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Ausbildungsberufe im Krankenhaus - Interview: Ganz nah am Menschen arbeiten

Auf Azubis in einem Krankenhaus warten verantwortungsvolle Aufgaben, aber auch Besonderheiten, was die Ausbildung betrifft. Am Beispiel der Ausbildung zum*zur Pflegefachmann*frau erklärt Angela Jester, Leiterin des Bereichs Erstausbildungen am Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Asklepios Kliniken Hamburg, welche das sind.

Zwei junge Krankenpfleger stehen im Krankenhausflur und besprechen sich. (Foto: Julien Fertl)

abi» Frau Jester, wie sieht der Ausbildungsalltag im Krankenhaus aus?

Angela Jester: Die Azubis begleiten examinierte Pflegekräfte in ihrem Berufsalltag und übernehmen Tätigkeiten, die ihrem Ausbildungsstand entsprechen. Anfangs können sie noch wenig allein machen, später eigenständig die Pflege von kleinen Patientengruppen übernehmen. Als Pflegefachmann oder -frau benötigt man ein extrem hohes Fachwissen – darum stehen auf dem Ausbildungsplan auch 2.100 Stunden Theorie an der Berufsschule. Im praktischen Teil werden die Azubis in verschiedenen Abteilungen eingesetzt, etwa in der Inneren Medizin, der ambulanten Pflege, der Neurologie, im OP oder auf der Intensivstation. So können sie besser einschätzen, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten.

abi» Auf welche Herausforderungen müssen sich Auszubildende einstellen?

Angela Jester: Das Arbeiten im Schichtdienst ist eine Besonderheit, auch an Wochenenden wird man eingeteilt. Eine weitere: Gerade Pflegefachleute sind permanent im Kontakt mit Patient*innen. Man kommt den Menschen sehr, sehr nah und erlebt auch Schicksale, die einen psychisch belasten können. Wer sich für eine Ausbildung im Krankenhaus interessiert, sollte zuvor unbedingt ein Praktikum machen, um zu sehen, ob ihm die Arbeit zusagt.

abi» Welche Fähigkeiten sollten Interessierte mitbringen?

Angela Jester: Wer im Krankenhaus arbeitet, braucht eine extrem hohe Kommunikationsfähigkeit. Man muss sich auf verschiedene Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern, Ressourcen und Bedürfnissen einstellen. Man muss teamfähig sein, denn man arbeitet mit vielen Professionen zusammen, etwa mit Physiotherapeuten*innen, Mediziner*innen, Medizinisch-technischen Assistenten*innen. Mit allen muss man auf Augenhöhe kommunizieren können.

Pflege ist Prozesssteuerung, sie muss geplant, durchgeführt, dokumentiert und evaluiert werden – dafür muss man strukturiert arbeiten können. Unablässig ist zudem eine gute Beobachtungsgabe: Pflegefachleute müssen Veränderungen bei Patienten*innen sofort erkennen, einordnen können und angemessen reagieren.

abi» Hat die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Ausbildungsinhalte?

Angela Jester: Der Umgang mit infektiösen Patient*innen gehört zum Berufsalltag im Krankenhaus, siehe Tuberkulose oder HIV. Wie schütze ich mich selbst und andere, wie gehe ich mit infektiösen Patienten*innen um? Das war immer schon Teil der Ausbildung.

abi» Wie hat sich die Wahrnehmung von Gesundheitsberufen durch die Pandemie verändert?

Angela Jester: Sehr positiv. Die Pflege etwa wird deutlich mehr wertgeschätzt – als unabkömmliche Profession und nicht als nettes Add-on. Zum ersten Mal wird die Vielschichtigkeit und Komplexität des Berufs wahrgenommen. Die Bewerberzahl steigt. Schon vorher war der Trend zu erkennen, dass mehr junge Leute mit Abitur den Beruf Pflegefachmann bzw. -frau ergreifen. Dazu kommen nun noch Menschen aller Altersgruppen, darunter auch sehr gut ausgebildete Interessierte, die in die Pflege wechseln wollen.

Zur Person

Ein Porträtfoto von Angela J. (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Angela J. (Foto: privat)

Angela Jester

Angela Jester ist Leiterin des Bereichs Erstausbildungen am Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Asklepios Kliniken Hamburg.