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„Wir legen viel Wert auf Transparenz“

Eine Studentin sitzt beim Mittagessen in der Mensa.
In der Mensa können Studierende und Beschäftigte der Hochschulen günstig essen gehen. Die betreibenden Studentenwerke haben sich dazu verpflichtet, bei den Lebensmitteln auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität zu achten.
Foto: Reichhold

Treffpunkt Mensa – Interview

„Wir legen viel Wert auf Transparenz“

Noch vor einigen Jahren als Massenabfertigung verpönt, mausern sich die Mensen an deutschen Hochschulen mittlerweile immer mehr zum studentischen Treffpunkt mit leckeren, günstigen und ökologischen Gerichten. Henning Durst, seit vier Jahren Leiter der Abteilung Hochschulgastronomie des Studentenwerks Köln, erklärt abi», wie der Wandel vollzogen wurde und was die Mensen leisten können.

abi>> Herr Durst, waren Sie schon immer ein Mensa-Fan?

Henning Durst: (lacht) Ganz ehrlich? Im Gegenteil! Während meines Studiums der Oecotrophologie an der Fachhochschule Fulda Mitte, Ende der 90er-Jahre, habe ich die Mensa so gut es ging gemieden. Es gab in meinem Freundeskreis einen immer wiederkehrenden Witz: Wir schlossen Wetten ab, ob der Krautsalat, den es immer freitags zum Backfisch-Filet gab, mal wieder nach nichts schmecken würde. Wir lagen selten daneben.

abi>> Er schmeckte fad?

Porträtbild von Henning Durst

Henning Durst

Foto: privat

Henning Durst: Leider. Zum Glück sind diese Zeiten lange vorbei. Heute können die meisten Mensen geschmacklich mit vielen guten Restaurants mithalten. Und auch was die Qualität angeht, erhalten sie Topnoten von den Gästen. Viele Studierende essen mittlerweile sogar bei uns zu Abend – weil es günstiger ist als im Lokal oder weil sie es mittags wegen der eng getakteten Stundenpläne zeitlich nicht schaffen.

abi>> Was hat sich seit Ihrer Studienzeit noch verändert?

Henning Durst: 25 Prozent unserer Studierenden tendieren zum Vegetarismus, drei Prozent sind Veganer – das gab es früher nicht. Wir bieten deshalb täglich ein großes Salat- und ein großes Gemüse-Buffett sowie ein veganes Gericht an. Falafel erfreut sich aber beispielsweise auch bei den Nicht-Veganern großer Beliebtheit und hat es im Ranking unserer meist verkauften Gerichte in die Top Ten geschafft.

abi>> Welche Gerichte rangieren auf den ersten Plätzen?

Henning Durst: Schnitzel oder Currywurst sind nach wie vor unsere Dauerbrenner. Dabei ist den Studierenden aber durchaus wichtig, woher das Fleisch kommt. Auch das was früher kein großes Thema. Die heute von uns verwendeten Produkte stammen aus der Region, sodass die Lieferwege kurz sind. Zudem passen wir unser Angebot der Jahreszeit an: Im Mai und Juni gibt es beispielsweise häufig Spargel, im Oktober Kürbis. Das ist natürlich nicht immer möglich, denn auch im Winter wünschen sich die Gäste Tomaten und die beziehen wir aus holländischen Gewächshäusern. Aber wir geben uns Mühe.

abi>> Was können die Mensen noch tun, um die Umwelt zu schützen?

Henning Durst: Wir legen viel Wert auf Transparenz. Beispielsweise haben wir vor Kurzem eine Nachhaltigkeitswoche veranstaltet, bei der sich unsere Lieferanten mit Ständen in der Mensa präsentiert haben. Konkret haben wir vor sechs Monaten den Rotbarsch von der Karte gestrichen, weil er auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere steht. Wir geben am Tag 17.000 Essen aus, verkaufen 30.000 Kaffees – damit tragen wir viel Verantwortung. Es ist nicht immer leicht eine Lösung zu finden, aber wir arbeiten daran. Zurzeit machen wir uns zum Beispiel intensiv Gedanken darüber, wie wir die große Menge an Coffee-to-go-Bechern eindämmen können. An der TH Köln haben wir ein Pilotprojekt gestartet, bei dem kompostierbare Becher zum Einsatz kommen.

abi>> Das Essen in deutschen Hochschulmensen kostet im Durchschnitt 2,20 Euro. Wie kommt es zu den günstigen Preisen?

Henning Durst: Das hat zwei Gründe: Zum einen erhalten alle Mensen finanzielle Unterstützung durch die Bundesländer, zum anderen fließt ein Teil des sogenannten Sozialbeitrags, den jeder Studierende jedes Semester zahlen muss, in die Mensen. Das ist auch der Grund, warum bei uns in Köln nur Studierende und Beschäftigte sowie deren Gäste essen dürfen. Externe können bei uns nur die Cafeterien nutzen, da diese nicht subventioniert werden.

abi>> Herr Durst, verraten Sie uns am Ende des Gesprächs noch Ihr Lieblingsessen in der Mensa? Backfisch mit Krautsalat ist es wohl nicht, oder?

Henning Durst: Ich esse natürlich sehr häufig in der Mensa. Mir schmeckt vieles sehr gut, aber mein Favorit ist tatsächlich eines der günstigsten Essen, die wir im Angebot haben: Chili con Carne.

Mehr Infos

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.

www.studentenwerke.de

21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

www.sozialerhebung.de

abi>> 14.02.2019