Für kreative Problemlöser

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Bei der Informatik dreht sich vieles ums Programmieren. Dafür muss man eine eigene Sprache lernen.
Foto: Jessica Braun

Informatik studieren

Für kreative Problemlöser

Computersysteme haben längst in sämtliche Lebensbereiche Einzug gehalten. Wer sich für ein Informatikstudium entscheidet, darf stetig neue spannende Aufgaben im Berufsleben erwarten.

Janine Lohse geht den Dingen gerne auf den Grund. Mit zehn Jahren fing sie an, sich für Computerspiele zu interessieren. „Meistens irgendwas mit Pferden“, erzählt die 19-Jährige und lacht. Doch nur zu spielen, wurde ihr bald zu langweilig. Sie wollte verstehen, wie die Spiele funktionieren, wie sie aufgebaut und programmiert sind. „Ich habe irgendwann angefangen, selbst ein paar kleine Programme zu schreiben.“ Als es dann in der Schule einen Informatik-Wettbewerb gab, hat sie einfach mal teilgenommen. „Ich war ziemlich gut – das hat mich total überrascht.“ Und es hat sie ermutigt, weiterzumachen.

Ein Porträt-Foto von Janine Lohse.

Janine Lohse

Foto: Helen Beckmann

In den folgenden Jahren hat sie immer wieder bei Wettbewerben mitgemacht. Beim Bundeswettbewerb Informatik qualifizierte sie sich sogar für die Internationale Informatik-Olympiade in Japan. „Ich fand die Aufgaben immer total interessant.“ Sie nennt ein Beispiel: die kürzeste Route von einer Stadt zur anderen finden. „Da kann man natürlich jeden möglichen Weg berechnen und so den kürzesten herausfinden. Aber das dauert viel zu lange – deshalb muss man eine effizientere Möglichkeit finden.“ Mit Hilfe von Algorithmen. „Das ist das Spannende daran: kreative Lösungsstrategien für ein Problem zu finden.“

Durch die Wettbewerbe kam sie auf die Idee, Informatik zu studieren. „Ich habe mich für die Uni in Saarbrücken entschieden, weil der Studiengang dort sehr theoretisch ist – das finde ich gut.“ Eben weil sie nicht nur Anwenderin sein will, sondern auch die Mathematik hinter den Algorithmen verstehen will.

Breit aufgestellt auf dem Arbeitsmarkt

„Das ist natürlich nicht für jeden etwas“, gibt Verena Marschler, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Ludwigshafen zu bedenken. „Wer sich für Informatik an einer Universität entscheidet, muss sich auf ein anspruchsvolles, theoretisches Studium mit hohen mathematischen Anforderungen einstellen.“ Nicht jeder sei sich darüber im Klaren – entsprechend hoch sind die Abbruchquoten. „46 Prozent, also fast die Hälfte, bricht ein Informatikstudium an der Universität ab.“

Wer es praxisbezogener mag, kann über ein Studium an einer Fachhochschule nachdenken. „Der Praxisanteil ist größer und die Theorie hat einen hohen Anwendungsbezug“, erklärt die Berufsberaterin. Wer zudem im Studium bereits Geld verdienen will, dem rät sie zu einem dualen Studium.

„Es entstehen ständig neue Studiengänge“

Mit einem Studium der allgemeinen oder der angewandten Informatik stellen sich Studierende für den Arbeitsmarkt breit auf. Doch da Informatiker in fast allen Bereichen händeringend gesucht werden, spricht nichts gegen eine Spezialisierung. „Es entstehen ständig neue Studiengänge“, sagt Verena Marschler. Im Oktober 2019 zählte sie 291 Studiengänge mit Informatikbezug an Universitäten, 428 an Fachhochschulen – „ohne Anspruch auf Vollständigkeit“, fügt sie hinzu. Viele davon fallen unter die Kategorie „Bindestrich-Informatik“ – und vor diesem Bindestrich steht dann etwa Verwaltungs-, Sozio-, Medizin- oder Automobil-, es gibt jedoch auch Studiengänge wie Digitale Forensik oder Animationsdesign. Mathematik ist bei jedem Informatikstudiengang wichtig – viele Studierende tun sich jedoch bei einem höheren Anwendungsbezug deutlich leichter. Programmierkenntnisse sind allerdings keine Voraussetzung.

Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Zahl an Studiengängen, steigt die Zahl der Studierenden im Bereich Informatik. „Aber es gibt keinen Boom“, sagt Verena Marschler. Viele Studiengänge hätten nach wie vor keine Zulassungsbeschränkung. Nach Meinung des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) könnte es sogar noch viel mehr Studierende geben – Jobs gäbe es genug. „Das Vordringen der Informatik in nahezu alle Arbeits-und Lebensbereiche geht einher mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen für Computerfachleute“, bestätigt Claudia Suttner, Arbeitsmarkexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. „Die Nachfrage nach IT-Fachleuten bewegt sich auf Höchstniveau.“ Vor allem in der Softwareentwicklung und in der Anwenderberatung gäbe es einen erhöhten Fachkräftebedarf. Deshalb haben Informatiker auch mit einem Bachelor gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Hartnäckige Klischees

Ein Porträt-Foto von Frank Termer.

Frank Termer

Foto: privat

Frank Termer, Bereichsleiter Software bei Bitkom, sieht dabei ein großes Problem: „Dieses Klischee des lichtscheuen Nerds, der Tag und Nacht vor dem Computer sitzt, hält sich unglaublich hartnäckig.“ Dabei sei die Informatik vielfältig: Absolventen könnten später Computern das Sprechen beibringen, Traktoren mit Geo-Daten füttern oder Verbrecher überführen, die online Spuren hinterlassen haben. „Es gibt kaum einen anderen Bereich, bei dem man so viele berufliche Möglichkeiten hat.“

Der Experte von Bitkom beschreibt, was das Aufgabengebiet von Informatikern ausmacht: „Sie lösen mit Hilfe von Technik reale Probleme – und das ist ein sehr kreativer Prozess.“ Und vor allem ein kommunikativer. „Die Zeiten, in denen Informatiker allein vor ihrem Computer saßen, sind längst vorbei“, betont er. „Sie müssen Teamplayer sein. Die meisten Aufgaben sind so komplex, die kann niemand alleine lösen.“ Und dabei seien vor allem auch Frauen gefragt – doch deren Anteil lag 2018 im Studienbereich Informatik nur bei 21 Prozent. „Er wächst, allerdings sehr langsam“, sagt Claudia Suttner. Wie begehrt Frauen in der Branche sind, zeigt auch eine andere Zahl: „Informatikerinnen sind seltener arbeitslos als ihre männlichen Kollegen.“

Janine Lohse rät Schülern, einfach mal bei einem Informatik-Wettbewerb wie dem Bundeswettbewerb Informatik mitzumachen – nur so zum Spaß. „Ich glaube, vor allem viele Mädchen entdecken ihr Talent sonst gar nicht. Probiert es einfach mal aus, dann merkt ihr ja wie spannend die Themen sind!“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Informationsportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Informatik).

studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Informatik).

berufenet.arbeitsagentur.de

Einstieg Informatik

Die Seite der Geschäftsstelle der Bundesweiten Informatikwettbewerbe (mit Unterstützung des Fakultätentags Informatik) bietet eine Übersicht über Informatik-Studiengänge deutschlandweit und Termine zu Beratertagen, Girl’s Day oder Sommercamps.

einstieg-informatik.de

Bundesweite Informatikwettbewerbe

Übersicht über bundesweite Informatikwettbewerbe vom Biber bis zur Olympiade.

bwinf.de

Komm, mach Mint!

Bundesweite Netzwerk-Initiative, die Mädchen und Frauen für MINT-Studiengänge und -Berufe begeistern will. Mit Infos zu Berufen, Studium oder auch Stipendien.

komm-mach-mint.de

Bitkom

Website des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien.

bitkom.org

Deutsche Gesellschaft für Informatik

Website der Deutschen Gesellschaft für Informatik

gi.de

 

Informatik studieren – Übersicht

Informatik in allen Bereichen

Die Informatik hat mittlerweile fast alle Bereiche unseres Lebens erobert, digitale Anwendungen begleiten uns auf Schritt und Tritt. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Studiengänge. abi>> stellt eine Auswahl vor.

Informatik

Informatik ist laut Duden die „Wissenschaft von der systematischen Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Informationen, besonders der automatischen Verarbeitung mithilfe von Digitalrechnern“. Das Studium vermittelt wissenschaftliches und praktisches Grundlagenwissen in den Bereichen Entwicklung, Einsatz und Evaluierung von Softwaresystemen für alle denkbaren Anwendungsbereiche.

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Wirtschaftsinformatik

Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich mit der Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Das Studium verknüpft wissenschaftliches und praktisches Grundlagenwissen in Betriebswirtschaftslehre mit theoretischer und angewandter Informatik.

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Bioinformatik

Die Bioinformatik ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Probleme aus den Lebenswissenschaften mit computergestützten Methoden löst. Das Studium vermittelt Grundlagenwissen in Informatik, Mathematik und Lebenswissenschaften, darunter zählen Biologie und Chemie, aber auch Medizin, Pharmazie oder Ernährungswissenschaften.

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Medizinische Informatik

Medizin ist ohne eine umfassende und sorgfältig geplante Erhebung und Verarbeitung von Informationen nicht möglich. Ein Studium der Medizinischen Informatik vermittelt wissenschaftliches und praktisches Grundlagenwissen in Informations- und Gerätetechnik, Medizin sowie Entwicklung und Anwendung von IT-Systemen für das Gesundheitswesen.

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Technische Informatik

Die Technische Informatik verbindet Hardware mit Software und Elektrotechnik mit Informatik. Ein Studium vermittelt Grundlagenwissen in Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik und Informatik.

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Medieninformatik

Mit der Digitalisierung von Text, Bild, Audio und Video entstand die Medieninformatik als Teilgebiet der Informatik. Im Studium werden typische Informatik-Fächer, wie Programmierung, Datenbankstrukturen, Softwaretechnik und Webdesign, mit Fächern wie Medienmanagement und Mediengestaltung verknüpft.

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Geoinformatik

Geoinformatiker gewinnen, verarbeiten und analysieren geowissenschaftliche Daten und machen sie für Nutzer zugänglich. Sie erstellen Karten, entwickeln Orientierungssysteme oder berechnen Möglichkeiten des Einsatzes von Rettungskräften in Katastrophenfällen. Im Studium wird die Informatik dabei mit erdwissenschaftlichen und technischen Disziplinen verknüpft.

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Umweltinformatik

Die Natur in Nullen und Einsen

Katharina Koal (31) hat den Studiengang gefunden, der perfekt zu ihr passt: Umweltinformatik. Dabei kann sie ihr Interesse für ökologische Themen und ihre Lust am Programmieren verbinden.

Eigentlich war sich Katharina Koal sicher, dass Informatik das Richtige für sie ist. In der Schule war sie in dem Fach immer gut. „Der ganze Bereich hat mich total fasziniert“, sagt die 31-Jährige und wollte ihre Kenntnisse unbedingt vertiefen. Sie schrieb sich an der Humboldt-Universität in Berlin für Informatik ein. „Das war schon ein krasser Sprung“, erzählt sie. Der Stoff war schwer. Das Programmieren ging, „aber die Theorie, die Mathematik – das war einfach etwas völlig anderes als in der Schule“.

Nach fünf Semestern war Katharina Koal klar: „Das ist nicht das, was ich machen will: zu theoretisch, zu weit von der Anwendung entfernt.“ Sie machte sich selbständig und fand als Webentwicklerin schnell einen Kundenkreis. „Aber es wurde schnell zur Routine, die Aufträge waren fast immer die gleichen.“ Sie entschied, doch nochmal zu studieren. „Ich habe dann gezielt nach Bindestrich-Studiengängen geschaut, um einen höheren Praxisbezug zu haben.“

„Mit IT-Methoden die Welt verbessern“

Ein Porträt-Foto Katharina Koal.

Katharina Koal

Foto: privat

Bei ihrer Recherche stieß sie auf den Studiengang Umweltinformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. „Das fand ich sofort spannend, ökologische Themen und Nachhaltigkeit haben mich schon immer interessiert.“ Katharina Koal merkte schnell, dass sie ihren Studiengang gefunden hat. „Wir versuchen, mit Methoden der Informatik die Welt zu verbessern“, erklärt sie und lacht. Umweltinformatiker analysieren Prozesse in der Umwelt, um sie besser zu verstehen und nutzen den Computer als Werkzeug, um Probleme zu lösen. „Wir erstellen etwa Computermodelle davon, wie sich Schadstoffe in der Luft oder in einem Fluss ausbreiten.“ Auch wenn es darum geht, wo Windräder aufgestellt werden, kommen Umweltinformatiker zum Einsatz. „Wir analysieren dann, wo genug Wind weht und Tiere und Menschen am wenigsten gestört werden“, erklärt die 31-Jährige.

Mathematik und Programmieren stehen nach wie vor auf ihrem Studienplan. „Ich bin jetzt sogar richtig gut in Mathe. Da ich genau weiß, wofür ich das brauche, fällt es mir viel leichter.“ Doch nun belegt sie auch Vorlesungen und Seminare in Umweltwissenschaft, Ökologie und Biologie oder Umweltchemie und ist regelmäßig im Labor. Hinzu kommen Veranstaltungen in BWL, VWL und Rechnungswesen. Ein Praktikum ist vorgeschrieben. „Aber wir machen auch im Studium viel Projektarbeit, etwa zu fachbezogener Programmierung oder auch mal gemeinsam mit Umweltwissenschaftlern“, erklärt sie. Rund 40 Prozent der Umweltinformatik-Studierenden sind Frauen – ein relativ hoher Anteil im IT-Bereich. Für das Studium, rät Katharina Koal, sollte man gerne interdisziplinär und im Team arbeiten.

Erstmal im Ausland arbeiten

Derzeit schreibt die Informatikerin an ihrer Bachelorarbeit. Da sie in Teilzeit studiert und immer nebenher gearbeitet hat, ist sie bereits im neunten Semester. Sie hat nicht vor, noch den Master zu machen. „Das war ein sehr cooles Studium, aber ich will erstmal wieder arbeiten, auch aus finanziellen Gründen.“ Sie ist sicher: Als Informatikerin findet sie mit einem Bachelorabschluss ebenso einen guten Job – und das nicht nur im Bereich Umweltinformatik. Ihr Traum ist allerdings, erstmal ein Jahr im Ausland zu arbeiten. „In Vancouver gibt es ein Unternehmen, das Routenoptimierungen für die letzte Meile entwickelt. Also für den letzten Weg der Pakete durch die Stadt bis zur Haustür. Dabei geht es darum, den CO2-Austoß zu verringern – da will ich mich bewerben.“

 

Angewandte Informatik

Den Fortschritt mitgestalten

Theoretisches Wissen direkt in der Praxis anwenden – weil er darauf Wert legt, hat sich Lucas Schröder (20) für den Studiengang Angewandte Informatik in Chemnitz entschieden.

Dass sein Studium mal mit Computern zu tun haben soll war Lucas Schröder schon früh klar. Er hat immer gerne am PC gespielt und früh angefangen, selbst Spiele zu programmieren. „Ich entschied mich für ein grundlegendes Studium, weil ich mich nicht zu früh spezialisieren wollte“, erzählt Lucas Schröder. Er sieht die Informatik als eine Art Werkzeug, das in allen Bereichen des Lebens Anwendung findet. Deshalb entschied er sich für den Studiengang Angewandte Informatik an der Technischen Universität Chemnitz. „Für mich klang das ideal: Man bekommt Kenntnisse aus allen Kernbereichen der Informatik vermittelt, hat aber trotzdem einen hohen Anwendungsbezug.“

Teamarbeit sehr wichtig

Ein Porträt- Foto von Lucas Schröder.

Lucas Schröder

Foto: MEMORY Fotolabor

Auf seinem Studienplan stehen Seminare und Vorlesungen wie Mathematik, Algorithmen und Datenstrukturen, Programmiersprachen oder Technische Informatik. Aber die Studierenden werden mit der Theorie nicht alleine gelassen. „Eigentlich gibt es zu fast allen theoretischen Veranstaltungen eine Übung, ein Praktikum oder ein Forschungsseminar, wo es um die praktische Anwendung geht.“ Genau das gefällt ihm an seinem Studium: „Vieles von dem, was ich jetzt lerne, kann ich direkt zuhause ausprobieren und nutzen.“

Ebenfalls wichtig im Studium: Das teamorientierte Praktikum. „Das ist vielen nicht klar – wie wichtig Teamarbeit in der Informatik ist“, meint der Student. „Für einen allein sind die Aufgaben viel zu komplex.“ Auch er musste erst lernen, mehr aus sich herauszukommen, gibt der 20-Jährige zu, der sich eher als introvertiert beschreibt. Mittlerweile ist er sogar als Tutor tätig. „Das hätte ich mir früher nie zugetraut!“

Breit gefächertes Studium

Lucas Schröder hat sich für den Anwendungsschwerpunkt „Verteilte Systeme“ entschieden. „Weil so vieles auf ihnen basiert“, begründet der 20-Jährige. Ohne verteilte Systeme, also den Zusammenschluss unabhängiger Computer, wäre zum Beispiel eine Online-Überweisung kaum möglich und keine Suchmaschine würde Antworten in Sekundenbruchteilen ausspucken. Sie sorgen dafür, dass Anwendungen weiter funktionieren, selbst wenn Teile des Systems ausfallen.

Für seinen Anwendungsschwerpunkt belegt Lucas Schröder weitere Veranstaltungen wie „Entwurf verteilter Systeme“ oder „Elektrotechnik“. Hinzu kommen in Chemnitz die sogenannten Schlüsselkompetenzen, bei denen Studierende aus verschiedenen Veranstaltungen wählen können. Er hat sich für Englisch entschieden: „Weil das in unserem Bereich einfach enorm wichtig ist.“ Zur Wahl standen unter anderem Präsentationstechniken, Rhetorik oder Betriebswirtschaftslehre.

Den Fortschritt mitgestalten

Mittlerweile ist der angehende Informatiker im fünften Semester, demnächst steht für ihn die Bachelorarbeit an. Vermutlich wird er diese am Lehrstuhl für verteilte Systeme an der Universität absolvieren. Danach wird er „sehr wahrscheinlich“ den Master dranhängen – auch wenn der 20-Jährige sicher ist, dass er mit dem Bachelorabschluss bereits gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätte. Was er nach dem Studium machen will – da ist er sich noch nicht so sicher. „Ich wusste ja, dass der Bereich Angewandte Informatik breit gefächert ist – aber erst im Studium habe ich gemerkt, wie breit tatsächlich.“ Und ständig kommen neue, interessante Anwendungsbereiche hinzu. „Ich finde es spannend, dass ich nach meinem Studium diesen Fortschritt selbst mitgestalten und beeinflussen kann.“

 

Informatikerin

Lager der kurzen Wege

Josephine Leschik (22) hat Wirtschaftsinformatik studiert und schrieb ihre Bachelorarbeit darüber, wie Waren in einem Lager optimal angeordnet werden. Heute arbeitet sie als Anwendungsberaterin mit ihrem eigenen Programm.

Das klappt nicht immer: Dass eine Bachelorarbeit nicht einfach irgendwo in einem Regal Staub ansetzt, sondern direkt den Weg in die Wirtschaftswelt findet. Bei Josephine Leschik war das so. Das Programm, das sie in ihrer Bachelorarbeit entwickelt hat, ist heute im Lager des IT-Dienstleisters Bechtle im Einsatz. Sie hilft dabei, die gelagerten Produkte möglichst optimal anzuordnen. So sollten etwa Dinge, die häufig gebraucht werden, nah an den Förderbändern stehen. Josephine Leschiks Programm sorgt so für kurze Wege und schnelle Bearbeitung. „Das fühlt sich schon gut an“, sagt die 22-Jährige „Und es ist extrem motivierend.“

Für die 22-Jährige ist das der große Vorteil des dualen Studiums: „Die enge Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis.“ Sie hat Wirtschaftsinformatik studiert und ihre Praxisphasen bei Bechtle absolviert. „Für mich war recht früh klar, dass ich nicht an einer ‚normalen‘ Hochschule studieren will“, erzählt die 22-Jährige. Sie wollte wissen, wofür sie lernt und das, was sie in Vorlesungen und Seminaren vermittelt bekommt, möglichst schnell anwenden können. „Und mir war auch wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen.“ Jeweils drei Monate war sie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, dann folgte ein Block im Unternehmen. Rückblickend, sagt sie, war es für sie genau das Richtige. „Klar, man hat nicht dieses typische Studentenleben – aber das habe ich nicht vermisst.“

Wirtschaftliche Prozesse in Codes umsetzen

Ein Porträt-Foto von Josephine Leschik.

Josephine Leschik

Foto: privat

Für Wirtschaftsinformatik hat sich Josephine Leschik entschieden, da sie etwas Zukunftsorientiertes studieren wollte. „Informatik spielt eine so große Rolle in unserem Leben – und wird immer wichtiger.“ Sie tüftelt selbst gerne zuhause herum, das Thema Smarthome fasziniert sie. Vor ihrem Studium hatte sie jedoch noch nie programmiert. „Keine einzige Zeile“, sagt sie. Das sei kein Problem gewesen. Dass sie sich für Technik interessiert und keine Scheu vor Mathe hat, sei jedoch schon von Vorteil gewesen. Und da sie auch Wirtschaft spannend findet, lag das Studienfach nahe. „Wirtschaftliche Prozesse analysieren und in Codes umsetzen – das finde ich extrem interessant und vielfältig.“

Seit einigen Monaten arbeitet Josephine Leschik nun fest bei Bechtle. „Die Chancen, dass man nach einem dualen Studium übernommen wird, sind wirklich gut“, sagt die 22-Jährige. Der Übergang vom Studium ins Berufsleben war für sie deshalb relativ sanft. „Ich kannte die Leute ja schon.“ Nun ist sie Teil des Teams, das für die Beratung und Entwicklung von SAP EWM, dem Lagerverwaltungssystem, zuständig ist. Als Application Consultant (Anwendungsberaterin) konnte sie verfolgen, wie ihr Programm von der Testphase in die produktive Phase wechselte.

Kommunikativ und offen

Josephine Leschik und ihre Kollegen sind dafür zuständig, dass das Lagerverwaltungssystem reibungslos läuft und Fehler schnell behoben werden. „Das ist unser Tagesgeschäft. Nebenbei gibt es aber immer wieder Projekte, in denen es um neue Entwicklungen geht.“ Dabei sind sie in ständigem Kontakt mit den Lagermitarbeitern. „Die sagen uns, was funktioniert, was nicht und welche Änderungen sie sich wünschen – wir schauen dann, was davon technisch umsetzbar ist.“

Kommunikativ und offen sollte man für den Beruf der Anwendungsberaterin sein, meint Josephine Leschik – und sich schnell in fremde Fachgebiete einarbeiten können. „Ich muss wissen, wie das SAP-System funktioniert – aber auch verstehen, wie die Mitarbeiter im Lager arbeiten und wie da die Prozesse sind.“ Momentan, sagt die 22-Jährige, sei sie „voll zufrieden“ mit ihrem Job. Gedanken, wie ihre Karriere weiter verlaufen könnte, macht sie sich noch keine. Möglichkeiten hätte sie im Unternehmen genug.


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Stand: 07.04.2020