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Frühstudium: Schule und Uni kombinieren

Noch während der Schulzeit Vorlesungen besuchen und das Uni-Leben kennenlernen – dieses Angebot wollte sich Jessica (16) nicht entgehen lassen. Vom Frühstudium an der Technischen Universität (TU) Dresden verspricht sie sich viele Vorteile.

Ein Lehrer steht vor einer Klasse und schreibt an die Tafel. (Foto: Michael Neuner)

„Meine Motivation ist meine Neugier“, sagt Jessica. Mit dem Frühstudium hat sich die Gymnasiastin in ihrem Element wiedergefunden. „Manche spielen gerne Videospiele oder beschäftigen sich intensiv mit anderen Themen. Ich mag es, gefordert zu werden.“ Gefordert fühlt sich die Schülerin mit Zahlen, denn Jessica ist ein echter Mathe-Crack.

Gute Schulnoten als Basis für das Frühstudium

Beim Lernen im Homeschooling während der Corona-Pandemie konnte sich die 16-Jährige den Schulstoff im eigenen Tempo flott aneignen und so ihre Potenziale entdecken. Ein großes Interesse für Naturwissenschaften hatte sie schon immer, aber auch ihr Gesamtnotendurchschnitt ist sehr gut. Das Lernen fällt der Zehntklässlerin leicht. Ihre Mathematik-Kenntnisse möchte sie deshalb über den Schulstoff hinaus erweitern und keine Zeit verlieren. „Da ich Freude an Naturwissenschaften habe, ist mir jetzt schon klar, dass ich in diesem Bereich später arbeiten möchte“, weiß Jessica. Bei einem Schulpraktikum an der TU Dresden wurde sie von der Hochschulatmosphäre in den Bann gezogen und schaute sich dort direkt nach Schnupperangeboten um.

Hochschulluft schnuppern und Klarheit gewinnen

Das Frühstudium für leistungsmotivierte Schüler*innen hat Jessica sofort angesprochen. Sie wollte herausfinden, ob der Studiengang Mathematik zu ihr passt. Für die Bewerbung brauchte sie ein Empfehlungsschreiben ihres Mathe-Lehrers und die Erlaubnis ihrer Schulleiterin. Da Jessica zu den Klassenbesten zählt, ließ die Zustimmung nicht lange auf sich warten. Ihrer Bewerbung fügte sie noch ein Motivationsschreiben hinzu, das neben den guten Schulnoten eine wesentliche Rolle spielt. Die Freude war groß, als sie sich für eine Lehrveranstaltung an der Uni einschreiben durfte.

  • Jessica

    Da ich Freude an Naturwissenschaften habe, ist mir jetzt schon klar, dass ich in diesem Bereich später arbeiten möchte

    Jessica

Schule geht trotz Doppelbelastung vor

Nun besucht Jessica unter der Woche zwei Vorlesungen und eine Übungsveranstaltung an der Hochschule. In Summe sind es viereinhalb Stunden, die sie in Präsenz an der TU Dresden studiert. Hinzu kommt die Vor- und Nachbereitung des Stoffs. Ihr Hauptaugenmerk bleibt allerdings weiterhin auf die Schule gerichtet, da Schulnoten trotz des Frühstudiums immer vorgehen. Das betonen auch die Lehrenden an der TU.

Sechs Schulstunden, die Jessica zugunsten ihrer Vorlesungen verpasst, muss sie zu Hause selbstständig nachholen und alle Tests mitschreiben. Von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern bekommt sie dafür die Aufzeichnungen. Unterstützung erfährt sie zudem von einigen Lehrerkräften. Über den Austausch mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen, die im Schnitt zwei Jahre älter sind als sie, freut sich Jessica zwar, allerdings möchte sie den Kontakt zu ihrer Schulklasse und ihren Freundinnen und Freunden auf keinen Fall verlieren.

Spagat zwischen Schule und Studium

Trotz der Doppelbelastung will Jessica die Prüfungen an der Hochschule nach Möglichkeit mitschreiben. „Es ist nicht gerade wenig Stoff, deshalb muss ich schauen, wie ich jetzt über das Semester hinweg klarkomme.“ Die Prüfungsnoten könnte sie sich für das reguläre Studium später anrechnen lassen, was ihre Studienzeit unter Umständen verkürzen würde.

Damit der Alltag zwischen Schule und Studium nicht zu anstrengend wird, achten Jessica und ihr Vater auf ausreichend Pausen und den nötigen Ausgleich. Dazu gehört auch der Mut, sich einzugestehen, wenn die Belastung zu groß wird, und sich vom Studium jederzeit problemlos abzumelden. Das Frühstudium allein für einen Eintrag im Lebenslauf zu machen, ist die falsche Motivation, sagt Jessica.

Hobbys gegen Überbelastung

Besonders wichtig ist ihr deshalb, Zeit für ihre Hobbys zu finden. In ihrer Freizeit engagiert sich Jessica bei der Feuerwehr und reitet gerne. Das Frühstudium sieht sie zum einen als gute Übung, um sich selbst zu organisieren, zum anderen als Ansporn und Herausforderung. Bisher geht ihr Plan gut auf. Wie es mit dem Frühstudium weitergeht, lässt sie sich erstmal offen. „Ich schaue, ob ich meine Schulnoten weiterhin halten kann, und entscheide dann, ob ich mich für das Sommersemester erneut bewerbe.“