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Studieren in der Corona-Krise

Auf dem virtuellen Campus

Seit dem 20. April läuft das Sommersemester an Deutschlands Hochschulen – doch ganz anders, als es sich Studienanfänger und Studierende noch vor wenigen Wochen vorgestellt haben. Aufgrund der Corona-Krise sollen sich Studis idealerweise gar nicht vor Ort einfinden, virtuelle Studienformen sind das Gebot der Stunde. Wie sieht Studieren in Zeiten der Pandemie aus? Ein Beispiel von der Uni Erlangen-Nürnberg.

Auf dem Bild sind verschiedene digitale und internationale Datenverbindungen zu sehen.

Die Hochschulen haben schnell auf die neuen Entwicklungen reagiert. Ab sofort finden Vorlesungen und Seminare online statt.

Die Anmeldung für die Seminare und Kurse lief an der Friedrich-Alexander-Universität noch wie gehabt. Hier setzt die Uni mit ihren fast 40.000 Studierenden schon seit Jahren auf eine Online-Plattform. „Es war wie immer: Der Zugang verlief nach dem Windhundprinzip“, berichtet Sebastian Schroth, der im vierten Semester Theater- und Medienwissenschaften studiert. Das heißt, die Studierenden mussten schnell sein, um sich die Plätze in den begehrtesten Seminaren zu sichern.

Der 21-Jährige ist mit der Auswahl seiner Veranstaltungen zufrieden, und froh, dass das Sommersemester überhaupt stattfindet. „Ich finde es richtig, dass dieses Semester kein Null-Semester ist, gleichzeitig Prüfungsleistungen aber nicht zwingend erbracht werden müssen“, sagt er. Bereits in den Wochen vor dem 20. April erhielten die Studierenden der FAU mehrere E-Mails, in denen sie Stück für Stück auf das virtuelle Semester vorbereitet wurden. Und dabei vor allem auf den Einsatz von Zoom zur Durchführung von Videokonferenzen, Online-Seminaren und Live-Online-Vorlesungen. Mit diesem Dienst arbeiten derzeit viele Hochschulen.

Online-Vorlesung läuft geordnet ab

Ein Porträtbild von Sebastian Schroth

Sebastian Schroth

Am ersten Tag nahm Sebastian Schroth bereits an einer Vorlesung und zwei Seminaren teil. Der Dozent hatte die Links für die Zoom-Konferenzen per E-Mail geschickt. Damit konnten die Studierenden in den Konferenzraum eintreten. „In der Vorlesung waren rund 80 Kommilitonen zugeschaltet, in den Seminaren um die 30“, erzählt er. Trotz der großen Anzahl an Köpfen liefen die Konferenzen geordnet ab. „Wer nicht spricht, schaltet sein Mikro auf stumm“, erklärt er. Technisch lief alles einwandfrei, nur eine dynamische Diskussion hat er an der einen oder anderen Stelle vermisst. „Das funktioniert nur bedingt. Melden sich nämlich viele gleichzeitig zu Wort, leidet die Audioqualität und man verliert schnell den Faden.“

Sebastian Schroth, der in einer WG in Erlangen wohnt, fand es durchaus angenehm, sich für die Veranstaltungen bequem an seinen Schreibtisch setzen zu können. „Klar, der Austausch mit Kommilitonen vor und nach den Kursen fehlt, überhaupt die physische Komponente“, sagt er. Mit seinen Dozenten steht Sebastian Schroth per E-Mail in Kontakt. „Das war bereits vor Corona mein Mittel der Wahl, wobei nun auch Sprechstunden über Zoom angeboten werden“, weiß er.

Einrichtungen per Telefon und E-Mail zu erreichen

Wie er Referate oder Praxisarbeiten gemeinsam mit anderen vorbereiten kann oder Prüfungen in diesem Semester ablaufen, lässt Sebastian Schroth auf sich zukommen. Die Uni informiert, dass digitale Fernprüfungen durchgeführt werden können. Voraussetzung ist, dass die Prüfungsteilnehmer eindeutig zu identifizieren sind, technisch alles funktioniert und der Datenschutz gewährleistet ist. „Mir wäre es lieber, wir könnten Prüfungen vor Ort schreiben, mit ausreichend Abstand“, sagt er.

Wie die Lehrenden sind auch Einrichtungen wie Studienberatung, Prüfungsämter und International Office derzeit am besten telefonisch und per E-Mail zu erreichen. Abschlussarbeiten etwa können Studierende per Post einsenden. Wer dafür ins Labor muss, kann dies mit Ausnahmeregelung tun.

Die Unibibliothek ist seit 20. April wieder geöffnet. Studis dürfen wieder Bücher ausleihen und zurückgeben, jedoch nicht vor Ort lesen und lernen – ein großer Andrang soll vermieden werden. Sebastian Schroth war bisher noch nicht dort. Die Literatur für die Hausarbeiten, die er in den Semesterferien geschrieben hat, hatte er bereits vor der Schließung besorgt. „Glücklicherweise wurden Rückgabefristen erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben. Das wäre sonst teuer geworden“, berichtet er.

Von der Gastronomie zur Spargelernte

Seinem Nebenjob in der Gastronomie kann Sebastian Schroth aufgrund der Krise derzeit nicht nachgehen. „Ich war vor der Krise finanziell gut aufgestellt, aber gerade jetzt macht es sich bemerkbar, dass ich nicht arbeite.“ Die Uni listet auf ihrer umfassenden Corona-Infoseite Informationen und Jobhinweise für Studierende auf, die finanziell in Schieflage geraten.

Eine Möglichkeit: Erntehelfer. „Das mache ich seit einigen Tagen“, erzählt der 21-Jährige. „Ich helfe bei der Spargelernte und freue mich besonders auf die frische Luft. Ein bisschen Bewegung tut gut und ist ein willkommener Ausgleich zu den eigenen vier Wänden.“

abi» 05.05.2020

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