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Sozialarbeiter/Sozialpädagogen

Von Kindergarten bis Suchthilfe

Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt gefragt und kommen in vielen verschiedenen Bereichen zum Einsatz. Sie helfen Menschen in sozialen Notlagen oder kümmern sich um Kinder, Senioren und Flüchtlinge.

Mann arbeitet an einem PC.

Neben der Beratung spielt auch die Bürokratie eine wichtige Rolle in Nina Oepens Berufsalltag. So muss sie beispielsweise jedes Telefonat dokumentieren.

Nina Oepen arbeitet als Sozialarbeiterin im Jugendamt der Stadt Bonn. Hier berät sie Familien zu Erziehungsthemen, zum Sorge- und Umgangsrecht in Trennungs- oder Scheidungsfällen oder in Not- und Konfliktlagen. Dabei sucht sie nach geeigneten erzieherischen Unterstützungsmöglichkeiten. „Am Anfang berate ich die Familien, die ins Jugendamt kommen. Ist Hilfe bei der Erziehung notwendig, wird geprüft, wie diese am besten erfolgen kann. Danach koordiniere und steuere ich die Hilfen, die in den einzelnen Fällen eingesetzt werden“, fasst sie zusammen. „Dabei gibt es ganz unterschiedliche Wege, wie den Kindern und Jugendlichen geholfen werden kann. Das Angebot reicht von ambulanter Familienhilfe über teilstationäre und stationäre Erziehungshilfe bis hin zu Beratungsstellen. Die Unterbringung im Heim steht immer erst an letzter Stelle. Zunächst versuchen wir es mit ambulanten Maßnahmen“, erklärt die 28-Jährige.

Nina Oepen

Können sich Eltern in einem Sorgerechtsstreit nicht einigen oder gibt es Schwierigkeiten mit dem Umgangsrecht, ist Nina Oepen auch als Expertin vor Gericht gefragt. In Krisensituationen, die laufende Fälle betreffen, wird die Sozialarbeiterin außerdem zu Noteinsätzen in die Familien gerufen. Diese können damit enden, dass Kinder in Obhut genommen werden. „Mein Beruf bringt riesige Verantwortung mit sich“, betont sie. „Wir schauen uns bei Besuchen zwar das häusliche Umfeld an und sprechen mit Institutionen wie Schule oder Kindergarten. Trotzdem ist es oft schwer, herauszufinden, was im Hintergrund passiert und welche Maßnahmen am besten greifen.“

Ein weiterer Bestandteil der Arbeit im Jugendamt ist die Dokumentation: „Es ist ein bürokratischer Job, bei dem viele Vorschriften eingehalten werden müssen“, erläutert Nina Oepen. „Um eine gewisse Transparenz zu gewährleisten und zur eigenen Sicherheit muss jedes Telefonat festgehalten werden. Dies dient dann auch dazu, seine eigenen Tätigkeiten nachzuweisen und sich abzusichern.“

Dass sie mit Menschen arbeiten möchte, wusste die Sozialarbeiterin schon als Jugendliche. Deshalb hat sie bereits während des Abiturs immer wieder im sozialen Bereich gearbeitet. Studiert hat sie den Bachelor „Soziale Arbeit“ sowie den Master „Beratung und Vertretung im Sozialen Recht“ an der TH Köln. An der Hochschule wurde sie gut auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet. „Außerdem habe ich während meines Studiums in der Erziehungshilfe gearbeitet und dabei einmal wöchentlich das Sozialraumteam des Jugendamts unterstützt“, erzählt die Sozialarbeiterin. „Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht.“

So wie Nina Oepen ist etwa ein Sechstel der erwerbstätigen Sozialarbeiter und -pädagogen im öffentlichen Dienst angestellt. „Zu diesem Bereich zählen Sozialämter, Jugendämter oder Sozialversicherungsträger“, erläutert Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. „Ein gutes Drittel arbeitet im klassischen Feld des Sozialwesens, beispielsweise in der Jugend-, Familien-, Drogen- oder Flüchtlingshilfe. Jeder Fünfte arbeitet in einer Heimeinrichtung, zum Beispiel für Kinder, Jugendliche, Behinderte oder Senioren. Jeder elfte Sozialpädagoge übt seine Tätigkeit im Bildungswesen aus. Dort werden sie als Schulsozialarbeiter in einer Ganztagsschule oder bei einem Bildungsbetrieb eingesetzt, der Berufsvorbereitung und -ausbildung für benachteiligte Jugendliche und Behinderte anbietet.“

Insgesamt ist der Arbeitsmarkt für Sozialarbeiter und
-pädagogen stark gewachsen: „Im Laufe der letzten zehn Jahre hat die Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Sozialberatung als wichtiger Beschäftigungsbereich spürbar an Bedeutung gewonnen“, berichtet Ralf Beckmann. „Allein die Zahl der Erwerbstätigen mit einem akademischen Abschluss in der sozialen Arbeit hat sich von 2008 mit 235.000 Beschäftigten auf 316.000 Menschen im Jahr 2017 erhöht.“

Michael Leinenbach, Vorsitzender des Bundesverbandes für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) ergänzt: „Das Arbeitsfeld hat sich durch den Ausbau der Schulsozialarbeit und Ganztagsschulen, der Kinderbetreuungseinrichtungen und der Seniorenbetreuung stark ausgedehnt. Arbeitgeber sind die öffentlichen Träger, wie Kommunen, Länder, der Bund und deren Untergliederungen, aber auch Kirchen, Gesellschaften, Wohlfahrtsverbände oder private Anbieter.“ Laut dem Verbandssprecher sind zudem sechs Prozent der Sozialarbeiter ihr eigener Chef.

Gesellschaftliche Entwicklungen, wie demografischer Wandel und Fluchtzuwanderung, haben den Bedarf an qualifizierten Kräften im sozialen Bereich auf hohem Niveau gehalten: „Im Laufe des Jahres 2018 wurden 26.600 freie Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Das war ein Prozent mehr als im Jahr zuvor“, berichtet Ralf Beckmann. „Im Jahresdurchschnitt waren 6.600 Personen für den Bereich Sozialarbeit, Sozialpädagogik oder -beratung arbeitslos gemeldet. Das waren zwar vier Prozent mehr als im Vorjahr. Bezogen auf alle Erwerbstätigen ist die studienspezifische Arbeitslosenquote mit 1,7 Prozent jedoch sehr niedrig.“

Allerdings ist der Anteil von Teilzeit- und befristeten Beschäftigten relativ groß. Hierzu der BA-Experte: „Da viele Stellen im sozialen Bereich im Rahmen von Projekten öffentlich gefördert werden, werden viele neu begonnene Stellen befristet besetzt. 2017 waren es sogar 58 Prozent. Das Brutto-Durchschnittseinkommen für eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung lag im gleichen Jahr bei 3.825 Euro in West- beziehungsweise 3.256 Euro in Ostdeutschland.“

Wer im Bereich Soziale Arbeit Karriere machen will, kann eine Leitungs- oder Führungsposition anstreben. Dafür gibt es an den Hochschulen Qualifizierungsmöglichkeiten. „In der Sozialen Arbeit kann man einen Bachelor- oder einen Masterabschluss erlangen. Auch eine Promotion ist möglich, meist mit Bezugswissenschaften“, erklärt Michael Leinenbach. Für manche Berufe braucht man eine staatliche Anerkennung, die je nach Bundesland nach dem Abschluss oder nach einem zusätzlichen Berufspraktikum verliehen wird.

Die Studierenden- und Absolventenzahlen in der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik steigen stetig an. 2017 waren 85.000 Studierende eingeschrieben, 16.000 beendeten erfolgreich ihr Studium. Ralf Beckmann ergänzt: „Die Sozialarbeit bietet bereits mit einem Bachelorabschluss sehr viele Beschäftigungschancen. Ein weiterführendes Studium qualifiziert dann zusätzlich für forschende oder konzeptionelle Tätigkeiten.“

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e. V. (DBSH)Berufsverband und Gewerkschaft für Sozialarbeiter/Sozialpädagogen

www.dbsh.de

Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG)

www.dvsg.org

DBH-Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik

www.dbh-online.de

Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit in der Suchthilfe (DGSAS)

www.dg-sas.de

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 16.12.2019

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