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Studiengänge rund um Abfallentsorgung und -vermeidung

Gegen die Müllflut

Deutschland gehört zu den größten Müllproduzenten der Welt. Wie unser Müllproblem gelöst werden kann – damit beschäftigen sich immer mehr Studiengänge. abi» berichtet über einen Bereich, der spannende Forschung sowie krisensichere Jobs bietet und enorm wichtig ist. Für uns – und für die Umwelt.

Das Bild zeigt verschiedene zu Quadern gepresste Papierabfälle.

Deutschland produziert riesige Mengen an Müll. Doch es gibt immer mehr Ideen für Recycling. Verschiedene Studiengänge beschäftigen sich damit.

615 Kilogramm Abfall. So viel hat laut Statistischem Bundesamt jede/-r Bundesbürger/-in 2018 hinterlassen. Und im Pazifik treibt ein Müllteppich, der mittlerweile – so schätzen Forscher/-innen – viereinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Zahlen, die Alena Spies erschreckend findet. „Das Thema Nachhaltigkeit hat mich immer interessiert“, erzählt die 24-Jährige. „Gleichzeitig hat es mich genervt, dass so viel darüber geredet, aber nichts getan wird.“ Deshalb wollte sie nach dem Abitur etwas studieren, mit dem sie später der Umwelt helfen kann. „Ich habe bei Studienwahl.de einfach mal ‚Umwelt‘ eingegeben und geschaut, was kommt.“ Einer der Treffer: Umweltingenieurwissenschaften an der RWTH Aachen. „Die technische Herangehensweise an Umweltprobleme fand ich gleich super.“

Alena Spies

Einen NC hat der Studiengang nicht, aber ein vierwöchiges Vorpraktikum und die Teilnahme am RWTH-SelfAssessment sind Zulassungsvoraussetzungen. Alena Spies absolvierte zwei Praktika, eines in der Wasserwirtschaft und ein weiteres in einem Ingenieurbüro. „Das SelfAssessment ist ein Online-Test mit Aufgaben zum mathematischen oder räumlichem Denken“, erklärt die 24-Jährige. Das hilft herauszufinden, ob der Studiengang tatsächlich zu den eigenen Fähigkeiten passt.

In den ersten Semestern ging es hauptsächlich um Grundlagen: Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie und Biologie. „Damit alle auf dem gleichen Stand sind – auch Leute wie ich, die Physik abgewählt haben“, sagt Alena Spies. Im dritten Semester kamen fachspezifische Module wie Abfall und Abwasser oder Verfahrenstechnik hinzu. „Weil das Abwägen von ökologischen, ökonomischen und sozialen Fragen in diesem Bereich so wichtig ist“, wählte sie zusätzlich Ethik als freies Fach.

„Der Bereich Abfallentsorgung und -vermeidung ist wirklich ein schönes, weites Feld“, sagt Thomas Probst, der beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) für das Thema Kunststoffrecycling zuständig ist. Ökologie und Ökonomie, Technik und Naturwissenschaften, Politik und Psychologie – der Bereich verbinde verschiedene Fachrichtungen miteinander. „Je nach Interesse kann hier eigentlich jeder den idealen Studiengang oder -schwerpunkt finden.“

Thomas Probst

Prinzipiell, sagt Thomas Probst, gehe es dabei erstmal darum, in Abfall nicht nur wertlosen Müll zu sehen, sondern einen Rohstoff. „Kunststoff gehört eben nicht ins Meer, sondern wieder zurück in die Industrie.“ Bei Papier oder Glas funktioniert dieser Stoffkreislauf. „Bei Plastik stehen wir jedoch immer noch am Anfang – das muss sich dringend ändern.“ Er sieht dabei Deutschland im Zugzwang. Nicht nur, weil das Land zu den größten Müllverursachern gehört: „Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, wir können es uns schlicht nicht leisten, Rohstoffe nur einmal zu verwenden.“

Dass das Thema immer mehr Gewicht bekommt, betont auch Berit Grautmann von der Agentur für Arbeit in Bad Homburg. „Das merkt man allein daran, dass es immer mehr Studiengänge im Bereich Abfallentsorgung und -vermeidung gibt.“ Dennoch sei es eher selten, dass bei der Berufsberatung gezielt danach gefragt wird. „Vielen Schülerinnen und Schülern ist gar nicht bewusst, wie vielfältig dieser Bereich ist.“

Berit Grautmann

Es gibt Bachelorstudiengänge, die recht allgemein gehalten sind, wie Umweltingenieurwesen oder Energie- und Umwelttechnik. Im Bauingenieurwesen gibt es Vertiefungen wie Wasser- und Ressourcenwirtschaft. Aber es gibt auch speziellere Studiengänge wie Hydrowissenschaften oder Recycling und Entsorgungsmanagement. „Allen, die nicht hundertprozentig sicher sind, rate ich, einen allgemeineren Bachelorstudiengang zu wählen und sich erst im Master zu spezialisieren“, sagt die Berufsberaterin. Bei dieser Vielfalt den Überblick zu behalten, sei schwer, gibt Berit Grautmann zu. „Es ist ein Bereich, in dem man nicht einfach drauf los studieren sollte.“ Sie rät zu einer Beratung und guter Planung, da viele Studiengänge Vorpraktika verlangen.

Dafür sind die Zukunftsaussichten hervorragend. „Die Arbeitsmarktlage in dem Berufsfeld gestaltet sich angesichts seiner Bedeutung positiv: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist 2019 gewachsen, die Nachfrage nahm zu und die Arbeitslosigkeit ab“, sagt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Ob in der Forschung, bei Unternehmen, die ihre Produkte immer ressourcenschonender herstellen wollen oder in Ministerien und Behörden – der Einsatzbereich für Absolvent(inn)en ist vielfältig. „Sie können später in Leitungsfunktion auf dem lokalen Recyclinghof arbeiten, neue Maschinen entwickeln oder als Experten für Nachhaltigkeit bei den Vereinten Nationen oder in der Entwicklungshilfe landen“, verdeutlicht Berit Grautmann.

Alena Spies hat bei der Orientierung ihre Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft geholfen, wo sie Doktorant(inn)en assistiert. „So habe ich in viele Bereiche Einblicke bekommen“, erzählt sie. Zunächst will sie den Master in Umweltverfahrenstechnik machen und dann promovieren. „Am liebsten im Abfallbereich. Da gibt es so viele spannende Forschungsfelder.“ Und so kommt sie ihrem Ziel immer näher: Dabei zu helfen, dass die Müllberge etwas kleiner werden.

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter: Abfall / Umweltschutz).
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Abfall / Umweltschutz).
berufenet.arbeitsagentur.de

Umweltbundesamt

Deutschlands zentrale Umweltbehörde setzt sich für eine gesunde Umwelt ein, informiert die Öffentlichkeit und berät die Politik.
www.umweltbundesamt.de

Bundesverband für Sekundärstoffe und Entsorgung

Die Unternehmen im Verband setzen sich dafür ein, dass aus Abfällen wieder Rohstoffe werden.
www.bvse.de

Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK)

Das Junge Forum des BWK unterstützt auch bei Karriereplanung und Bewerbung.
www.bwk-bund.de

NABU

Der älteste und mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland informiert auf seiner Homepage auch zum Thema Abfall und Recycling und in der Jobbörse über freie „grüne“ (Praktika-)Stellen.
www.nabu.de

Utopia.de

Die Online-Plattform zum Thema Nachhaltigkeit hat eine Übersicht zu Studiengängen rund um Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit zusammengestellt.
https://utopia.de/

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 10.08.2020

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