zum Inhalt

Jura: Der lange Weg zum Volljuristen

Yannick Itzigehl studiert im fünften Semester Jura an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. abi» berichtet der 20-Jährige, was ihm an seinem Studium besonders gut gefällt.

Ein Mann sitzt an seinem Schreibtisch, auf dem ein Schriftstück sowie ein geöffnetes Buch liegen. Sein Hand hält einen Stift und zeigt im Buch auf eine bestimmte Stelle. Auf dem Schreibtisch gibt es zudem eine Computermaus, ein Telefon, Stempel und eine Rechenmaschine mit Rolle. (Foto: Martin Rehm | Bundesagentur für Arbeit)

Ein Mann boxt einem anderen aufs Auge – hat er mit Vorsatz gehandelt oder nicht? „Unsere Aufgabe ist es, darauf eine Antwort zu finden und darzulegen, ob der Tatbestand der Körperverletzung erfüllt ist oder nicht“, erklärt Yannick Itzigehl, Jura-Student im fünften Semester. „Dafür wenden wir ein bestimmtes Schema an, bei dem wir Fragen beantworten müssen.“ Zum Beispiel, ob Rechtfertigungsgründe vorliegen, ob der Mann also aus Notwehr oder Notstand gehandelt hat, und ob er im Moment der Tat schuldfähig war.

Lösen komplexer Fallbeispiele

Porträt von Yannik Itzigehl (Foto: privat) Porträt von Yannik Itzigehl (Foto: privat)

Yannik Itzigehl

Das Lösen meist komplexer Fallbeispiele begleitet Yannick Itzigehl sein gesamtes Studium hindurch – in den Klausuren und Hausarbeiten ebenso wie in fallpraktischen Übungen und Kolloquien, in denen die Studierenden sich in Arbeitsgemeinschaften zusammenfinden. „Wir übertragen das abstrakte Gesetz auf einen konkreten Fall und schauen, ob das, was im Gesetz steht, eingetreten ist“, erklärt der 20-Jährige. „Dabei ist es wichtig, dass man nicht nur auswendig gelernte Schemata abarbeitet, sondern immer die individuellen Gegebenheiten beachtet.“ Das Auslegen und die Anwendung von Gesetzen mache das Studium so spannend, findet Yannick Itzigehl. Die Lösungen der Fallbeispiele halten die Studierenden im Gutachtenstil fest. „Man liest viele juristische Texte – nicht nur die Gesetze selbst, sondern beispielsweise auch die zugehörigen Kommentare. Dadurch verinnerlicht man mit der Zeit den Sprachstil, den man auch in Hausarbeiten und Klausuren anwenden muss.“ Er selbst blättert am liebsten ganz analog in den Büchern und macht sich Notizen. Zugleich schätzt er die Online-Portale, auf denen juristische Literatur abrufbar ist – vor allem, da er aufgrund der Pandemie nicht immer die Bibliothek besuchen konnte.

Austauschen, diskutieren, argumentieren

Yannick Itzigehl hofft, dass in Zukunft möglichst viele Veranstaltungen in Präsenz stattfinden. Der Austausch mit anderen helfe ungemein. Auch bei seiner Tätigkeit als studentischer Hilfskraft am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit profitiere er davon, sich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls über Rechtsthemen unterhalten zu können. Vor allem für die Kolloquien findet der 20-Jährige es wichtig, dass man sich „in echt“ begegnet. „Beim Anwenden von Gesetzen muss man sich mit den Kommilitonen unterhalten, seine Meinungen und Argumente austauschen und sich auch einmal streiten können, damit man vorankommt. Und das funktioniert viel besser, wenn man sich gegenübersitzt.“

Inzwischen befindet sich der Student im fünften Semester. Insgesamt sieben Prüfungen unter anderem in den drei Rechtsgebieten Straf-, Zivil- und Öffentliches Recht hat er im Grundstudium bereits gemeistert. Im Hauptstudium werden die Kenntnisse in den drei Gebieten vertieft. Außerdem entscheiden sich die Studierenden für einen Schwerpunktbereich, zur Wahl stehen unter anderem Arbeits-, Sozial- und Verbraucherrecht, Unternehmensrecht und Forensische Praxis. Das Hauptstudium mündet in der Ersten Juristischen Prüfung. Um Volljurist zu werden und als Richter oder (Staats-)Anwalt tätig werden zu dürfen, muss Yannick Itzigehl anschließend den Juristischen Vorbereitungsdienst absolvieren, der mit der Zweiten Juristischen Prüfung endet.

Noch weiß der 20-Jährige nicht, welchen Beruf er anschließend ausüben möchte. Erste Praxiserfahrungen wird er demnächst am Amtsgericht in Merseburg sammeln, wo er einen Teil des vorgeschriebenen dreimonatigen Praktikums verbringt, das an einer oder mehreren Stellen absolviert werden kann.