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Mit welchem Schulabschluss wo studieren? – Hintergrund: Viele Möglichkeiten für alle Abschlüsse

Abitur, fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife oder berufliche Qualifizierung: Die Wege ins Studium sind vielfältig. abi» gibt einen Überblick, welche Hochschultypen dir mit deiner Hochschulzugangsberechtigung offenstehen und was du bei der Zulassung zum Studium noch beachten musst.

Gang Hochschule Ingolstadt. (Foto: Nicole Schwab)

Jan Heiner Hast (19) studiert im zweiten Semester Soziale Arbeit an der Hochschule Fulda. Die Entscheidung für das Studium fiel nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst bei der Lebenshilfe. „Ich habe im Berufsbildungsbereich gearbeitet“, erzählt der Student. „Dort ging es darum, Menschen mit Förderbedarf zu helfen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Mir hat es viel Spaß gemacht, die Gruppen anzuleiten. Da hatte ich schnell Lust auf mehr.“

Universität oder Fachhochschule? Das konnte sich Jan Heiner Hast mit seinem Abitur, also der allgemeinen Hochschulreife, aussuchen: „Soziale Arbeit ist ein handlungsorientierter Beruf. Deshalb habe ich mich eher in Richtung Fachhochschule orientiert“, begründet er seine Wahl. „Ich habe mich nach Empfehlungen umgehört, Hochschulrankings gelesen und mich schließlich für die Hochschule Fulda entschieden.“

Für die örtlich beschränkte Zulassung war neben der Abiturnote eine mehrmonatige praktische Tätigkeit ein Auswahlkriterium. An dieser Stelle kam ihm sein vorher absolvierter Bundesfreiwilligendienst zugute. „Im Studium merkt man nicht, welchen Schulabschluss die anderen haben“, findet Jan Heiner Hast. „Und dadurch, dass viele praktische Erfahrungen nachweisen können, haben wir in etwa die gleichen Voraussetzungen.“

Seine Entscheidung für die Fachhochschule hat Jan Heiner Hast nicht bereut: „Mir gefällt der Bezug zur Praxis und dass viele Lehrende in der Sozialen Arbeit tätig waren. So gibt es schon im Studium einen Bezug zur Arbeit außerhalb der Hochschule.“

Verschiedene Hochschultypen

Ein Porträt-Foto von Jan Heiner Hast. (Foto: Marit Blow) Ein Porträt-Foto von Jan Heiner Hast. (Foto: Marit Blow)

Jan Heiner Hast

Laut Statistischem Bundesamt starteten im Studienjahr 2020 488.600 Studienanfänger*innen an den Hochschulen. 52,5 Prozent davon waren Frauen. Die Wahl fiel bei rund 52 Prozent der Erstsemester auf eine Universität, 43 Prozent schrieben sich an einer Fachhochschule ein. Der Rest verteilte sich auf Kunsthochschulen, Pädagogische und Theologische Hochschulen sowie Verwaltungsfachhochschulen.

Bei der Entscheidung für einen Hochschultyp spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So gibt es manche Fächer nur an Universitäten. Einige Schulabsolvent*innen finden die anwendungsorientierte Vermittlung des Fachs an Fachhochschulen attraktiv oder entscheiden sich für die Hochschule in der Nähe.

Allgemeine Hochschulreife

Porträtfoto Mandy Lorsch. (Foto: AA Potsdam, Presse/Marketing) Porträtfoto Mandy Lorsch. (Foto: AA Potsdam, Presse/Marketing)

Mandy Lorsch

Auf welchen Hochschultyp die Wahl von Studieninteressierten fällt, hängt aber auch von ihrem Schulabschluss ab. „Klassische Schulabschlüsse, die eine Hochschulzugangsberechtigung darstellen, sind die allgemeine Hochschulreife, die Fachhochschulreife und die fachgebundene Hochschulreife“, fasst Mandy Lorsch, Berufsberaterin in der Jugendberufsagentur in Zossen, zusammen.

Die allgemeine Hochschulreife berechtigt Studieninteressierte, wie Jan Heiner Hast, an allen Hochschulen ein Studium aufzunehmen. „Eine Hochschulzugangsberechtigung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass man einen Studienplatz erhält“, gibt die Berufsberaterin zu bedenken. „Dafür muss man sich zunächst an seiner Wunschhochschule bewerben, die örtlichen oder bundesweiten Zulassungsbeschränkungen beachten und vielleicht an einem Auswahlverfahren teilnehmen.“

Eingeschränkter ist die Hochschulzugangsberechtigung mit „Fachabitur“. Bei diesem Begriff gilt es jedoch, genau zu unterscheiden: Hast du eine fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife erworben? Für beide Abschlüsse ist der umgangssprachliche Begriff „Fachabitur“ geläufig. Die Studienmöglichkeiten unterscheiden sich jedoch.

Fachgebundene Hochschulreife

Mit der fachgebundenen Hochschulreife ist der Weg an Universitäten und Fachhochschulen in der Fachrichtung des Schulabschlusses grundsätzlich frei. Wer eine fachgebundene Hochschulreife im Bereich Technik hat, darf also technische Studiengänge studieren. Gleiches gilt in Bereichen wie Soziales, Gesundheit, Wirtschaft oder Gestaltung.

In manchen Bundesländern ermöglicht der Abschluss sogar das Studium aller Fächer an Fachhochschulen. „Welche Fächer oder Fachrichtungen man mit der fachgebundenen Hochschulreife studieren darf, kann in der Regel dem Schulzeugnis entnommen werden“, weiß Mandy Lorsch. „Wer sich trotzdem unsicher ist, sollte bei der Hochschule seiner Wahl nachfragen. In einem Beratungsgespräch können die genauen Zugangsvoraussetzungen geklärt werden.“

Fachhochschulreife

Auch mit der Fachhochschulreife gibt es Einschränkungen beim Hochschulzugang zu beachten. „Mit der Fachhochschulreife ist man grundsätzlich berechtigt, ein Studium an Fachhochschulen aufzunehmen“, erklärt Mandy Lorsch. „In einigen Bundesländern gibt es darüber hinaus Sonderregelungen, die es Studieninteressierten mit Fachhochschulreife ermöglichen, ein Studium an einer Universität zu beginnen.“

Wer ein Fach studieren möchte, das es nur an Universitäten gibt, sollte sich deshalb über die unterschiedlichen Möglichkeiten in den Ländern genauer informieren.

In Bayern ist es zudem möglich, die fachgebundene Fachhochschulreife zu erwerben. Sie berechtigt dazu, der Fachrichtung des Abschlusses nahestehende Fächer an Fachhochschulen zu studieren.

Studieren mit beruflicher Qualifikation

Gut zu wissen: Die Hochschulzugangsberechtigung kann nicht nur über einen Schulabschluss erworben werden. „Ausnahmen bei der Studienzulassung gibt es für beruflich Qualifizierte, die unter bestimmten Bedingungen auch ohne eine formale Hochschulzugangsberechtigung, also ohne Abitur oder ohne Fachhochschulreife, zu einem Studium zugelassen werden können“, erläutert die Berufsberaterin. „In der Regel müssen diese Bewerber eine abgeschlossene Berufsausbildung und entsprechende Berufserfahrung mitbringen oder eine Aufstiegsfortbildung zum Meister, zur Technikerin oder zum Fachwirt absolviert haben.“ Welche Möglichkeiten es für beruflich Qualifizierte ohne Abitur gibt, einen Studienplatz zu erhalten, liest du im Interview.

Wer Kunst oder Musik studieren will, kann bei besonderer Begabung ebenfalls ohne Abitur einen Studienplatz bekommen: „Bei künstlerischen Studiengängen kann eine herausragende künstlerische Befähigung die Hochschulreife ersetzen“ erklärt Mandy Lorsch. „Das muss dann nach dem Mittleren Schulabschluss bei einer Eignungsfeststellung nachgewiesen werden.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Portal der Stiftung Hochschulzulassung und der Bundesagentur für Arbeit. In der Datenbank kannst du nach Studienfächern suchen und nach Hochschultypen filtern. Außerdem gibt es einen Überblick über Zugangsvoraussetzungen zum Studium.
studienwahl.de

hochschulstart.de

Serviceportal der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier kannst du dich für bundesweit zulassungsbeschränkte und eine Reihe örtlich zulassungsbeschränkter Studiengänge bewerben.
hochschulstart.de

Hochschulkompass

Auf dieser Seite der Hochschulrektorenkonferenz kannst du in der Datenbank nach Studiengängen suchen und nach Zulassung und Hochschultyp filtern. Außerdem gibt es eine Seite mit Links zu den Zulassungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer.
hochschulkompass.de

studieren-ohne-abitur.de

Studienführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) für beruflich Qualifizierte mit Informationen zur Studienzulassung ohne Abitur und der Möglichkeit, Studienangebote zu recherchieren.
studieren-ohne-abitur.de

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

che.de

Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

dzhw.eu

Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR)

Auf dieser Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz werden die Qualifikationen des deutschen Bildungssystems in international vergleichbare Kategorien eingeordnet.
dqr.de