Stipendien sind nicht nur für Überflieger

Geldscheine und Münzen
Mit Stipendien werden Studierende finanziell unterstützt oder auch ideel gefördert, etwa durch Seminare oder Workshops. Klingt attraktiv, doch viele Studieninteressierte oder Studierende bewerben sich gar nicht erst - dabei sind in der Stipendienlandschaft Möglichkeiten für fast jeden dabei.
Foto: Martin Rehm

Wie komme ich an ein Stipendium?

Stipendien sind nicht nur für Überflieger

Es gibt sie für Sportler, für politisch Interessierte oder für sozial Engagierte: Die Stipendienlandschaft in Deutschland ist vielfältiger, als man meint. Die Chancen, gefördert zu werden, stehen gut – wenn man den passenden Stipendiengeber findet.

Fabienne Amrhein hat zwei große Leidenschaften: Das Laufen und die Biologie. Ihr sportliches Engagement verhalf ihr bereits zu einem deutschen Vizemeistertitel im Crosslauf, ihrem fachlichen Interesse geht sie als Masterstudentin der Molekularbiologie mit dem Schwerpunkt Krebsforschung nach. „Mein Ziel war es immer, Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen“, sagt die 25-Jährige.

Über die Homepage der Universität Heidelberg, an der sie studiert, erfuhr sie vom Deutschlandstipendium, das zur Hälfte vom Bund, zur anderen von privaten Spendern finanziert wird. „Für mich ist das eine große Erleichterung – so kann ich meinen Sport neben dem Studium weiter betreiben und liege auch meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche.“

Nur fünf Prozent mit Stipendium

Ein Porträt-Foto von Fabienne Amrhein.

Fabienne Amrhein

Foto: Frederic Giloy

Rund 25.500 Studierende wurden 2016 wie Fabienne Amrhein mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Es ist damit das Stipendium, das in Deutschland am häufigsten vergeben wird – und die Zahl steigt seit der Einführung 2011 von Jahr zu Jahr. Dennoch nutzten der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2016 zufolge nur fünf Prozent der Studierenden ein Stipendium als Finanzierungsquelle. „Viele kommen gar nicht auf den Gedanken, sich für ein Stipendium zu bewerben“, sagt Petra Reinert, Abiturientenberaterin bei der Agentur für Arbeit in Karlsruhe. „Dabei gibt es in Deutschland über 2.000 Stipendiengeber.“ Und gerade kleinere Stiftungen schöpfen ihre Fördermittel oft nicht vollständig aus.

Engagement als wichtiges Kriterium

„Viele Stipendien sind gar nicht – wie man meinen könnte – an sehr gute Noten geknüpft, sondern etwa an den Beruf des Vaters oder den Wohnort. Stipendien sind definitiv nicht nur etwas für Überflieger“, betont die Beraterin. Wichtiger als Noten seien vielen Förderern oft die Persönlichkeit und das Engagement der jungen Menschen, die sie unterstützen. „Das Förderprogramm ‚Studienkompass‘ richtet sich etwa speziell an jene, die als erste in der Familie ein Studium aufnehmen“, erklärt Petra Reinert. „Daher gilt es vielmehr, den passenden Förderer zu finden.“

Das gilt vor allem für die Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden und rund 25 Prozent der Stipendien in Deutschland vergeben. Seit 2013 gibt es 13 dieser Werke. Die Begabtenförderungswerke sollen die Vielfalt der deutschen Gesellschaft darstellen – so stehen einige von ihnen Parteien nahe, andere vertreten bestimmte Glaubensrichtungen. (Erfahre etwa mehr über das Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung in „Eine Chance, den Horizont zu erweitern“.)

Eine Ausnahme ist die Studienstiftung des deutschen Volkes, die politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig ist. „Uns zeichnet gerade die Vielfalt der Geförderten aus: Wir suchen begabte junge Menschen, die gesellschaftlich engagiert sind und sich durch ihre – durchaus unterschiedlichen – Haltungen hervorheben“, erklärt Sibylle Kalmbach, stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung. Abiturienten – auch solchen mit fachgebundener Hochschulreife – und Studierenden empfiehlt sie, sich genau über die verschiedenen Begabtenförderungswerke zu informieren. „Jedes Werk vertritt ganz bestimmte Werte, mit denen sich die Stipendiaten auch identifizieren sollten.“

Um geeignete Stipendiaten zu finden, betreiben die Begabtenförderungswerke viel Aufwand mit den Bewerbungsverfahren. „Eine sehr gute Leistung in der Schule oder im Studium spielt natürlich eine Rolle – aber das allein reicht uns nicht. Wir suchen Menschen, die ein breites Interesse haben, die die Gesellschaft aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen“, erklärt Sibylle Kalmbach.

Sich beweisen in Tests und Gesprächen

Bei der Studienstiftung war es lange Zeit so, dass ein Kandidat vorgeschlagen werden musste – von Lehrern, Professoren oder dem Prüfungsamt. Seit 2010 kann man sich auch selbst bewerben. Diese Bewerber müssen einen Test absolvieren, der es in sich hat. Die Testbesten werden, zusammen mit den vorgeschlagenen Kandidaten, zu einem Auswahlverfahren eingeladen. An diesen zweieinhalb Tagen stehen Einzelgespräche und Gruppendiskussionen an. Außerdem müssten sich die Bewerber bei Vorträgen und in der Moderation beweisen.

Fabienne Amrheins Bewerbungsprozess für das Deutschlandstipendium war da deutlich einfacher: Sie reichte Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugnisse ein. „Das ist je nach Stipendiengeber sehr unterschiedlich geregelt“, erklärt Abiturientenberaterin Petra Reinert. „Ebenso die Frage, wer gefördert wird: Es gibt Stipendien für Schüler, für Bachelor- und Masterstudierende und auch für Promovenden.“

Für junge Menschen, die ins Ausland gehen möchten – egal ob für ein Studium oder ein Praktikum – seien die Akademischen Auslandsämter der Hochschulen sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die richtigen Ansprechpartner. „Der DAAD allein hat über 50 Förderangebote“, sagt Petra Reinert. (Mehr über ein Stipendium des DAAD erfährst du in „Förderung für ein Praktikum im sibirischen Winter“.) Besonders beliebt ist auch das Erasmus+-Programm der EU, das grundsätzlich allen Studierenden offensteht, „also nicht nur den Jahrgangsbesten“.

Finanzielle Förderung

So unterschiedlich die Förderer, so unterschiedlich die Förderung: „Die Finanzierung reicht von ein paar Hundert Euro bis deutlich über 1.000 Euro im Monat, etwa für Promotionsstipendien“, erklärt die Beraterin. Deutschlandstipendiatin Fabienne Amrhein etwa erhält 300 Euro pro Monat. Davon stammen 150 Euro aus dem Bundeshaushalt, 150 Euro von privaten Geldgebern wie Unternehmen, Vereinen oder Privatleuten. Zusätzlich könnte sie BAföG beantragen.

Bei den Begabtenförderungswerken bekommen Stipendiaten eine Studienkostenpauschale von 300 Euro und zusätzlich bis zu 735 Euro pro Monat, was dem BAföG-Höchstbetrag entspricht. Die Förderung der meisten Stipendien ist auf die Regelstudienzeit begrenzt, oft jedoch mit der Aussicht, für den folgenden Master ebenfalls eine Förderung zu erhalten.

Ideelle Förderung

Es gibt nur eine Sache, die Fabienne Amrhein bei ihrem Stipendium etwas bedauert. „Über die finanzielle Förderung hinaus wird kaum etwas angeboten“, sagt die 25-Jährige. Ein deutlicher Unterschied zur Unterstützung der Begabtenförderungswerke und vieler privater Stiftungen: „Bei uns liegt der Schwerpunkt in der ideellen Förderung“, sagt Sibylle Kalmbach von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die Betreuung der Stipendiaten ist eng und das Programmangebot reicht von regelmäßigen Stipendiatentreffen über Sommerakademien bis zu wissenschaftlichen Kollegs. „Außerdem ermuntern wir unsere Stipendiaten, auch eigene Ideen umzusetzen.“ (Unter anderem um die ideelle Förderung der Claussen-Simon-Stiftung geht es in „Aus Liebe zur Kunst“.)

Einen Überblick verschaffen

Abiturientenberaterin Petra Reinert empfiehlt für einen ersten Überblick die Internetseiten Stipendienlotse.de und myStipendium.de. „Hier kann man seine Merkmale eingeben – etwa Studienfach oder Herkunftsort – und bekommt mögliche Stipendien angezeigt“, erklärt sie. (Weitere Fakten rund um Stipendien erhältst du in den FAQ „Was du über Stipendien wissen solltest“.)

Zudem rät sie Bewerbern, nie nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen: „Es bringt nichts, sich bei möglichst vielen Stipendiengebern zu bewerben – es sollte schon der passende sein.“ Wenn man dann noch einige Gedanken in das Motivationsschreiben steckt und keine 0815-Bewerbung abschickt, seien die Chancen gar nicht schlecht. „Es lohnt sich auch durchaus, bei einer Ablehnung hartnäckig zu bleiben und sich später noch einmal zu bewerben“, empfiehlt Petra Reiner.

Info

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und dich über verschiedene Stipendien informieren.
www.studienwahl.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst

Infos rund ums Studium im Ausland: Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse etc.

www.daad.de/ausland/studieren

/stipendium/de/70-stipendien

-finden-und-bewerben

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zu Bildung und Forschung in Deutschland
www.bmbf.de

Stipendienlotse

Stipendien-Datenbank des BMBF mit Infos über mehr als 1.300 Stipendien. Suchfunktion nach zahlreichen Merkmalen
www.stipendienlotse.de

Stipendiumplus

Internetseite der 13 Begabtenförderungswerke unter dem Dach des BMBF. Infos zu Formalitäten, Bewerbung und den einzelnen Werken
www.stipendiumplus.de

myStipendium

Private Seite mit zahlreichen Informationen und Tipps rund um Stipendien. Über die Suchfunktion werden geeigente Stipendien nach Merkmalen gefiltert.
www.mystipendium.de

 

DAAD-Kurzstipendium für Praktika im Ausland

Förderung für ein Praktikum im sibirischen Winter

Drei Monate lang arbeitete der Geschichtsstudent Paul Assies (24) am Goethe-Institut in Nowosibirsk – dank des Kurzstipendiums für Praktika im Ausland des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Paul Assies hat es immer gen Osten gezogen. Während Kommilitonen für ein Auslandssemester nach Spanien wollten oder ein Praktikum in den USA machten, verbrachte der Geschichtsstudent lieber ein Semester in Istanbul, ging für eine Sommerschule ins russische Woronesch und absolvierte im vergangenen Jahr ein Praktikum in Nowosibirsk.

„Gerade über Russland gibt es so viele Vorurteile – ich finde es spannend, in solche Länder zu gehen und zu schauen: Wie sieht es da tatsächlich aus?“ Was er sah, fand er interessant: „Ich habe mich schließlich auch fachlich in meinem Geschichtsstudium immer weiter nach Osten bewegt.“

Erst das Praktikum, dann das Stipendium

Ein Porträt-Foto von Paul Assies.

Paul Assies

Foto: privat

Diese eher exotische Vorliebe hat einen großen Vorteil: „Auslandsaufenthalte in Spanien oder in den USA sind extrem beliebt – da bewerben sich deutlich mehr Studierende auf Programme und Stipendien als etwa für Russland“, erzählt Paul Assies. „Meine Bewerbungen dagegen verliefen meist unkompliziert.“

Auch bei seinem Praktikum in Sibirien hat er diese Erfahrung gemacht: „Ich wollte vor meiner Bachelorarbeit gerne noch mal Praxiserfahrung im Ausland sammeln“, erzählt der 24-Jährige. Gezielt informierte er sich daher auf der Internetseite des Goethe-Instituts nach Angeboten. „Die Institute bieten ständig und weltweit Praktika an. Voraussetzungen dafür sind, dass man ein Studium begonnen oder abgeschlossen hat, sehr gute Deutschkenntnisse hat und sich außerdem für die Kultur des jeweiligen Landes interessiert.“ Der Geschichtsstudent bewarb sich online per Lebenslauf, Zeugnissen und Co. bei den Instituten in St. Petersburg und Nowosibirsk: „Einmal einen sibirischen Winter erleben – das hat mich schon gereizt.“

Bereits vor dieser Bewerbung hatte er sich auch über Fördermöglichkeiten informiert: „Das Praktikum ist unbezahlt – ohne ein Stipendium wäre das finanziell sehr eng für mich geworden.“ Von seinen früheren Auslandsaufenthalten wusste er, dass der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) zahlreiche Stipendien im Programm hat und fand nach kurzer Recherche auch die passende Förderung für sein Praktikum: Die Kurzstipendien für Praktika im Ausland fördern bis zu dreimonatige Aufenthalte speziell bei deutschen Institutionen und Organisationen im Ausland.

1.400 Euro für drei Monate in Russland

Als er die Zusage für ein Praktikum am Goethe-Institut Nowosibirsk erhalten hatte, bewarb er sich für das DAAD-Stipendium. „Wenn man sich rechtzeitig informiert und alle Unterlagen zusammengetragen hat, ist ein Großteil der Arbeit bereits erledigt“, sagt Paul Assies. Und weder für das Praktikum noch für das Stipendium spielten seine Noten eine entscheidende Rolle.

1.400 Euro betrug seine Förderung, die sich aus einer Reisekosten- und einer Tagespauschale zusammensetzte. „Das deckt nicht alle Kosten, aber ist natürlich dennoch eine große Hilfe“, findet der 24-Jährige. Einen Sprachkurs vor Ort finanzierte er aus eigener Tasche.

Gute Chancen abseits ausgetrampelter Pfade

Ende Januar 2017 flog Paul Assies dann für drei Monate in den sibirischen Winter. Er half in dieser Zeit am Goethe-Institut, dessen deutsches Filmfestival zu organisieren, und betreute während der Veranstaltung etwa Lars Hubrich, der das Drehbuch für den Film „Tschick“ geschrieben hat. Der DAAD-Stipendiat übersetzte Texte, unterstützte in Sprachkursen und betreute die Web-Plattform „Konverter“, auf der junge Menschen aus dem postsowjetischen Raum aus ihrem Alltag und von ihren Erlebnissen berichten. „Das Praktikum war richtig interessant“, berichtet der Student rückblickend.

Studierende, die gerne für ihr Studium oder ein Praktikum ins Ausland gehen wollen, kann er nur raten, sich genau zu informieren: „Es gibt so viele Förderprogramme – auch wer nicht die besten Noten vorweisen kann, hat viele Möglichkeiten. Vor allem wenn man sich auf Pfade wagt, die nicht ganz so ausgetrampelt sind.“

Paul Assies konzentriert sich nun erst einmal auf sein Studium in Deutschland. Nach der Bachelorarbeit geht es für ihn weiter mit dem Master für Osteuropäische Geschichte.

 

Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung

„Eine Chance, den Horizont zu erweitern“

Umweltschutz, Klimawandel, Inklusion und Gerechtigkeit: Das sind die Themen, die Markus Haun (24) neben seinem Masterstudium der Physik an der Universität Heidelberg noch interessieren. Als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung kann er ihnen intensiv nachgehen.

Lange hat Markus Haun nach dem Abitur überlegt, was er studieren will. „Ich bin vielseitig interessiert und tat mich schwer, mich auf eine Sache festzulegen“, erzählt der 24-Jährige. Er entschied sich zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr, denn „ich wollte über den Tellerrand schauen und Menschen mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund kennenlernen“. In Ghana unterrichtete er Kinder, die seit Jahren keine Schule mehr besucht hatten. Danach machte er ein Orientierungsstudium, besuchte Kurse verschiedener Fachrichtungen und legte sich auf eine Favoriten fest: Physik. „Aber ich wollte mich nicht den Rest meines Lebens nur mit Physik beschäftigen – weil mich eben auch gesellschaftliche und geisteswissenschaftliche Themen sehr interessieren.“

Ein Freund erzählte Markus Haun von der Heinrich-Böll-Stiftung – eines von 13 Begabtenförderungswerken in Deutschland, die Studierende mit herausragenden Leistungen finanziell und ideell unterstützen. „Mich hat vor allem die ideelle Förderung interessiert. Ich sah darin die Möglichkeit, ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren und mich über die Seminar- und Kursangebote der Stiftung auch mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen und neuen Input zu bekommen.“

„Man muss kein Parteimitglied sein“

Ein Porträt-Foto von Markus Haun.

Markus Haun

Foto: Katrin Kaiser/Regina Sandig

„Die grüne politische Stiftung“ nennt sich die Heinrich-Böll-Stiftung selbst. „Das heißt aber nicht, dass man Parteimitglied bei den Grünen sein muss, um dort ein Stipendium zu bekommen“, stellt Markus Haun klar. „Und man muss auch nicht Böll gelesen haben“, fügt er lachend hinzu – aber natürlich schadet es nicht. „Am wichtigsten ist, dass die Werte der Stiftung zu einem passen.“ Er selbst ist nicht politisch aktiv, aber politisch sehr interessiert und gesellschaftspolitisch engagiert. „Ich kann mich mit den Ideen der Stiftung sehr gut identifizieren: Umweltschutz war für mich immer ein wichtiges Thema, genauso der Klimawandel – mit dem ich mich nun auch im Studium beschäftige.“ Zudem sind Inklusion und Gerechtigkeit sowohl für die Stiftung als auch für den Stipendiaten Herzensangelegenheiten. Für geflüchtete Kinder organisierte er beispielsweise Spielenachmittage.

Für Markus Haun war schnell klar: „Das passt!“ Er bewarb sich für ein Stipendium. Dafür reichte er zunächst einen Bewerbungsbogen ein; ein Motivationsschreiben, sein Lebenslauf und Zeugnisse eingeschlossen. „Es gibt keinen Mindestnotenschnitt“, erklärt der Student, der einen Abischnitt von 1,0 hat. „Aber sehr gute Noten verbessern natürlich die Chancen.“ Genauso wichtig sind der Stiftung gesellschaftliches Engagement und politisches Interesse – beides soll mit Referenzen nachgewiesen werden.

In der zweiten Bewerbungsstufe folgte ein Gespräch mit einem Vertrauensdozenten der Stiftung: „Das ist in der Regel ein Dozent, der an einer Uni in der Nähe im gewählten Studienbereich lehrt.“ Sie sprachen über Politik sowie aktuelle gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Themen. „Das war kein Abfragen, aber es lohnt sich, vor dem Gespräch öfter mal in die Zeitung zu schauen“, findet der junge Mann. Mit etwa 100 weiteren Bewerbern wurde er anschließend nach Berlin eingeladen. „Hier gab es Gespräche mit Vertretern der Stiftung und aktuellen Stipendiaten sowie eine Diskussionsrunde mit fünf, sechs Personen über ein aktuelles Thema.“

Geld, Seminare und Workshops

Wenig später bekam Markus Haun Bescheid, dass er ein Stipendium erhält. „Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut“, erinnert er sich. Die Förderung lief über die Regelstudienzeit seines Bachelorstudiums hinaus. „Für den Master habe ich einen Antrag auf Weiterförderung beantragt, der bewilligt wurde.“ Die finanzielle Förderung der Stiftung ermöglicht es ihm, sich auf sein Studium zu konzentrieren. Stipendiaten bekommen eine Studienpauschale von 300 Euro, dazu – je nach Bedarf – bis zu 735 Euro pro Monat.

„Außerdem nehme ich pro Semester mindestens an zwei Veranstaltungen der Stiftung teil“, erzählt er. Das ideelle Angebot des Stipendiums reicht von Seminaren zur politischen Bildung über Workshops, um Schlüsselqualifikationen auszubauen, bis zur Beratung rund um Studium und Beruf. „Das ist eine große Chance, den eigenen Horizont zu erweitern – und natürlich lernt man viele interessante Menschen kennen.“

Info

Stipendien der Heinrich-Böll-Stiftung

www.boell.de/de/stiftung/stipendien

 

Stipendium der privaten Claussen-Simon-Stiftung

Aus Liebe zur Kunst

Inga Dreesen studiert Kunstgeschichte, möchte später in einem Kunstmuseum arbeiten – und ist Stipendiatin im Master-Plus-Förderprogramm der Claussen-Simon-Stiftung. Da sich die Stiftung auch im kulturellen und künstlerischen Bereich stark engagiert, „passt sie einfach perfekt zu mir“, sagt die 26-Jährige.

„Die Liebe zu Kunst und Kultur wurde mir in die Wiege gelegt: Meine Mutter ist Vergoldermeisterin und Galeriebesitzerin“, erzählt Inga Dreesen. Mit einem sehr guten Abitur in der Tasche schrieb sie sich für den Bachelor „Kultur der Metropole“ an der HafenCity Universität Hamburg ein. Spätestens nach ihrem Praxissemester in der Hamburger Kunsthalle stand für sie fest: „Ich möchte später in einem Kunstmuseum arbeiten.“ Daher studiert sie nun im Master Kunstgeschichte an der Universität Hamburg.

Zielstrebig war Inga Dreesen schon immer – und vielfältig engagiert. Bereits zu Schulzeiten war sie Klassen- und Schulsprecherin und leitete die Fotolabor-AG, während des Studiums engagierte sie sich im Fachschaftsrat der Kunstgeschichte. Neben Studium und Ehrenamt blieb wenig Zeit für anderes, doch die Studentin jobbte noch nebenher, um erste berufliche Erfahrungen zu sammeln.

Bereits für das Bachelorstudium hatte sie versucht, ein Stipendium zu ergattern. „Ich habe mich zweimal beim Deutschlandstipendium beworben – erfolglos“, erinnert sich die 26-Jährige.

Motivation und Engagement entscheidend

Ein Porträt-Foto von Inga Elsbeth Dreesen.

Inga Elsbeth Dreesen

Foto: privat

Über einen Newsletter der Universität wurde sie schließlich auf die Claussen-Simon-Stiftung aufmerksam, die über ihr Master-Plus-Förderprogramm begabte Studierende aller Fachrichtungen fördert. Die Stiftung wurde 1981 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden der Beiersdorfer AG, Georg Wilhelm Claussen, gegründet und später durch das Erbe seine Cousine Ebba Simon bereichert. „Ich habe mich auf der Homepage informiert und fand besonders das Engagement der Stiftung im kulturellen und künstlerischen Bereich sehr interessant. Was ich dort gelesen hatte, passt einfach perfekt zu mir“, sagt Inga Dreesen.

Die Stiftung fördert – unter anderem – Master-Studierende, die an einer deutschen Hochschule in Vollzeit studieren und ihren Bachelor mit einem Schnitt von 1,7 oder besser abgeschlossen haben. Das sind die „harten“ Voraussetzungen. „Es ist also kein Stipendium, das sich nur an absolute Überflieger richtet“, stellt die Stipendiatin klar. Viel wichtiger sind Motivation und Engagement der jungen Menschen – auch über das Studium hinaus.

Bewerben erst online, dann vor Ort

„Der erste Schritt der Bewerbung ist unkompliziert“, erklärt Inga Dreesen. „Über das Onlineformular habe ich meinen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, Zeugnisse, Bescheinigungen über das ehrenamtliche Engagement und zwei Empfehlungsschreiben von Professorinnen hochgeladen.“ Daneben musste sie einen Finanzierungsplan aufstellen, in dem sie darstellte, welche Ausgaben sie hat und was sie braucht, um ihr Studium zu finanzieren.

Im nächsten Schritt wurde sie in die Stiftung nach Hamburg eingeladen. Dort fand ein Bewerbungsgespräch mit den Programmverantwortlichen statt, außerdem musste sie einen Essay zu einem vorgegebenen Thema verfassen. „Dabei geht es nicht darum, einen fachlich möglichst fundierten Text zu schreiben, sondern darum, wie man argumentiert und die eigene Meinung vertritt“, erklärt die Studentin.

Starke ideelle Förderung

Nur wenig später bekam sie die Zusage. Finanziell wird sie nun mit dem Betrag gefördert, den sie selbst in ihrem Finanzierungsplan festgeschrieben hat. Dieser Betrag wird individuell festgelegt, orientiert sich aber an der BAföG-Unterstützung.

„Das Besondere an der Claussen-Simon-Stiftung ist aber die ideelle Förderung“, sagt die 26-Jährige. Jedes Jahr treffen sich alle Stipendiaten sowie Alumni, also Ehemalige, in schleswig-holsteinischen Ratzeburg. An drei Tagen lernen und diskutieren sie miteinander und werfen so einen Blick über den Tellerrand und knüpfen Kontakte. Über das ganze Jahr verteilt werden Workshops und Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung angeboten – und man kann auch eigene Veranstaltungen organisieren.

Sich persönlich weiterentwickeln

Inga Dreesen ist sehr dankbar für die Unterstützung der Claussen-Simon-Stiftung. „Sie ermöglicht mir, mich ganz auf mein Studium und das, was mir wichtig ist, zu konzentrieren. Durch die ideelle Förderung kann ich mich zudem persönlich weiterentwickeln und viele tolle Leute kennenlernen.“

Info

Claussen-Simon-Stiftung

www.claussen-simon-stiftung.de

 

Wie komme ich an ein Stipendium? FAQ

Was du über Stipendien wissen solltest

Stipendien sind nur was für Hochbegabte und die Chancen, gefördert zu werden, sind winzig? Irrtum! Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Stipendium.

Wer wird gefördert?

Viele Abiturienten und Studierenden gehen davon aus, dass nur Hochbegabte gefördert werden. Doch das stimmt nicht. Es gibt allein in Deutschland über 2.000 Stiftungen, die Stipendien vergeben – und die wenigsten davon fördern ausschließlich die mit den besten Noten. Viele Einrichtungen legen eigene Kriterien fest. Sie fördern etwa Studierende, deren Eltern einer bestimmten Berufsgruppe angehören, aus einer bestimmten Region kommen, ein bestimmtes Fach gewählt haben oder als erste in ihrer Familie ein Studium aufnehmen.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Die einzige Voraussetzung, die für alle Stipendien gilt: Bewerber müssen an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule studieren. Daher können auch Studierende ein Stipendium erhalten, die kein Abitur haben. Ansonsten sind die Anforderungen je nach Stipendiengeber sehr unterschiedlich. Selbst bei den 13 Begabtenförderungswerken, die in einem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zusammengefasst sind und 25 Prozent der Stipendien vergeben, kommt es nicht auf Bestnoten an. Gefordert sind zwar „überdurchschnittliche“ Leistungen, genauso wichtig sind jedoch gesellschaftliches, politisches oder soziales Engagement sowie die Persönlichkeit des Bewerbers.
Es lohnt sich also für alle Studierenden, sich über mögliche Stipendien zu informieren – ganz unabhängig davon, welche Noten im Zeugnis stehen, wie wohlhabend die Eltern sind oder wie alt der Studierende ist.

Wann sollte ich mich bewerben?

Es gibt Stipendien, die es bereits Oberstufenschülern ermöglichen, Hochschulluft zu schnuppern. Ein Großteil richtet sich jedoch an Studierende. Sobald Studienfach und -ort feststehen, können sich Bewerber um diese Stipendien bemühen. Für viele Stipendiengeber ist der Studienstand jedoch gar nicht ausschlaggebend – auch mitten im Studium kann man sich bewerben. Zudem gibt es Stipendien für Abschlussarbeiten, Auslandsaufenthalte, spezielle Masterprogramme oder die Promotion.

Wie bewerbe ich mich für ein Stipendium?

In der Regel bewirbt man sich auf eigene Initiative. Auch bei der Studienstiftung des deutschen Volkes kann man sich seit 2010 selbstständig bewerben, ein Großteil der Bewerber wird hier jedoch noch immer von Lehrern oder Professoren vorgeschlagen. Bei anderen Stipendiengebern können Kandidaten nur vorgeschlagen werden, bei der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes etwa von Gewerkschaften oder Stipendiaten. Empfehlungsschreiben sind übrigens bei allen Bewerbungen gern gesehen. Ansonsten unterscheidet sich der Bewerbungsablauf stark: Manche Stiftungen oder Vereine wollen lediglich eine schriftliche Bewerbung, bei anderen – etwa den Begabtenförderungswerken – wartet auf Bewerber in der Regel ein dreistufiges Verfahren mit einer oft mehrtägigen Auswahlveranstaltung.

Welche Förderung umfasst das Stipendium und wie lange wird gefördert?

Auch darin unterscheiden sich die Stipendien stark. Sie umfassen zum Beispiel Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten, den Erlass von Studiengebühren oder die Übernahme von Büchergeld. Die finanzielle Unterstützung reicht dabei von mehreren Hundert Euro als Einmalzahlung bis zu einem monatlichen Zuschuss von über 1.000 Euro, etwa für Doktoranden. Bei vielen Stipendiengebern spielt auch die ideelle Unterstützung durch Seminare, Workshops, Mentoring und Coaching eine tragende Rolle. Die Förderung kann dabei für einzelne Semester gelten, aber auch das komplette Studium umfassen.

Welche Vorteile hat ein Stipendium gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten?

Bei der finanziellen Förderung durch ein Stipendium muss man keinen Cent zurückzahlen. Die einzige Gegenleistung, die einige Stiftungen und Vereine fordern, ist das Engagement der Stipendiaten. Beim BAföG muss man fünf Jahre nach dem Abschluss immerhin nur die Hälfte des zinslosen Darlehens zurückzahlen und nie mehr als 10.000 Euro.

Ist eine Doppelförderung möglich? Und wird ein Stipendium auf das BAföG angerechnet?

Auch das hängt stark von der Art des Stipendiums ab. Wer das Deutschlandstipendium bekommt, kann zusätzlich BAföG beantragen, bei den Begabtenförderungswerken ist dies ausgeschlossen. Als grober Anhaltspunkt gilt: Je weniger die Förderung finanziell und ideell umfasst, desto eher ist eine Doppelförderung möglich.

Wo kann ich nach geeigneten Stipendien recherchieren?

Einen guten ersten Überblick bieten die Internetseiten Stipendienlotse.de und mystipendium.de. Der Stipendienlotse ist die Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und umfasst derzeit (Stand Februar 2018) rund 1.300 Stipendien. Die Seite mystipendium.de wurde 2012 von der damaligen Doktorandin Mira Maier als Social Start-up gegründet. Sie wollte ändern, dass sich 92 Prozent der Studierenden, die sich überhaupt um ein Stipendium bewerben, bei nur 0,8 Prozent der Stiftungen bewerben. Entsprechend hält die Seite auch Informationen zu kleineren Stiftungen mit teils ungewöhnlichen Stipendien parat. Passend zum Lebenslauf findet die Suchfunktion Stipendien, die für den Bewerber infrage kommen. Auf der Seite stipendiumplus.de finden Bewerber Informationen zu den Stipendien der 13 Begabtenförderungswerken. Und wer nach einem Stipendium für einen Aufenthalt im Ausland sucht, ist auf der Seite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes richtig: Hier gibt es Informationen zu 52 Fördermöglichkeiten.


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Stand: 14.12.2019