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Studienbeginn während Corona – Interview

Als Ersti in der Pandemie

In Zeiten von Corona müssen die Hochschulen neue Wege suchen, um ihre zukünftigen Studierenden anzusprechen. Studienberaterin Doreen Emmler hat mit abi» darüber gesprochen, was ein virtuelles Semester für Studienanfänger*innen bedeutet, wie sie trotzdem Kontakte knüpfen können und was es gerade jetzt zu beachten gibt.

Arbeitsplatz einer Studentin von oben, mit Kaffeetasse und Laptop.

Für Studienanfänger*innen, die von zuhause aus studieren, ist ein geregelter Tagesablauf sehr wichtig.

abi» Frau Emmler, was bedeutet es für Studienanfänger*innen, mit einem virtuellen Semester zu starten?
Doreen Emmler: Erstmal kommt es auf die Hochschule und den Studiengang an, für die sich Studienanfänger entschieden haben. Denn von Uni zu Uni kann der Ablauf unterschiedlich sein. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Studierenden sich im ersten Semester auf der Hochschulwebseite regelmäßig informieren. Dort erhalten sie alle wichtigen Informationen zum Ablauf und zur Organisation des Semesters und erfahren, in welcher Form die Vorlesungen stattfinden.
Es gibt einerseits Studiengänge (z.B. Betriebswirtschaftslehre oder Jura), bei denen eine Präsenzphase gar nicht zwingend notwendig ist. Andererseits gibt es naturwissenschaftliche Studiengänge, in denen Praktika im Labor stattfinden. Die Verbindung von Präsenzveranstaltungen und digitaler Lehre nennt sich Hybridlehre oder auch Hybrid-Semester.

Doreen Emmler

abi» Worauf müssen Studienanfänger*innen achten?
Doreen Emmler: Das Uni-Leben ist natürlich momentan sehr eingeschränkt und wie lange das so weitergeht, kann gerade niemand sagen. Wenn Studienanfänger*innen ihre Zusage erhalten, gibt es beispielsweise virtuelle Campus-Führungen und digitale Workshops, in denen erklärt wird, mit welchen Programmen (z.B. Zoom oder BigBlueButton) wo gearbeitet wird. Auch Online-Events zum Kennenlernen werden angeboten.
Ich denke, dass die Online-Events anfangs zum Teil ein bisschen befremdlich sein können und es sicherlich ein neues Kennenlernen ist. Aber dafür muss sich jede und jeder öffnen. Angenommen, ich bin ein Jugendlicher und studiere in meiner Heimatstadt, dann ist es praktisch, dass ich zu Hause wohnen kann und meine Familie und Freunde um mich herum habe. Mein soziales Umfeld ist also gleich geblieben. Nur den Alltag muss ich ein bisschen anders organisieren. Viel problematischer kann es für diejenigen sein, die in eine neue Stadt kommen. Da ist man erst mal alleine und das kann einem aufs Gemüt schlagen. Deshalb muss jede und jeder für sich entscheiden, was am besten ist. Man könnte in der jetzigen Situation beispielsweise für das erste Semester noch zu Hause bleiben und dann für das zweite in eine andere Stadt ziehen. Studienanfänger*innen sollten sich jedenfalls nicht daheim verkriechen, sondern sich mit den neuen Vorkehrungen auseinandersetzen.

abi» Was können Hochschulen tun, um die Studienanfänger*innen in dieser Zeit zu unterstützen?
Doreen Emmler: Ich glaube, eine persönliche Ansprache seitens der Hochschule ist wichtig und erwünscht. Natürlich benötigen die Studierenden im ersten Semester auch sachliche Informationen, aber ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen der Fachschaft der jeweiligen Fakultät und den Studienanfängern wäre in der aktuellen Situation ein großer Vorteil. Damit meine ich ein gezieltes Herantreten an die jungen Leute: Kommst du klar? Können wir dir helfen? Gibt es was Dringendes zu besprechen? Ich denke, genau so etwas würde den Studienanfänger*innen weiterhelfen.

abi» Haben Sie Tipps für die Planung und Organisation des virtuellen Semesters?
Doreen Emmler: Eine Struktur im Alltag ist extrem wichtig. Da muss man diszipliniert sein. Einen Stundenplan beispielsweise müssen fast alle selbst entwickeln – egal ob sie in die Uni gehen oder von zu Hause aus studieren. Und wer einen guten Tagesablauf gefunden hat, sollte diesen beibehalten – das ist nicht zu unterschätzen. Falls Studienanfänger*innen Probleme bei der Erstellung des Stundenplans oder einer Struktur im Alltag haben, sollen sie auf jeden Fall die Fachschaft ihrer Fakultät aufsuchen. Dort sind viele Studierende aus höheren Semestern, die weiterhelfen können. Auch Beratungsstellen an der Hochschule sind für die Studierenden da. Einfach nachfragen und Feedback einholen.

abi» Glauben Sie, dass das virtuelle Studieren in den nächsten Jahren Normalität sein wird?
Doreen Emmler: Ich denke, dass gewisse Sachen im digitalen Modus bleiben werden, gerade wenn es um Vorlesungen geht, bei denen ganz viele Teilnehmer im Hörsaal sitzen. Aber ein Studentenleben besteht ja wirklich daraus, in die Uni zu gehen, in Hörsälen zu sitzen, den Flair mitzubekommen und den Austausch mit den Kommiliton*innen zu haben. Gerade das ist doch das Schöne am Studieren. Es ist schwierig, zum Beispiel eine Diskussion virtuell in Gang zu bekommen. Auch nach der Vorlesung mit den Kommiliton*innen Zeit zu verbringen beispielsweise bei einem Kochabend, ist wichtig – das geht momentan leider verloren. Es gibt viele Studiengänge, in denen Präsenz einfach das A und O ist, da muss dann geschaut werden, wie man das in Zukunft einbinden kann.

abi» Wie können Studienanfänger*innen am besten durchhalten?
Doreen Emmler: Ganz wichtig ist: Einen Plan von der Gestaltung des Semesters haben. Grundsätzlich sollten sich Studierende im ersten Semester öffnen, einfach alles auf sich zukommen lassen und nicht schon im Vorfeld eine negative Einstellung haben. Und wenn jemand merkt, dass es ihm nicht gut geht oder er vor Problemen steht, dann bitte auch auf die Eltern zugehen, die der Sache wieder Hoffnung geben können.
Sich eine Aufgabe suchen, die einem Sinn gibt, wäre ebenfalls eine gute Option. Ehrenamtliche Tätigkeiten wie beispielsweise für ältere Leute einkaufen gehen und sie unterstützen, geben einem ein gutes Gefühl. Alternativ kann man sich auch einen Nebenjob wie zum Beispiel im Einzelhandel suchen.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

Check-U – das Erkundungstool

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.

Psychologische Beratung der Studentenwerke

studentenwerke.de/de/content/psychologische-beratung

Stand: 24.12.2020

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