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Als Nounou in Nanterre

Aufnahme von Paris
Als Au-pair in einem Vorort von Paris konnte Friedrich von Bosse seine Französischkenntnisse festigen.
Foto: Melanie Loser

Au-pair in Frankreich

Als Nounou in Nanterre

Friedrich von Bosse war zehn Monate lang Au-Pair des siebenjährigen Paul, der mit seinen Eltern in einem Vorort von Paris lebt. Für abi» erzählt der 20-Jährige, wie er von seiner Zeit als „Nounou“ profitiert hat.

Wenn ich Paul zur Schule gebracht habe, kam es immer mal wieder vor, dass mich Eltern fragend anschauten. Sie haben überlegt, wer ich bin – der ältere Bruder, ein Freund der Familie? Dass ich Pauls Au-pair bin, darauf kamen die wenigsten. Oder sein „Nounou“ wie die Franzosen sagen – was allerdings ebenfalls Kindermädchen bedeutet. Es gibt eben sehr wenige junge Männer, die diese Aufgabe übernehmen – oder sie übertragen bekommen.

Zehn Monate zu Paul

Pauls Eltern hatten ganz bewusst nach einem männlichen Betreuer gesucht, vor mir war bereits ein junger Mann bei ihnen als Au-pair gewesen. Ich konnte ganz anders mit Paul umgehen, spielen und toben, als das vielleicht ein Mädchen gemacht hätte. Paul war sieben Jahre alt, als ich in Nanterre, einem Vorort von Paris, ankam, und feierte in den zehn Monaten, die ich bei der Familie lebte, seinen achten Geburtstag.

Portraitfoto Friedrich von Bosse.

Friedrich von Bosse

Foto: Richard Hegenkötter

Ich selbst wusste schon früh, dass ich nach dem Abi, das ich 2017 in Stralsund gemacht habe, Auslandserfahrung sammeln wollte. Meine Französischlehrerin bestärkte mich darin, mich auf eine Au-pair-Stelle zu bewerben. Sie selbst sowie mein bester Freund verfassten mir Empfehlungsschreiben für die Bewerbung. Ich hatte bereits in der zehnten Klasse drei Monate in Frankreich verbracht und war zuhause regelmäßig Babysitter. Außerdem schwankte ich zwischen einem Lehramt- und einem Jurastudium. Als Au-pair konnte ich austesten, ob mir der Umgang mit Kindern zusagt.

Lernen, kochen, spielen

Die Familie wurde mir von der Organisation Kulturist vermittelt. Nach einem ersten Besuch war klar, dass die Chemie stimmt. Ich hatte im Keller einen Bereich zum Wohnen mit eigenem Bad – das war gut, so konnte ich mich auch einmal zurückziehen. Pauls Eltern waren in Vollzeit berufstätig. Wenn sie weg waren, habe ich mich um Paul gekümmert: Frühstück gemacht, ihn auf dem Schulweg im Bus begleitet, gekocht, bei den Hausaufgaben unterstützt und natürlich mit ihm gespielt.

An den Wochenenden, während der Hälfte der Schulferien und wenn Paul in der Schule war hatte ich frei, wobei ich auch manchmal etwas mit der Familie unternommen habe. In der ersten Zeit bin ich vier Mal pro Woche nach Paris zum Sprachkurs gefahren, später habe ich die Stundenzahl reduziert. Außerdem unternahm ich etwas mit anderen Au-pairs, die ebenfalls aus Deutschland kamen. Wir sind zum Beispiel gemeinsam nach Lyon gefahren. So etwas konnte ich gut von meinen 80 Euro Taschengeld pro Woche finanzieren. Zudem gab es Au-pair-Treffen von der französischen Partnerorganisation. An diese hätte ich mich übrigens jederzeit wenden können, wenn ich Probleme gehabt hätte. Das war ein guter Rückhalt und gab mir Sicherheit.

Wichtige Erfahrungen

Nach dem Aufenthalt in Nanterre habe ich mich gegen das Lehramtstudium entschieden. Nicht, weil mir die Zeit nicht gefallen hat, im Gegenteil: Mir hat es Spaß gemacht, mich um Paul zu kümmern. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich das weder mein ganzes Leben lang, noch beruflich machen will.
Meine Französischkenntnisse haben sich in den zehn Monaten deutlich verbessert und ich habe verschiedene Sprachfacetten kennengelernt – schließlich spricht Paul anders und nutzt andere Vokabeln als erwachsene Franzosen.

Und noch eine Erfahrung war sehr wichtig: Schon einmal für längere Zeit von Zuhause weg zu sein, hat mich gut auf die Studienzeit vorbereitet. Es war ein perfekter Mittelschritt: Ich konnte eine Weile bei einer Familie wohnen, wenn auch nicht bei meiner eigenen. Als ich für das Jurastudium nach Bremen gezogen bin, ist mir dadurch der Abschied von Stralsund leichter gefallen.

abi>> 18.11.2019