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Zahnärztin: Große Verantwortung, viel Freiheit

Schneller als erwartet konnte Anne Bayer nach dem Studium eine eigene Zahnarztpraxis in ihrer Heimatregion Hocheifel übernehmen. Damit ist die 35-Jährige sehr glücklich.

Eine Zahnärztin untersucht ihre Patientin. Foto: Julien Fertl

„Zahnärztin ist ein total schöner Beruf“, sagt Anne Bayer. Man hört die Begeisterung, die dabei mitschwingt. „Meistens sieht man direkt das Ergebnis der eigenen Arbeit. Jemand kommt mit Zahnschmerzen zu mir in die Praxis und geht nach der Behandlung mit einem Lächeln nach Hause. Das ist es, was mich von Anfang an fasziniert hat“, schildert sie. Seit vier Jahren führt die junge Zahnärztin in Adenau in der Hocheifel eine eigene Praxis. Die Gelegenheit, sich mit der Übernahme einer bestehenden Praxis selbstständig zu machen, kam ziemlich schnell nach dem Abschluss ihres Studiums und ihrer Assistenzzeit. Da musste Anne Bayer nicht lange überlegen: „Ich konnte einen treuen Patientenstamm übernehmen, hatte trotzdem großen Gestaltungsspielraum und konnte zurück in meine Heimat, aufs Land – das war wirklich ein Glücksfall.“

Viele Aufgaben auch jenseits der Patientenversorgung

Zahnärztin Anne B. (Foto: Mathias Ernert) Zahnärztin Anne B. (Foto: Mathias Ernert)

Anne Bayer

Die 35-Jährige bietet in ihrer Praxis das ganze Spektrum zahnärztlicher Leistungen an. Den größten Teil ihrer Arbeitszeit verbringt die Zahnärztin mit ihren Patient*innen. Hinzu kommen die Vor- und Nachbereitung von Terminen, das Erstellen von Behandlungsplänen sowie Absprachen mit dem Zahntechniklabor. Letzteres liegt ihr besonders am Herzen: Nach dem Abitur hatte sie zunächst selbst eine Ausbildung zur Zahntechnikerin gemacht und in dem Beruf gearbeitet.

Zu ihrem Arbeitsalltag gehört aber noch viel mehr: Personalführung und Qualitätsmanagement beispielsweise, Besprechungen im Team und Schulungen für ihre Mitarbeitenden. Wenn diese nach den gemeinsamen 40 Wochenstunden Wochenende haben, geht die Arbeit für die Unternehmerin weiter. Dann gilt es, sich um das Wirtschaftliche zu kümmern: Rechnungen schreiben, Materialbestellungen überprüfen, auch mal über Marketing-Maßnahmen wie eine verbesserte Website nachdenken, den Monatsabschluss für das Steuerbüro fertig machen … „Also doch Papierstapel abarbeiten! Das wollte ich mit meiner Entscheidung für einen praktischen Beruf, bei dem man mit Menschen zu tun hat und mit den Händen arbeitet, ja eigentlich vermeiden“, sagt Anne Bayer schmunzelnd.

Das benötigte wirtschaftliche Know-how, Managementkenntnisse oder Aspekte der Personalführung wurden im Studium nicht vermittelt, erzählt die Zahnärztin. Hilfestellung gibt es aber bei den Zahnärztekammern, die mit Beratungsangeboten, Fortbildungen oder Workshops bei der Praxisgründung oder -übernahme unterstützen.

Kontinuierliche Weiterbildung

Fachlich lernt man an der Hochschule zwar alles, was es für die gute Behandlung der Patient*innen braucht. Trotzdem bildet sich Anne Bayer kontinuierlich weiter, um verschiedene Diagnose- oder Behandlungsmethoden zu vertiefen. Spezialkenntnisse hat sie sich bereits im Bereich Parodontologie angeeignet. Aktuell widmet sie sich intensiv dem Thema Funktionsdiagnostik. Dabei geht es um die Kiefergelenke und Kaumuskulatur.

Den Schritt in die Selbständigkeit hat sie nie bereut, trotz vieler Herausforderungen. Die Work-Life-Balance sei durchaus ein Thema: „Manchmal grübelt man abends weiter, ob man genug getan und geleistet hat“, sagt Anne Bayer. Die wirtschaftlichen Aspekte müsse man eben immer im Hinterkopf behalten, etwa um anstehende Investitionen stemmen zu können. Ihre Praxis würde sie gerne noch moderner ausstatten, ein digitales Röntgengerät fällt ihr dazu sofort ein, oder ein 3-D-Scanner, der das Abnehmen von Zahnabdrücken erleichtert. Wenn alles gut weiterläuft, kann sie sich vorstellen, einen Kollegen oder eine Kollegin anzustellen. Viel mehr müsse sich gar nicht ändern. Sie ist mit ihrer beruflichen Situation als Landzahnärztin sehr zufrieden.