verbrechensaufklärung bis zur Arbeit im Innenministerium – bei der Polizei sind ganz unterschiedliche Karrieren möglich. Bianca Erbs, Einstellungsberaterin im Polizeipräsidium Mannheim, spricht mit abi» über einen Beruf mit unterschiedlichsten Herausforderungen – aber auch vielen Chancen.

Polizeiauto. (Foto: Nicole Schwab)

abi» Viele Kinder antworten auf die Frage, was sie später einmal werden wollen, auch heute noch: Polizist/in. Die wenigsten werden es tatsächlich. Für wen ist der Polizeiberuf der richtige?

Bianca Erbs: Für jede*n, die*der gerne mit Menschen arbeitet. Allerdings kann man sich bei der Polizei nicht immer aussuchen, auf welche Menschen man im Dienst trifft. (Sie lacht) Man muss also offen sein und sich auch einlassen können auf Menschen, die eine ganz andere Lebenswirklichkeit haben als man selbst. Es ist auch kein 9-to-5-Job, es kommen Schichtdienste und Nachteinsätze auf einen zu. Und man muss mit Situationen umgehen können, auf die man sich nicht immer vorbereiten kann. Ich habe einen Kollegen, der war schon Geburtshelfer. Es kann in diesem Beruf einfach alles passieren! Wir sind Situationsakrobat*innen.

abi» Situationsakrobat*innen, die sich auch immer auf neue gesellschaftliche oder technologische Entwicklungen einstellen müssen.

Bianca Erbs: Absolut. Das fängt schon beim Straßenverkehr an und neuen Fahrzeugtypen wie dem E-Scooter oder E-Bikes. Aber vor allem verändert die Digitalisierung unseren Beruf natürlich grundlegend.

abi» Das gilt für die Polizei ja gleich in mehrerer Hinsicht.

Bianca Erbs: Ja, die Digitalisierung verändert sowohl die Kriminalität, als auch die tägliche Arbeit der Polizei. Unser Arbeitsplatz und die Ermittlungsmethoden werden immer digitaler, der Umgang mit Technik immer wichtiger. Als ich bei der Polizei anfing, vor 30 Jahren, war Internetkriminalität noch kein Thema. Heute ist es ein Riesenbereich – und Cybercrime ein eigener Schwerpunkt im Studium.

abi» Welche Fähigkeiten und Eigenschaften werden in Zukunft bei der Polizei gefragt sein?

Bianca Erbs: Eine gewisse Technikaffinität sollte man auf jeden Fall mitbringen. Aber auch interkulturelle Fähigkeiten werden immer wichtiger. Andere Sprach- und Kulturkenntnisse sind für uns sehr wertvoll. Für die Polizeiarbeit vor Ort, aber auch für anschließende Ermittlungen.

abi» Welche Wege führen zur Polizei?

Bianca Erbs: Der direkteste Weg führt immer über das regionale Polizeipräsidium. Hier gibt es die Möglichkeit, Praktika oder Schnuppertage zu machen oder einfach mit einem Einstellungsberater oder einer Einstellungsberaterin zu quatschen. Auch die Bewerbung geht dann erstmal an das heimische Polizeipräsidium. Abiturienten und Abiturientinnen haben (zumindest in Baden-Württemberg) auch die Möglichkeit, ihren Einstellungstest zweimal auswerten zu lassen: Einmal für den mittleren, einmal für den gehobenen Dienst. So kann ganz individuell entschieden werden, ob direkt ein Studium in Frage kommt, oder ob ein Einstieg über die Ausbildung besser passt. Ein Studium ist auch später noch möglich.

abi» Haben auch Quereinsteiger eine Chance?

Bianca Erbs: Ja, sogar immer größere! Menschen, die bestimmte Fachkenntnisse mitbringen sind sehr gefragt. Informatik für den Bereich Cybercrime oder BWL- oder VWL-Kenntnisse für die Wirtschaftskriminalität. Dabei kommt es ganz auf den Werdegang der Bewerber*innen an, welcher Einstieg möglich ist. Entweder ein Lehrgang oder eine zusätzliche Ausbildung. Solche Stellen werden meist einzeln ausgeschrieben, also: Augen offen halten!

Zur Person

Porträtfoto von Bianca Erbs. (Foto: privat) Porträtfoto von Bianca Erbs. (Foto: privat)

Bianca Erbs

Bianca Erbs ist Einstellungsberaterin im Polizeipräsidium Mannheim.