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Studium oder Ausbildung: Oder beides?

Nach dem Abitur stehen jungen Menschen zahlreiche berufliche Wege offen. Welcher davon der richtige ist, hängt von verschiedenen Aspekten ab, wie den eigenen Neigungen und Talenten. Eine wichtige Frage lautet: Möchte ich studieren oder eine Ausbildung machen? abi» liefert Infos und Tipps für deine Entscheidung. Gut zu wissen: Kein Weg führt in eine Sackgasse.

Broschüre wird an Kundin ausgehändigt (Foto: Patricia Leitao)

Lars Kusch (18) besucht die zwölfte Klasse und macht dieses Jahr sein Abitur. Für ihn ist klar: er will studieren. Diese Entscheidung traf er nicht spontan, sie resultierte vielmehr aus einem langen Prozess an Überlegungen. Mit seiner beruflichen Orientierung begann er schon in der neunten Klasse. Heute stellt er selbstbewusst fest: „Ich will Steuerberater werden“.

Um herauszufinden, was ihm beruflich gefällt, orientierte er sich zuerst an seinem Lieblings-Schulfach Informatik und machte Praktika bei einem IT-Dienstleister und einem Mediendesign­unternehmen. „IT hat mir zwar Spaß gemacht, aber beruflich konnte ich mir das nicht vorstellen und für Mediendesign war ich einfach nicht kreativ genug“, erzählt er über seine Erfahrungen.

Doch wie kam er zu seinem Wunschberuf Steuerberater? Lars' Eltern haben eine Steuerberater-Kanzlei. Für ihn war es nach seinem direkten Einblick in die Tätigkeiten seiner Eltern klar, dass er diesen Beruf ebenfalls ergreifen möchte.

  • Porträt von Lars Kusch

    Ich habe immer mal wieder bei meinen Eltern in der Steuerberater-Kanzlei ausgeholfen. Die Arbeit fand ich ganz spannend.

    Lars Kusch

Mit der Entscheidung, Steuerberater zu werden, hat sich für den Schüler auch das passende Studienfach ergeben: „Ich hatte zuvor noch überlegt mit einem dualen Studium mehr Praxiserfahrung zu sammeln, aber mit der Entscheidung Steuerberater zu werden, habe ich mich für ein normales BWL Studium entschieden.“ Sein Studium möchte er direkt nach seinem Abitur beginnen.

Der Weg zum/zur Steuerberater/in kann aber auch über eine kaufmännische Ausbildung, mehrjährige Berufspraxis und die entsprechende Weiterbildung führen.

Studium: Hohes Maß an Selbstbestimmung – große Chance

Thomas Ledergerber, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Freiburg, weiß aus Erfahrung: „Viele Abiturienten denken zuerst an ein Studium.“ In Deutschland liegt die Studierquote mit über 55 Prozent des jeweiligen Geburtsjahrgangs auf hohem Niveau und hat sich vermutlich nur durch die Auswirkungen der Pandemie leicht verringert. Das geht aus dem aktuellen Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes hervor. Nur rund ein Fünftel der Studienberechtigten entscheidet sich gegen ein Studium.

Dabei sollte die Entscheidung, welcher Weg nach dem Abitur eingeschlagen wird, auf keinen Fall einem Automatismus folgen. Ein Studium stellt – abgesehen von den fachlichen Inhalten – bestimmte Anforderungen: „Man muss eigenständig arbeiten, sich gut organisieren und auch selbst motivieren können. Das liegt nicht jedem“, zeigt der Berufsberater auf.

Auf der anderen Seite bietet das hohe Maß an Selbstbestimmung natürlich eine große Chance: Wer gerne tief in ein Thema eintaucht, den Dingen auf den Grund geht, für den ist ein Studium das Richtige. Später erwartet Hochschulabsolventen ein vergleichsweise hohes Einstiegsgehalt, auch Führungspositionen werden gerne mit Akademikern besetzt.

Zudem ist die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolventen extrem niedrig. „Sie lag 2019 gerade einmal bei 2,0 Prozent“, sagt Bernhard Christoph vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Allerdings ist der Übergang ins Berufsleben meist nicht so nahtlos wie bei einer Ausbildung. „Doch ganz allgemein gesagt gilt tatsächlich: Je höher der Ausbildungsabschluss, desto mehr verdient man später“, erklärt Bernhard Christoph.

Ausbildung: Ein sichtbares Arbeitsergebnis

Bei einer Ausbildung kommen praktisch veranlagte Menschen ganz auf ihre Kosten. Für viele junge Menschen ist es zudem sehr befriedigend, in ihrer Ausbildung von Beginn an eigenes Geld zu verdienen und am Ende des Tages ein konkretes Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen.

Eines ist dem Berufsberater Thomas Ledergerber dabei besonders wichtig: „Eine Ausbildung bietet viele Aufstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel in Form einer Weiterbildung zum Techniker oder zur Meisterin.“ So können sich Fachkräfte mit Ausbildung weiter qualifizieren und Karriere machen. „Es gibt Berufssegmente, in denen verdienen Beschäftigte mit Meister- oder Technikerabschluss ähnlich viel wie Bachelor-Absolventen“, weiß Arbeitsmarktexperte Bernhard Christoph. Die Arbeitslosenquote lag 2019 nach abgeschlossener Berufsausbildung mit 3,3 Prozent zwar etwas höher als bei Akademikerinnen und Akademikern, „allerdings hat sie sich in den vergangenen Jahren deutlich positiver entwickelt“, erzählt er.

Gleichfalls können Abiturientinnen und Abiturienten mit abgeschlossener Ausbildung noch studieren. Im Sommersemester 2016 hatten 22 Prozent aller Studierenden eine Berufsausbildung abgeschlossen, berichtet Bernhard Christoph. „Manche knacken mit einer Berufsausbildung in der Tasche auch die Zulassungsbeschränkungen bestimmter Studiengänge“, fügt Thomas Ledergerber hinzu.

Wer sich sowohl von einem Studium als auch von einer Ausbildung angesprochen fühlt – wer sich etwa gerne eingehender mit den Dingen beschäftigt, aber auch wissen will, wie sie praktisch funktionieren – für den könnte ein duales Studium der passende Weg sein. Hier wird die praktische Arbeit in einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung mit wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen an einer Hochschule oder Berufsakademie verknüpft. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen kann man neben dem Studien- auch noch den Ausbildungsabschluss erwerben. Dabei bietet ein duales Studium ähnliche Vorteile, die auch die meisten Ausbildungen mit sich bringen: „Den direkten Kontakt zum Arbeitgeber, frühe finanzielle Unabhängigkeit und eine hohe Wahrscheinlichkeit der Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis“, sagt Thomas Ledergerber.

Und sonst? Berufsberatung, Tests, Praxiserfahrung

Wer anders als Lars Kusch noch keine konkrete Vorstellung hat, dem empfiehlt Thomas Ledergerber, sich an die Berufsberaterinnen und -berater vor Ort zu wenden – entweder in den Arbeitsagenturen oder an der Schule. Die Expertinnen und Experten stehen dir zur Seite, um deinen Weg in ein Studium oder eine Ausbildung, die zu dir passt, zu begleiten und dir Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen du dich weitergehend orientieren kannst.

Eines dieser Werkzeuge ist das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit Check-U, ein Online-Test, der dir Studienfelder und Ausbildungsberufe vorschlägt, die zu deinen Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Interessen und beruflichen Vorlieben passen. Die Ergebnisse des Check-U-Tests kannst du wiederum mit den Beraterinnen und Beratern besprechen.

Weitere Möglichkeiten, deinen beruflichen Weg zu finden, sind etwa Berufswahlmessen, Hochschulinformationstage oder Tage der offenen Tür in Betrieben. Was Thomas Ledergerber Abiturientinnen und Abiturienten dabei besonders ans Herz legt: Gespräche mit Studierenden und Auszubildenden. Der Berufsberater verweist dazu auf Angebote wie „campusnah.com“ an den Universitäten Freiburg und Tübingen, über die interessierte Studierende im Studienalltag begleiten können. Fast an allen Hochschulen Deutschlands findet man solche Angebote. Und natürlich helfen Praktika, direkte Einblicke in Berufsbilder zu erhalten.  

Endstation? Fehlanzeige

Sich vor dem Abitur mit den eigenen beruflichen Wünschen auseinanderzusetzen, um eine gute Wahl zu treffen, ist das eine. Das andere: Wer im laufenden Studium oder der laufenden Ausbildung merkt, dass der gewählte Weg doch nicht der richtige ist, kann sich umorientieren. Der Wechsel in ein anderes Studienfach, vom Studium in eine Ausbildung oder umgekehrt ist möglich – kein Makel, sondern immer eine Chance, sich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen. Ebenso gilt später im Erwerbsleben: „Eine jahrzehntelange Beschäftigung in einem Betrieb dürfte in Zukunft die große Ausnahme sein“, sagt Dr. Barbara Dorn, Abteilungsleiterin Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Lebenslanges Lernen wird wichtiger.“

Weitere Informationen

Check-U - das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit

Welche Ausbildung? Welches Studium? Finde heraus, was zu dir passt mit dem Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit.
check-u.de

Bundesagentur für Arbeit

Informationen und Tipps rund um die Themen Studium und Ausbildung finden Interessierte in der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“.

arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit.

studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

web.arbeitsagentur.de/studiensuche

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

arbeitsagentur.de/kursnet

BERUFE.TV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit

berufe.tv

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

AusbildungPlus

Portal mit Informationen über das duale Studium und über Weiterbildungen nach der ersten Berufsausbildung.

ausbildungplus.de