zum Inhalt

Arbeitsmarkt Architektinnen und Architekten: Architektur braucht Leidenschaft

Stabile Nachfrage statt Überangebot an Fachkräften: So präsentiert sich seit einigen Jahren der Arbeitsmarkt für Architekt*innen. Auch der Andrang auf die Studienplätze ist konstant hoch.

Das Foto zeigt ein großes Bürogebäude, das einen Glasturm hat.
Ein Porträt-Foto von Eva Girzalsky Ein Porträt-Foto von Eva Girzalsky

Eva Girzalsky

„Architektur ist so viel mehr als spektakuläre Entwürfe“, sagt Eva Girzalsky. Bei der Umsetzung eines Entwurfs gehe es neben der Gestaltung um die technische, zeitliche und wirtschaftliche Seite. Die 25-Jährige weiß, wovon sie spricht, schließlich betreute sie direkt nach ihrem Abschluss an der TH Köln als Junior-Projektleiterin unter anderem die Realisierung eines Stadtteilzentrums. Sie musste Ideen einbringen, Entwürfe besprechen, Materialien auswählen und dabei immer die Kosten und den Zeitrahmen im Blick behalten – eine große Verantwortung. Ebenso wichtig wie gutes Zeitmanagement ist es, Überzeugungsarbeit leisten zu können. Bauherren, Behörden und Ingenieur*innen müssen nämlich mit fachlichen Argumenten gewonnen werden.

„Räume gestalten zu können, ist etwas Faszinierendes“, findet Eva Girzalsky. Das geht nicht nur ihr so, da sich das Studium der Architektur großer Beliebtheit erfreut. Seit Jahren bewerben sich mehr Interessierte für ein Architekturstudium als es Studienplätze gibt. Die Zahl der Studienanfänger*innen lag dabei zuletzt stets zwischen 6.100 und 6.400, wobei in den vergangenen 20 Jahren der Frauenanteil konstant gestiegen ist. Im Wintersemester 2019/20 waren unter den 6.108 Studienanfänger*innen 3.656 Frauen.

Arbeitsmarkt hängt an der Baubranche

Der Arbeitsmarkt für Architekt*innen ist eng mit der Entwicklung der Baubranche verknüpft. Diese sorgte im vergangenen Jahr angesichts niedriger Zinssätze und anhaltenden Wachstums im Wohnungsbau für eine gute Ausgangssituation. Doch der Konkurrenzkampf ist hoch, was laut dem Bund Deutscher Architekten vor allem kleine Büroeinheiten mit bis zu vier Mitarbeiter*innen sowie Einzelbüros zu spüren bekommen.

Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen zehn Jahren spürbar verbessert. „Im Vergleich zu 2009 gibt es 14 Prozent mehr erwerbstätige Architektinnen und Architekten. Das Stellenangebot bewegte sich 2019 gemessen an den neu gemeldeten Arbeitsstellen mit 4.400 Jobofferten etwa auf dem Niveau des Vorjahres“, sagt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit. Durchschnittlich gab es 2019 im Monat rund 1.500 Arbeitsstellen zu vermitteln: „Das ist der höchste Stellenbestand seit mindestens 2007“, ergänzt sie. Gleichzeitig waren im Jahresdurchschnitt rund 2.000 Architekt*innen arbeitslos registriert: „Dies entspricht einem leichten Anstieg um vier Prozent“, so Claudia Suttner. Zu dieser Entwicklung hätten unter anderem die hohen Absolvent*innenzahlen der vergangenen Jahre beigetragen: „Weil aber gleichzeitig die Beschäftigung deutlich gestiegen ist, blieb die Arbeitslosenquote, die wir zusammen mit dem Bauingenieurwesen betrachten, unverändert bei niedrigen 1,8 Prozent.“

Schwerpunkt in Großstädten

Bundesweit weist der Mikrozensus rund 130.000 Architekt*innen aus, von denen etwa jede*r Dritte selbständig tätig ist. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist die Architekt*innendichte hierzulande enorm hoch. Laut einer Mitgliederbefragung der Architektenkammern vor der Corona-Krise befinden sich die meisten Architekturbüros in Großstädten oder in deren Einzugsgebieten. Lediglich 32 Prozent haben sich im ländlichen Raum angesiedelt. Zwar beschäftigen die Büros im Mittel nur 4,3 Personen, dies wird durch Kooperationen mit anderen Büros kompensiert. Nur zwei Prozent der Umsätze wurden im Ausland erwirtschaftet, sechs Prozent der Büros sind generell im Ausland tätig.

Teilzeit und Überstunden

Die Umfrage, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, belegt zudem, dass Teilzeitarbeit bei den Architekt*innen auf dem Vormarsch ist. Dennoch sind Überstunden weiterhin ein großes Thema: 78 Prozent der Beschäftigten gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. Aber im Vergleich zu 2012 oder 2014 würden mittlerweile bei 71 Prozent der Befragten die Überstunden durch Freizeit oder zusätzliche Vergütung ausgeglichen.

Neben Architekturbüros können Architekt*innen bei Bauämtern in Städten und Kommunen oder anderen Institutionen des öffentlichen Dienstes arbeiten, darunter etwa die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Auch Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften, die Mietwohnungen bauen und verwalten, brauchen Architekt*innen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Architekt)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Die Studiensuche hilft dir bei der optimalen Auswahl deines Studienorts oder Studienfachs. (Suchwort: Architektur)
arbeitsagentur.de/studiensuche

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Verband Deutscher Architekten (VDA)

vda-architekten.de

Bund Deutscher Architekten (BDA)

www.bda-bund.de

Bundesarchitektenkammer

www.bak.de

Video: Studium Architektur

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.