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Von der Uni auf den Chefsessel?

Eine Besprechung
Um ein Start-up erfolgreich aufzubauen, braucht es nicht nur eine gute Idee, sondern auch eine Strategie und betriebswirtschaftliche Kenntnisse.
Foto: Helge Gerischer

Ausgründungen aus Hochschulen – Hintergrund

Von der Uni auf den Chefsessel?

Die deutsche Wirtschaft lebt vom Unternehmergeist. Das gilt auch für Studierende oder Absolventen, die im Anschluss an eine Abschlussarbeit oder aus universitären Forschungsprojekten heraus gründen.

Start-ups, die aus Forschungs- und Studienprojekten entstehen, spielen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Meist zählen sie zu den „innovativen Gründern“, erklärt Dr. Georg Metzger, Gründungsexperte bei KfW-Research: „Sie greifen etablierte Märkte an oder schaffen ganz neue Märkte und treiben so den strukturellen Wandel voran.“ 2018 lag der Anteil solch innovativer Gründer bei 11 Prozent – hier gibt es Luft nach oben.

„Die meisten Gründer stammen aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich“, erklärt Michael Hümmer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Fürth. Manche Herausforderungen teilen Gründer aus dem technischen Bereich mit Absolventen anderer Fachrichtungen, in denen eine selbständige Karriere zur Normalität gehört. „Wie Juristen und Mediziner müssen sie sich darauf vorbereiten, dass nicht nur ihr Fachwissen gefragt ist, sondern sie als Unternehmer tätig werden. Mit Verantwortung für Personal und betriebswirtschaftlichem Know-how“, sagt Michael Hümmer.

Technische Innovation allein reicht nicht

Das ist aus seiner Sicht ein entscheidendes Kriterium: technische Exzellenz reicht nicht aus, um eine Gründung erfolgreich zu gestalten. Er erinnert sich an ein Start-up mit einer beeindruckenden Innovation. „Die Gründer haben intensiv daran gearbeitet, die Technik zu verfeinern. Vergessen haben sie, sich um Marketing und Vertrieb zu kümmern. Ohne Kunden kein Geschäft – nach sechs Monaten endete das Unternehmen in der Insolvenz“, beschreibt Michael Hümmer einen Fall. Wie kann man es besser machen? Er empfiehlt: „Beratung ist gut, aber im Idealfall arbeiten Gründer mit Partnern im Team, die die betriebswirtschaftliche Seite abdecken.“ Dann sind Marktanalyse und Businessplan in den Geschäftsaufbau integriert. Wer andere ins Boot holt, hat auch bessere Chancen auf Gründerstipendien, etwa im Rahmen des EXIST-Förderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (siehe auf das Interview: „Gründer brauchen Mut und Neugier“). „Die Aufstellung im Team ist hier ein wichtiges Kriterium“, sagt Michael Hümmer. „Die Berater bei EXIST helfen bei der Suche nach geeigneten Teampartnern.“

Was einen Gründer ausmacht

Wer erfolgreich in die Existenzgründung startet, muss aber noch eine Hürde nehmen: den Weg in den Chefsessel. „In technischen Bereichen funktioniert ein Unternehmen nicht ohne Wachstum“, sagt er. „Das heißt, ein technikverliebter Tüftler muss neue Aufgaben übernehmen, an Mitarbeiter delegieren und sein Baby ein Stück weit loslassen. Das fällt nicht immer leicht.“
Die Finanzierung ist eine weitere Hürde, vor allem wenn man auf Banken setzt. „Gründer haben häufig einen geringen Kreditbedarf“, sagt Georg Metzger von Kfw-Research. „Genau das kann aber ein Problem sein. Kleinere Kredite sind für Banken wegen der hohen Fixkosten weniger attraktiv.“ Sein Rat: „Um eine Finanzierung unter Dach und Fach zu bringen, braucht man Zeit und Beratung.“

Wer gründet, bewegt sich ins Ungewisse. Das braucht Mut gleichermaßen wie Besonnenheit. Ein Wechsel in die Festanstellung sollte daher als Alternative eingeplant werden. Hier sind aus Sicht von Michael Hümmer Teilnehmer an Existenzgründerprogrammen im Vorteil: Denn sie haben über das Stipendium nicht nur den Wert ihres Forschungsthemas dokumentiert, sondern auch Professionalität in der Umsetzung und im Projektmanagement bewiesen. Ohne dieses Qualitätssiegel könne es für Quereinsteiger schwer werden, skeptische Arbeitgeber von sich zu überzeugen. „Wer eine Gründung im Alleingang plant, sollte besser vorher zwei bis drei Jahre in Festanstellung Erfahrungen sammeln und eine Grundlage für den Lebenslauf schaffen“, rät Michael Hümmer. 

Info

Bundesagentur für Arbeit
Hinweise zur Existenzgründung
www.arbeitsagentur.de


Existenzgründung und Gründungszuschuss
www.arbeitsagentur.de

 

EXIST
Gründerstipendium des BMWi
www.exist.de

 

Gründerplattform von KfW und BMWi
Plattform zur Prüfung und Planung von Start-ups
www.gruenderplattform.de

 

Existenzgründerportal des BMWi

Informationen und Tools für Start-ups
www.existenzgruender.de

 

Förderdatenbank des BMWi

Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU
www.foerderdatenbank.de

 

KfW Gründungsmonitor

Publikation von KfW Research
www.kfw.de

 

Verein zur Förderung von Existenzgründungen e.V.

Unterstützung für Gründer und Jungunternehmer
www.vfe-kelkheim.de

 

Bundesverband deutscher Start-ups e.V.

Repräsentant und Stimme der Start-ups in Deutschland
deutschestartups.org

 

Deutscher Start-up Monitor

Publikation des Bundesverbands deutscher Start-ups
www.deutscherstartupmonitor.de

 

Deutscher Hochschulverband

Berufsvertretung von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Deutschland
www.hochschulverband.de

abi>> 29.11.2019

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