zum Inhalt

Molekularbiologe: Der Pilzdompteur

Wie sehen biologische Makromoleküle aus? Wie funktionieren Struktur und Biosynthese von DNA und RNA? Wie interagieren diese untereinander und mit Proteinen? Molekularbiologe Tobias Pazen (28) erforscht diese Fragen.

Tobias Pazen bei der Arbeit. (Foto: Jasmin Adam)

Wäre Tobias Pazens Forschungsobjekt erst heute entdeckt worden und nicht schon Anfang des 18. Jahrhunderts, es trüge wohl einen anderen Namen. So aber heißt es wie der einzige Gegenstand, an dessen Form sich der italienische Priester und Botaniker Pier Antonio Micheli damals erinnert sah: Aspergillus, also „Weihwassersprenger“. Die heilige Erinnerung trügt: Der Schimmelpilz nistet sich gern in menschlichem Lungengewebe ein, um dort allerhand Schaden anzurichten. Wieso er das tut, wie genau er das tut und vor allem, wie man ihn davon abhalten kann, das untersucht Tobias Pazen in seiner Doktorarbeit am Mikrobiologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen.

Als „Trial and Error“ beschreibt der 28-Jährige seine Arbeitsweise und meint: Medizinische Forschung, das ist Versuchen und Scheitern. Auf Fehlersuche gehen und von vorne beginnen. Innehalten, nachjustieren, umplanen. Warten, schlafen – und im besten Fall am nächsten Morgen einen Erfolg verbuchen.

Komplexe biologische Abläufe

Tobias Pazen  (Foto: Jasmin Adam) Tobias Pazen  (Foto: Jasmin Adam)

Tobias Pazen

Seit eineinhalb Jahren bestimmt Aspergillus fumigatus das Leben des gebürtigen Rheinland-Pfälzers, doch eigentlich ist es umgekehrt. Denn zur Arbeit der Molekularbiologie gehört nicht nur, die Dinge zu verstehen, sondern auch, sie sich zu Nutzen zu machen. ‚Pilze dressieren‘ könnte man sagen, denn Tobias Pazen weiß, was er tun muss, damit der Pilz ihm gehorcht. Wie man ihn dort zum Wachsen bringt, wo er eigentlich nicht hinwill, zum Beispiel.

Tobias Pazen kann erklären, was sich hinter hochkomplexen biochemischen Abläufen verbirgt, was Formeln und endlose Kolonnen an Zahlen und Buchstaben bedeuten. Er kennt die zahlreichen Facetten der Molekularbiologie, deren Anwendungsgebiete so vielfältig sind wie die Alltagssituationen, in denen wir ihr begegnen. In der Humangenetik etwa, wo es unter anderem um die Frage geht, wie Trisomie21 vererbt wird, wie Zellabläufe und -signale funktionieren, wie sich Embryos entwickeln und was den Helicobacter pylori cancerogen – also krebserregend - macht. „PCR-Test und Hygienemaßnahmen, das sind ja Begriffe, mit denen spätestens seit den vergangenen Monaten so ziemlich jeder etwas anfangen kann, die aber bei uns seit Jahr und Tag Standard-Handwerkszeug sind“, sagt Tobias Pazen.

PCR als Berufsalltag

Denn die Polymerase-Kettenreaktion (englisch: polymerase chain reaction = PCR) gehört zum Berufsalltag von Molekularbiologinnen und -biologen wie Handschuhe, Schutzbrille und weißer Kittel. Wie Kühl-, Gefrier-, Brutschränke und Gase. Wie Ablaufprotokolle, an die man sich strikt zu halten hat, und Laborbücher, die akribisch zu führen sind und strengen Kontrollen unterliegen. Jeder Handgriff ist reglementiert, jeder Vorgang minutiös dokumentiert. „Fälschungs- und betrugssicher“, sagt Tobias Pazen. Aber auch: Routine. Zellstrukturen zerstören, um DNA sichtbar zu machen und zu vervielfältigen, zählt dazu und ist „im Prinzip nichts anderes, als winzige Handwerker dazu zu bringen, genetische Baupläne zu kopieren, weiterzubauen und große Mengen herzustellen.“ Große Mengen, damit meint Tobias Pazen: ein Nanogramm. Ein Tausendstel Milligramm ist ein Mikrogramm – und ein Tausendstel Mikrogramm ist ein Nanogramm. Das ist gemeint, wenn der Molekularbiologe von „Mengen“ spricht und von „Gewicht“.

Die Medizin ist eine von zahlreichen Anwendungsbereichen, in denen man Molekularbiologen und Molekularbiologinnen findet. Sie untersuchen beispielsweise Blutproben von Patienten auf bestimmte Krankheitsmerkmale oder ergründen, wie Rheuma oder Alzheimer entsteht. Gentechnologen verändern das Erbgut bestimmter Organismen, um diese bekämpfen zu können. Bei der PCR vermehren sie Erbgut, um es identifizieren zu können und beherrschen damit eine Technik, die etwa in der Kriminalistik gebraucht wird. In Umweltämtern beobachten sie die Natur im städtischen Raum, nehmen Wasserproben oder untersuchen Böden auf Schädlingsbefall. In Gesundheitsämtern übernehmen sie die Lebensmittelkontrolle oder arbeiten als Hygienekontrolleurinnen und –kontrolleure. Als Pharmazeutinnen und Pharmazeuten entwickeln sie Arzneimittel.

„Molekularbiologie ist gewissermaßen ein komplizierter Hybrid aus Medizin und Biologie“, sagt Tobias Pazen. „Die Berufsmöglichkeiten aber sind wie das Studium: vielfältig und reichhaltig.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Molekularbiologe/-in)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung mit Informationen rund ums Studium.
studienwahl.de

Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie

gbm-online.de