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Einstiegsgehälter von Akademiker*innen: Es geht um das Gesamtpaket

Die erste Stelle nach dem Studium ändert das Leben. Und es geht ans Geldverdienen. Mit welchem Gehalt man rechnen kann, ist eine spannende Frage.

Situation einer Finanzplanung. Ein Geldschein, Münzen, eine Haushaltsliste und ein Taschenrechner (Foto: Martin Rehm)

45.400 Euro – so viel verdient man als Akademiker*in im Durchschnitt pro Jahr beim Berufseinstieg, so der Stepstone-Gehaltsreport für 2020/2021. Je nach Studiengang und Abschluss variieren Gehälter jedoch stark.

Mediziner*innen mit Masterabschluss verdienen mit knapp 60.000 Euro per anno am besten. Ein Master in Geisteswissenschaften „bringt“ hingegen nur knapp 36.000 Euro. Bei den Bachelorabschlüssen führen Wirtschaftsingenieur*innen mit 47.000 Euro. Laut dem Portal absolventa.de dagegen liegen bei den Masterabsolvent*innen die Ingenieur*innen mit durchschnittlich 50.600 Euro höher. Mit einer Promotion erreicht man Stepstone zufolge ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von über 56.000 Euro.

Je nach Branche sind Gehälter unterschiedlich. Die Automobilindustrie zahlt mit über 51.000 Euro am besten, gefolgt von der Luft- und Raumfahrt, Chemie, Pharma und Banken. Soweit die Zahlen.

Was aber fängt man mit diesen Daten an, vor allem wenn sie sich widersprechen? Einordnung ist gefragt, sagt Dr. Malte Sandner, Senior Researcher im Bereich Bildungsökonomie beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ein Beispiel: Die Gehaltsunterschiede zwischen Bachelor- und Masterabsolvent*innen liegen bei 5.000 Euro pro Jahr, also nicht einmal bei zehn Prozent. „Wer nach dem Bachelor direkt in den Beruf einsteigt, hat meist ein konkretes Angebot erhalten. Wer gefragt ist, bekommt auch mehr Geld. Daraus lässt sich aber keine Regel für alle Bachelorabsolventen ableiten.“ Das ist ein Beispiel für verzerrte Datenlagen. „Man sollte wissen, wie die Zahlen erhoben werden“, sagt Malte Sandner. Befragt werden Berufseinsteiger*innen und die runden ihr Gehalt meist etwas nach oben. Bei den Arbeitgebern sind große Konzerne in Umfragen gut vertreten, die in der Regel mehr bezahlen als mittelständische Unternehmen.

Spezialisierung zahlt sich aus

Ein Foto von Dr. Malte S. (Foto: privat) Ein Foto von Dr. Malte S. (Foto: privat)

Dr. Malte Sandner

Eine Orientierung geben die Gehaltsstudien aber. Dass Branchen wie die Luft- und Raumfahrt bei den Einstiegsgehältern vorne liegen, wundert Malte Sandner nicht. „Wer sich im Studium stark spezialisiert und mit Kenntnissen einsteigt, die man nicht on the job erwerben kann, ist für High-Tech Branchen interessant.“ Die Bezahlung von Frauen in MINT-Fächern muss ebenfalls besser werden. „Angehende Ingenieurinnen verdienen bei gleicher Qualifikation oft weiter weniger als ihre männlichen Kollegen“, sagt Malte Sandner.

Technologieunternehmen und DAX-Konzerne sitzen in Großstädten. Das erklärt auch die ortsabhängigen Gehaltsunterschiede. „Aber mit einem Zulieferer in der Schwäbischen Alb, der fähige Mitarbeiter*innen gewinnen will, kann man ein interessantes Gehalt verhandeln“, sagt Malte Sandner. Hohe Gehälter in den Metropolen sollte man realistisch sehen, rät Michael Hümmer, Berater für akademische Berufe und Hochschulkoordinator der Agentur für Arbeit Fürth in Erlangen. „In den Großstädten sind die Mietkosten deutlich höher, das muss man mit einkalkulieren.“

Eine große Bandbreite gibt es in der Medizin. „Wer sich als Arzt niederlässt, ist unternehmerisch tätig“, sagt Sandner. Dann ist das Gehalt nicht nur vom Standort und der Fachrichtung abhängig, sondern unter anderem auch vom Talent als Unternehmer*in (Direkt nach dem Studium kann man sich jedoch nicht als Arzt niederlassen, da hierfür eine Facharzt-Weiterbildung nötig ist – Anm. d. Red.). In Krankenhäusern angestellte Ärzt*innen dagegen werden wie der ganze öffentliche Dienst nach Tarif bezahlt. „Hier sind die Strukturen der Einstiegsgehälter sehr starr“, sagt Sandner. „Auch in der Privatwirtschaft spielen Tarifverträge eine Rolle. Es gibt aber mehr Spielraum bei der Eingruppierung in die Tarifgruppen.“

Geld ist nicht alles

Wer sein Gehalt verhandeln kann, der sollte nicht nur aufs Bruttoeinkommen schauen, rät Michael Hümmer. „Es geht um das Gesamtpaket. Bonuszahlungen spielen eine Rolle, die betriebliche Altersvorsorge und die Regelungen für den Freizeitausgleich bei Überstunden.“ Auch das Klima im Unternehmen sollte man im Auge behalten. „Was nützt mir ein hohes Gehalt, wenn ich ungern zur Arbeit gehe, weil die Chemie im Team nicht stimmt.“

Corona hinterlässt in der Arbeitswelt Spuren. Die Folgen der Rezession für den Arbeitsmarkt sind noch nicht abzuschätzen, meint Malte Sandner. „In Innovationsbranchen muss man kaum mit Gehaltseinbußen rechnen. Entscheidend ist, ob man eine Spezialisierung mitbringt, die im Markt gefragt ist.“ Michael Hümmer sieht das genauso. „Nur im Automobilsektor ist eine Delle bei der Beschäftigung im Produktionsbereich absehbar, und das drückt die Einstiegsgehälter.“ Spezialisierung bleibt auch im weiteren Berufsleben entscheidend. „Ein hohes Gehalt beim Einstieg heißt nicht, dass es automatisch so weitergeht“, sagt Hümmer. „Nur wer mit Trends und technischen Entwicklungen Schritt hält, legt auch beim Gehalt zu.“ Lebenslanges Lernen mit System ist angesagt: „Was wird gebraucht und was entsteht Neues, diese Fragen sollte man sich während des gesamten Berufslebens stellen“, rät er.

Weitere Informationen

Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Gehaltsinformationen für alle Berufe, mit Daten für einzelne Altergruppen und nach Regionen und und Städten
https://con.arbeitsagentur.de/prod/entgeltatlas

Studienwahl

Statements von Personalverantwortlichen zu Einstiegsgehältern
https://studienwahl.de/themen-des-monats/private-hochschulen/personalerstatements

Portale mit Rankings zu Einstiegsgehältern

Stepstone Gehaltsreport für Absolventen
https://www.stepstone.de/wissen/einstiegsgehalt/

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/jobsuche