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Girls'Day und Boys'Day: „Für Physik braucht man kein Männer-Gen“

Dr. Ing. Renate Weisse ist Physikerin und Patentanwältin in Berlin. Anders als Rechtsanwalt/-anwältin wird ihr Beruf von nur sehr wenigen Frauen ausgeführt. Seit zehn Jahren bietet sie beim Girls’Day Plätze für junge Mädchen an, um sie zu inspirieren bei der Berufswahl über den Tellerrand zu blicken.

Nahaufnahme vom Lesen in einem Fachbuch. (Foto: Tilman Weishart | Bundesagentur für Arbeit)

abi» Frau Dr. Weisse, weshalb haben Sie mit Ihrem Unternehmen am Girls’Day teilgenommen?

Dr. Renate Weisse: Das war anfangs eine Mischung aus Eigeninteresse und Idealismus. Der Hauptgrund sind die Hürden, denen Mädchen immer noch begegnen, wenn sie sich in Männerdomänen etablieren wollen. Als ich in Physik promoviert habe, war ich die einzige Frau in einer Abteilung mit 70 Männern. In der Forschung gibt es sehr wenige Frauen. Viele ziehen sich nach dem Abschluss aus der Forschung zurück. Deswegen sage ich den Mädchen immer: Geht an Hochschulen, an denen Professorinnen sind, schließt euch zusammen und sucht euch auch Mentorinnen. Denn für ein Physikstudium braucht man kein Männer-Gen.

abi» Wie läuft der Girls’Day bei Ihnen ab?

Dr. Renate Weisse: Ich mache den Girls’Day immer in zwei Gruppen, eine mit jüngeren Mädchen von zehn bis vierzehn Jahren und eine ältere Gruppe ab vierzehn Jahren. Die älteren haben schon eher eine Vorstellung davon, was sie beruflich machen möchten, mit denen spreche ich natürlich anders. Wir stellen im Besprechungsraum alle Stühle zusammen und dann beginne ich mit einem kurzen Vortrag über meinen Beruf, zeige den Mädchen die Kanzlei und meine Roben. Ich erzähle ihnen, wie man zu dem Beruf kommt, welche Vor- und Nachteile es gibt. Und wenn sie Fragen haben, gehe ich natürlich darauf ein.

abi» Wie können, Ihrer Meinung nach, Girls’Day und Boys’Day jungen Menschen bei der Berufswahl helfen?

Dr. Renate Weisse: Sie lernen dort Berufe kennen, von denen sie vorher vielleicht noch nicht gehört haben. Und sie treffen auf Frauen, die in typischen Männerberufen arbeiten. Ich möchte mit meiner Teilnahme auch den Versuch unternehmen, Erfinderinnen zu ermutigen und die Welt ein bisschen weiblicher zu machen. In Deutschland sind nur sechs Prozent der Erfinder weiblich, weil Frauen sich in den Naturwissenschaften viel zu sehr selbst hinterfragen.

abi» Wie hat sich der Girls’Day bei Ihnen durch Corona verändert?

Dr. Renate Weisse: Über Zoom hat sich vor allem die Reichweite und Teilnehmeranzahl verändert. Ich biete zwei Gruppen mit jeweils 20 Plätzen an und das nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. Es ist in Präsenz natürlich schöner, man kann alle sehen, man kommt besser ins Gespräch. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Über Dr. Renate Weisse

Portrait von Dr. Renate Weisse (Foto: Michel Buchmann) Portrait von Dr. Renate Weisse (Foto: Michel Buchmann)

Dr. Renate Weisse

Dr. Ing. Renate Weisse ist Patentanwältin in Berlin und nimmt mit ihrer Kanzlei seit zehn Jahren am Girls'Day teil.

Patentanwälte und -anwältinnen beraten ihre Mandanten in allen Fragen der Anmeldung, Verteidigung und Anfechtung von Patenten und Marken. Sie durchlaufen ein natur­wissenschaft­liches oder technisches Studium und machen danach eine etwa dreijährige Weiterbildung zum Patentanwalt oder zur Patent­anwältin, während der sie die juristischen Inhalte lernen, die sie für ihren Beruf brauchen.