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Erfahrungsbericht

Mein erstes Semester während der Corona-Pandemie

Das erste Semester ist der Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt und bedeutet für Erstsemester viel Neues und vor allem viel Eigenverantwortung. Welche Herausforderungen auftauchen, wenn gleichzeitig noch eine Pandemie herrscht, und wie das Studieren trotzdem gelingt, erzählt Clara Hub (21), die an der Universität Erlangen-Nürnberg Humanmedizin studiert.

Ordentlicher Schreibtisch mit Bildschirm und Holzpuppe.

Damit das Studieren auch von zuhause klappt, hat Clara Hub ihren Tag in Lernzeit und Freizeit eingeteilt.

Mein erstes Semester startete im April 2020 – mitten im Corona-Lockdown. Damals habe ich mich entschieden, erst mal bei meiner Familie in Österreich zu bleiben. Inzwischen bin ich im zweiten Semester und nach Erlangen in eine WG umgezogen. Ich weiß nun, worauf ich achten muss und wie ich mich am besten organisieren kann. Dass die meisten Veranstaltungen online stattfinden, ist inzwischen Gewohnheit und ein bisschen einfacher als zu Beginn des Studiums – denn ich habe ja schon ein virtuelles Semester hinter mir.

„Ersti-Woche“ mit Kontaktbeschränkungen

Clara Hub

Eine klassische „Ersti-Woche“ gab es im Frühjahr 2020 nicht, aber die Fachschaft hat sich wirklich bemüht, für Ersatz zu sorgen. Anhand einer Power Point-Präsentation haben sie uns die Universität und die Stadt Erlangen vorgestellt und sogar Spiele zum Kennenlernen über Zoom veranstaltet. Dabei konnte jede*r etwas über sich erzählen – damit man wenigstens ein bisschen mehr über seine Kommiliton*innen erfährt. Zusätzlich gab es sogenannte Buddy-Gruppen, wo immer zwei Studierende aus höheren Semestern für ein paar „Erstis“ verantwortlich waren. Meistens haben wir uns dafür in WhatsApp-Gruppen organisiert, wo wir jederzeit unsere Fragen stellen konnten. Auch untereinander, also unter den Erstsemestern, haben sich solche Gruppen gebildet. Es gab zum Beispiel eine Freizeitgruppe oder eine Anatomie-Lerngruppe, in der bei Bedarf Zoom-Meetings stattfanden und zusammen gelernt wurde.

Von höheren Semestern habe ich gehört, dass der Lehrstuhl für Medizin an der FAU sehr familiär ist und dass sich die Studierenden fast alle untereinander kennen. Dieses Gemeinschaftsgefühl fehlt mir ein bisschen – und sicher auch meinen Kommiliton*innen, die mit mir das Studium begonnen haben. Wobei ich für einige Prüfungen von Österreich aus nach Erlangen gefahren bin. Bei der Gelegenheit habe ich zum ersten Mal Leute aus meinem Studiengang in echt getroffen, die ich bislang nur vom Bildschirm kannte. Inzwischen treffe ich mich regelmäßig mit einigen meiner Kommiliton*innen – meistens in der Bibliothek. Andere Studierende aus meinem Semester kenn ich zumindest vom Sehen.

Lernen unter erschwerten Bedingungen

Vorlesungen wurden im Regelfall auf einer Lernplattform hochgeladen. So konnte man sich selbst einteilen, wann man sie schauen möchte. Mir ist es eher schwer gefallen, mit dieser Flexibilität umzugehen, weil mir die Struktur und der Stundenplan gefehlt haben. Mir alles selbst einzuteilen, war für mich im ersten Semester schon eine Herausforderung. Wenn einmal eine Vorlesung über Zoom zu einem bestimmten Termin stattfand, war ich total froh.

Die einzige Präsenzveranstaltung im ersten Semester war das Physik-Praktikum, bei dem wir Versuche durchführen und auswerten durften. Dafür wurden wir in kleine Gruppen eingeteilt und durften drei Tage vor Ort an der Uni unser Praktikum absolvieren – natürlich unter Einhaltung entsprechender Hygiene-Vorschriften. Der andere Teil des Praktikums war online. Uns wurde das Material für vier Versuche zur Verfügung gestellt, die wir selbstständig bearbeiten sollten. Als Unterstützung gab es Zoom-Meetings und ein Fragen-Forum.

Physik war eines der Fächer, in denen mir der Präsenzunterricht wirklich gefehlt hat – genauso wie in Chemie oder Histologie. Es ist einfach nicht das Gleiche, sich Präparate auf einem Bildschirm anzuschauen oder einen chemischen Versuch auf Zoom gezeigt zu bekommen, statt ihn selbst durchzuführen. Deshalb war ich froh, dass ich im Physik-Praktikum den Kontakt zu den Tutor*innen und Lehrenden hatte, sie kurz etwas fragen konnte und auch der Austausch mit den Kommiliton*innen einfacher war.

Nach und nach eine Routine finden

Meine Dozent*innen erreiche ich am besten per E-Mail. Von der Uni aus gibt es genügend Möglichkeiten, seine Fragen loszuwerden: eine Lernplattform zum Beispiel, auf der alle Materialien zur Verfügung gestellt werden, und eine Art Forum, in dem man fachliche Fragen oder Fragen zur Klausur stellen kann. Auch am Ende der Zoom-Meetings kann man immer diverse Fragen stellen oder unter den Kommiliton*innen etwas besprechen.

Ins Lernen zuhause musste ich erst reinkommen. Was mir schließlich geholfen hat, einen guten Rhythmus zu finden, war das Einteilen von Freizeit und Lernzeit. Als ich beides nicht mehr vermischt habe, hat es auch mit dem Lernen geklappt – besonders gut ging das im Büro meines Vaters. Dort bin ich täglich hingefahren, hatte ich einen eigenen Raum und konnte mich gut konzentrieren. Wenn ich dann nach Hause gekommen bin, habe ich die Lernsachen zur Seite gelegt und bis zum nächsten Tag nicht mehr angeschaut.

Stand: 11.12.2020

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