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Arbeitsmarkt Ingenieure – Interview

In fast allen Ingenieursberufen gute Aussichten

Auch wenn die Corona-Krise die Industrie derzeit stark beutelt, sieht Ingo Rauhut, Arbeitsmarktexperte beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI, zukünftig gute Jobchancen für Absolventen aller ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen. Im Interview erklärt er, warum.

Mann und Frau schütteln sich die Hände.

Die Chancen, nach dem Ingenieursstudium einen Arbeitsplatz zu bekommen, stehen gut.

Ingo Rauhut: Ich denke, wir werden gut aus der Krise herauskommen. Spätestens in vier Jahren werden wir wieder Engpässe auf dem Ingenieursarbeitsmarkt haben. Das ist ja gerade für diejenigen, die jetzt darüber nachdenken, Ingenieurin oder Ingenieur zu werden, relevant. 2015 haben wir in einer Untersuchung angeschaut, wie sich der demographische Wandel auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Das haben wir für verschiedene Szenarien durchgespielt. In der pessimistischsten Variante, bei einer sehr lahmenden Wirtschaft, haben wir festgestellt, dass 2029 immer noch bis zu 84.000 Ingenieurinnen und Ingenieure fehlen werden.

abi» Dafür müsste Deutschland aber ein starker Industriestandort trotz Globalisierung und zunehmender Digitalisierung bleiben.

Ein Porträtfoto von Ingo Rauhut.

Ingo Rauhut

Ingo Rauhut: Deutschland ist das Land der Erfinder und das wird so bleiben. Wir werden weiterhin exportorientiert sein, also hier vor Ort produzieren. Deutsche Produkte sind weltweit sehr gefragt. ‚Made in Germany‘ steht für Innovationskraft und Qualität. Klar müssen wir uns dafür anstrengen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Umso wichtiger ist es, dass sich Studierende mit neuen Technologien und neuen Herausforderungen in der Industrie auseinandersetzen. IT-Wissen zum Beispiel sollte nicht nur in einem Informatikstudium erworben werden, um bei der Digitalisierung am Ball bleiben zu können.

abi» Welche Entwicklungen haben noch großen Einfluss auf die Ingenieurwissenschaften?

Ingo Rauhut: Ingenieurinnen und Ingenieure sind auch diejenigen, die die Energiewende mit Leben füllen. Das ist sehr spannend, weil man dabei tatsächlich eine gesellschaftliche Transformation mitgestaltet. Auch E-Mobilität krempelt derzeit eine komplette Branche und Disziplin um. Wohin das führt, weiß keiner. Der rasante technologische Fortschritt lässt Wissen immer schneller veralten. Morgen könnte schon etwas ganz anderes gefragt sein.

abi» Dann bleiben wir lieber im Hier und Jetzt. Wie sehen denn die aktuellen Arbeitsmarktzahlen aus?

Ingo Rauhut: Wir stellen seit Jahren fest, dass wir in allen Ingenieursberufen ausreichend Jobangebote haben. Aktuell sind Bauingenieure und -innen sowie Leute in den Informatikberufen sehr gefragt, mit 33.250 beziehungsweise 36.700 offenen Stellen. Insgesamt stehen derzeit 108.000 offene Stellen 35.000 Arbeitslosen gegenüber. Ein großer Teil davon ist auf die sogenannte Sucharbeitslosigkeit zurückzuführen, also auf die kurze Zeitspanne beim Wechsel von einer Stelle zur nächsten.

abi» Um das Ganze in Relation zu setzen: Wie viele Ingenieurinnen und Ingenieure gibt es denn überhaupt in Deutschland?

Ingo Rauhut: Insgesamt gibt es etwa eine Million sozialversicherungspflichtige Ingenieurinnen und Ingenieure. Bezüglich der Freiberufler haben wir keine aktuellen Zahlen. Der Mikrozensus gibt für 2017 circa 163.000 an. In den Bereichen Architektur und Informatik gibt es die meisten Selbstständigen. Die Frauenquote im Ingenieursbereich liegt bei etwa 18 Prozent, sie steigt von Jahr zu Jahr, wenn auch langsam, an.

abi» 14.09.2020

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