Examen unter Staatsaufsicht

Ein Student liest in der Bibliothek
Wer fürs Staatsexamen büffelt, verbringt meist viele Stunden in der Bibliothek.
Foto: Thomas Lohnes

Wo bitte geht’s zum Staatsexamen?

Examen unter Staatsaufsicht

Mediziner, Richter, Rechts- und Staatsanwälte, Lehrer, Apotheker sowie Lebensmittelchemiker – sie alle üben Berufe mit großer Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber aus. Ein Grund, weshalb der Staat die Ausbildungen selbst reglementiert und kontrolliert und hierfür das Staatsexamen etabliert hat.

Durchschnittlich 90 Sekunden Bedenkzeit hatte Dorothea Hallier, um ihr Kreuzchen bei einer der fünf Antwortmöglichkeiten zu setzen – nur so war es möglich, alle 360 Aufgaben des ersten Abschnitts der Pharmazeutischen Prüfung zu bearbeiten. An vier aufeinanderfolgenden Tagen stellte sie sich den Fragen in den Fächern Chemie, Biologie, Physik sowie Arzneiformenlehre und Analytik. „In den ersten vier Semestern bis zu dieser Prüfung geht es um naturwissenschaftliche Grundlagen“, erklärt die 23-Jährige. Schließlich müsse man wissen, wie der Körper und die Natur funktionieren, um zu verstehen, wie Medikamente wirken. Heute ist Dorothea Hallier im achten Semester an der Uni Greifswald. Die war ihr Favorit: Als sie sich über hochschulstart.de für einen Studienplatz bewarb, stand Greifswald auf Platz 1 ihrer Wunschliste.

Ein Porträt-Foto von Dorothea Hallier

Dorothea Hallier

Foto: privat

Mit dieser Wahl ist sie äußerst zufrieden. „Das Pharmaziestudium ist sehr vielseitig, man lernt, analytisch zu denken und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten“, erklärt die angehende Pharmazeutin. Außerdem sei es sehr praxisnah: „Im Labor kann man viel selbst experimentieren.“ Dazu kommt die Famulatur, ein mehrwöchiges Praktikum, und als letzte Studienetappe nach dem zweiten Staatsexamen das Praktische Jahr, das zur Hälfte in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden muss. In den verbleibenden sechs Monaten wird Dorothea Hallier eine Diplomarbeit verfassen und so herausfinden, ob vielleicht eine Tätigkeit in der Forschung für sie in Frage kommt.

Im Dienst des Staates

Wer sich für die Fächer Pharmazie, Lehramt, Human-, Tier- und Zahnmedizin, Rechtswissenschaft oder Lebensmittelchemie entscheidet, studiert meist „auf Staatsexamen“, wie es umgangssprachlich heißt. Allen Studiengängen gemein ist, dass sie in der Regel in einen vom Staat regulierten Beruf führen. Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte bedürfen der Approbation, also einer staatlichen Erlaubnis für die Berufsausübung. Oft tritt der Staat zudem als Arbeitgeber auf: Absolventen eines Lehramtsstudiums können als Beamte im Staatsdienst arbeiten (siehe auch das Thema der Woche „Lehrer/in werden“ auf abi»), „Volljuristen“ ein Richteramt bekleiden oder Staatsanwälte werden und Lebensmittelchemiker in der amtlichen Lebensmittelüberwachung angestellt sein.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die erklärt, warum der Staat als Prüfungsabnehmer und damit als Kontrollinstanz tätig ist: „Die Einhaltung bestimmter, klar definierter Qualitätsstandards liegt bei diesen Tätigkeiten im öffentlichen Interesse“, erklärt Dr. Jürgen Gündel, Leiter des Informations- und Beratungszentrums für Studiengestaltung und Career Service der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die bis auf Tiermedizin alle Staatsexamensstudiengänge anbietet. Die hohe Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit führte früh dazu, dass der Staat als Kontrollinstanz in Erscheinung trat: Das Erste und Zweite Staatsexamen der Juristen etwa wurde von den Preußen 1869 eingeführt. Der Begriff „Staatsexamen“ wird heute nur noch umgangssprachlich verwendet. Angehende Humanmediziner oder Juristen stellen sich dem Ersten, Zweiten und Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung beziehungsweise der Ersten oder Zweiten juristischen Prüfung (siehe auch Studienreportagen „Menschen ins Gleichgewicht bringen“ und „Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal“).

Viele Praxisphasen

Ein Porträt-Foto von Dr. Jürgen Gundel

Dr. Jürgen Gundel

Foto: privat

Wie bei jedem Studium sollte man Neugierde und ein großes Interesse an den Inhalten mitbringen – das helfe auch dabei, bei den zum Teil sehr langen Ausbildungszeiten die Motivation nicht zu verlieren, sagt Dr. Jürgen Gündel. Alle Studiengänge mit staatlichen Prüfungen sehen integrierte und/oder post-universitäre Praxisphasen vor (siehe auch die Steckbriefe der einzelnen Studiengänge). Bei Humanmedizinern und Pharmazeuten steht der letzte Abschnitt der Ärztlichen beziehungsweise Pharmazeutischen Prüfung nach einem Praktischen Jahr an, erst dann dürfen sie die Approbation beantragen. Wer Volljurist werden will, muss sich zunächst im zweijährigen Vorbereitungsdienst der Praxis stellen, bevor er als Richter, Rechts- oder Staatsanwalt ins Berufsleben einsteigen kann (siehe auch Studienreportage „Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal“).

Wer sich für juristische beziehungsweise pharmazeutische Themen interessiert, aber keinen der genannten Berufe anstrebt, kann einen Bachelor-, Master- oder Diplomstudiengang mit entsprechender Ausrichtung wählen. „Pharmaziestudierende, die sich für eine Karriere in der Forschung entscheiden, können je nach Uni ihr Studium genauso mit einem Diplom beenden“, erklärt Dr. Gündel. Lebensmittelchemikern steht dieser Weg ebenfalls offen (siehe auch Berufsreportage „Pestiziden auf der Spur“). Und wem das zwölfsemestrige Studium und die mehrjährige Facharztausbildung der Humanmediziner zu lang ist, findet vielleicht in den Studiengängen Hebammenwissenschaft, Physiotherapie und Logopädie oder einer Berufsausbildung im Gesundheitswesen eine Alternative.

Auswahlkriterien recherchieren

Dr. Gündel rät, sich frühzeitig über die Bewerbungsmodalitäten zu informieren, um herauszufinden, wann man sich wo bewerben muss, und welche Kriterien die Chance auf eine Zusage erhöhen. Das kann die Gewichtung von Einzelnoten, eine einschlägige Berufsausbildung oder das Ergebnis von Studierfähigkeitstests sein. Bei Bewerbungen über das Internetportal hochschulstart.de kann zudem die Ortspräferenz ausschlaggebend sein: „Manche Hochschulen nehmen nur jene Bewerber, die ihre Einrichtung auf Platz 1 der Wunschliste gesetzt haben. Denn bei ihnen ist die Motivation, genau dort zu studieren, besonders hoch“, erklärt der Studienberater.

Bei zulassungsfreien oder örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen bewirbt man sich entweder an den Unis selbst oder, wenn diese am Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) teilnehmen, zunächst über hochschulstart.de und anschließend zusätzlich an den Unis. Bei den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen Human-, Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie werden die Plätze stets zentral über hochschulstart.de vergeben. 60 Prozent werden dabei von den Hochschulen selbst vergeben, daher spielen die oben genannten Kriterien auch bei diesem Verfahren eine Rolle. 40 Prozent der Studienplätze werden derzeit zur Hälfte an die Abiturbesten und über die Wartezeit verteilt.

2020 tritt zudem eine Neuregelung der Studienplatzvergabe für die Studiengänge Human-, Tier-, Zahnmedizin und Pharmazie in Kraft: Die Wartezeitquote wird abgeschafft, die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent erhöht und eine zusätzliche Eignungsquote eingeführt. Mehr über das neue Verfahren steht auf hochschulstart.de.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter u.a. Humanmedizin, Rechtswissenschaften).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter u.a. Humanmedizin, Rechtswissenschaften).
studienwahl.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

 

hochschulstart.de
Die Serviceplattform der Stiftung für Hochschulzulassung ist zwei großen Themenkomplexen gewidmet: Der Koordinierung von Bewerbungen für grundständige Studiengänge und der zentralen Vergabe von bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätzen. So werden im Auftrag der Bundesländer dort zentral die Studienplätze in Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie vergeben.
www.hochschulstart.de

 

Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungen (IMPP)
Das IMPP ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts. Als zentrale Einrichtung der Länder unterstützen fünf Fachbereiche mit etwa 50 Mitarbeitern die Landesprüfungsämter bei der Durchführung der bundeseinheitlichen schriftlichen Prüfungen nach den Approbationsordnungen für Ärzte und Apotheker sowie nach dem jeweiligen Landesprüfungsamt.
www.impp.de

 

Bundesärztekammer
Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung; sie vertritt die berufspolitischen Interessen der Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik Deutschland. Auf der Internetseite informiert die Kammer auch über Aus-, Weiter- und Fortbildungen.
www.bundesaerztekammer.de

 

Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd)
Die bvmd bildet den Zusammenschluss aller 38 medizinischen Fachschaften in Deutschland.
www.bvmd.de

 

Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD)
Der bundesweiten Interessenvertretung gehören alle 22 Pharmazie-Fachschaften Deutschlands an.
www.bphd.de

 

Bundesverband der Veterinärmedizinstudierenden Deutschland (bvvd)
Der bvvd setzt sich national und international für die Interessen der Studierenden ein und sorgt für die Weitergabe von Informationen zwischen den fünf deutschen Unistandorten.
www.bvvd.de

 

Bundesverband der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland (BdZM)
Der BdZM bildet die Dachorganisation der studentischen Fachschaften an allen 30 Standorten in Deutschland. Sein Anliegen es ist, die gemeinsamen Interessen und Anliegen aller etwa 15.000 Studierenden der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Deutschland gemeinsam zu vertreten.
www.bdzm.de

 

zahniportal
zahniportal ist ein Projekt des Bundesverbands der Zahnmedizinstudierenden in Deutschland mit Infos rund ums Zahnmedizinstudium.
www.zahniportal.de

 

Arbeitsgruppe Junge LebensmittelchemikerInnen (AG JLC)
Arbeitsgruppe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (LChG), einer Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Die AG JLC vertritt Studierende und Promovierende im Fach Lebensmittelchemie an den deutschen Hochschulen, Lebensmittelchemiker im Praktischen Jahr sowie Berufseinsteigende.
www.ag-jlc.de

 

Chemie studieren
Seite der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit Informationen unter anderem rund um den Studiengang Lebenmittelchemie.
www.chemie-studieren.org

 

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. (BRF)
Der BRF ist der Dachverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland. Er vertritt die hochschulpolitischen Interessen der juristischen Fachschaften in Deutschland und damit von über 110.000 Jurastudierenden in Deutschland gegenüber regionalen und überregionalen Institutionen.
www.brf.de

 

Humanmedizin studieren

Menschen ins Gleichgewicht bringen

Ärzte begleiten, bei Operationen zuschauen, Blut abnehmen: Anne-Sophie Beutler befindet sich im praxisnahen klinischen Teil ihres Medizinstudiums an der Uni Lübeck. Die 25-Jährige erzählt abi» von ihrer Motivation, den Herausforderungen und wie man sie erfolgreich meistern kann.

Sich mit Menschen beschäftigen, sie verstehen lernen und medizinische Lösungen für jene finden, die nicht im Gleichgewicht sind – das findet Anne-Sophie Beutler wahnsinnig spannend. Die 25-Jährige studiert im neunten Semester Humanmedizin und befindet sich damit im vorletzten Semester des klinischen Studienabschnitts, den sie an der Universität zu Lübeck absolviert. In dieser Zeit lernt sie die klinischen Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie und Kinderheilkunde in der Praxis kennen.

Besonders interessant findet sie ihre Famulaturen – vierwöchige Praktika – bei einem niedergelassenen Kinderarzt und einem niedergelassenen Dermatologen sowie die Blockpraktika im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Es ist ein spannender Rundumschlag: Man schaut bei Operationen zu, sieht die Entwicklung von Patienten, erfährt, warum ein Arzt sich für eine bestimmte Behandlung entschieden hat und kann selbst Aufgaben wie Blutabnahmen durchführen“, erzählt Anne-Sophie Beutler. Besonders faszinierend fand sie es, bei einer Geburt dabei sein zu dürfen. Außerdem beschäftigen sich die Lübecker Studierenden in Vorlesungen und Seminaren mit den klinischen Fächern sowie unter anderem mit Diagnosemethoden, mit der Arzt-Patienten-Kommunikation und mit Sozialmedizin.

Teilstudienplatz in Göttingen

Ein Porträt-Foto von Anne-Sophie Beutler

Anne-Sophie Beutler

Foto: privat

Die theoretischen Grundlagen erhielt die Medizinstudentin in der Vorklinik: „In diesen vier Semestern wird eine Basis geschaffen und man lernt grundlegende Zusammenhänge“, erklärt sie. Das erworbene Wissen, etwa in Anatomie, Biochemie und Physiologie, wird im sogenannten Physikum mündlich und schriftlich geprüft. Im schriftlichen Teil stellte sie sich an zwei Tagen insgesamt 320 Multiple-Choice-Aufgaben.

Anne-Sophie Beutler absolvierte ihre Vorklinik an der Georg-August-Universität in Göttingen. Nach ihrer Bewerbung bei hochschulstart.de erhielt sie einen Teilstudienplatz, die Zulassung war also auf diesen Abschnitt beschränkt. Eine Garantie auf einen Folgeplatz gibt es nicht. Diese Semester absolvierte sie daher ein wenig unter Druck, da noch unklar war, ob, wann und wo sie ihr Studium fortsetzen konnte. Dass sie nicht in Göttingen bleiben würde, war klar: Die Uni hat mehr vorklinische als klinische Kapazitäten. Die Studentin hatte Glück und erhielt nach nur einem Semester Wartezeit die Zulassung für die Klinik an der Uni Lübeck.

100 Tage lernen

Bald endet für sie der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und es folgt das Praktische Jahr. Im Anschluss daran kann sie nach bestandenem Dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung die Approbation beantragen – die Voraussetzung für die mehrjährige Facharztausbildung. Ihr favorisiertes Gebiet ist die Allgemeinmedizin. Zunächst wird sie sich erneut 320 Aufgaben stellen müssen. Und spätestens 100 Tage vorher mit dem Lernen anfangen: „Es gibt Lernpläne, die nach Themen aufgegliedert sind und die tageweise in Blöcken abgearbeitet werden. So ist gesichert, dass man auch wirklich alle relevanten Bereiche durchgeht.“

In den Prüfungsphasen sei es wichtig, sich mit Menschen zu umgeben, die das Gleiche durchmachen. Zum gemeinsamen Lernen – und um sich gegenseitig zu motivieren: „Dabei entstehen ganz tiefe, enge Freundschaften“, weiß Anne-Sophie Beutler aus Erfahrung.

 

Rechtswissenschaft

Mit Ziegelsteinen in den Hörsaal

Anwalt für Immobilienrecht – das ist das Berufsziel von Felix Grözinger. Das lern- und arbeitsintensive Jurastudium an der Universität Augsburg ebnet dem 21-Jährigen den Weg zum „Volljuristen“.

Mehr als 4.500 Seiten zwischen roten Buchdeckeln – kein Wunder, dass die juristischen Standardwerke „Deutsche Gesetze“ und „Verfassungs- und Verwaltungsgesetze“ auch „Ziegelsteine“ genannt werden. Oder, nach ihren Begründern, schlicht „der Schönfelder“ und „der Sartorius“. „Die Bücher schleppen wir in der Uni immer mit uns herum“, sagt Felix Grözinger. Und da der 21-Jährige an der Uni Augsburg studiert, dürfen in Vorlesungen, Tutorien, Übungen, Fallbesprechungen und Prüfungsvorbereitungen zudem die „Gesetze des Freistaats Bayern“ nicht fehlen.

Lösung juristischer Fälle

Seit dem dritten Semester ist diese Fachliteratur sein steter Begleiter. In den ersten zwei Semestern des Grundstudiums, in dem Basiswissen in Zivil-, Straf- und Öffentlichem Recht vermittelt wurde, genügten kleine Textausgaben. Natürlich könne man die Gesetze auch online finden, sagt Grözinger. Er ziehe es aber vor, „analog“ in den Sammlungen zu lesen. Denn bei den Klausuren stehen den Studierenden ebenfalls nur die Bücher zur Verfügung. „Bei denen weiß ich in etwa, wo was steht und finde die entsprechenden Passagen schneller.“ Klausuren schreibt Felix Grözinger viele. In den Vorlesungsabschlussklausuren hat er sich bereits mit der Lösung juristischer Fälle beschäftigt. Dabei und bei den Fallbesprechungen lernen die Studierenden unter anderem auch, Texte im Gutachterstil zu verfassen. Und sie erhalten Einblicke in die praktische Rechtsanwendung, die durch Praktika bei einem Gericht oder in einer Verwaltungsbehörde vertieft werden. Praxiserfahrung sammelt Felix Grözinger zudem bei seinem Job in einer Wirtschaftskanzlei. Außerdem ist er Leiter des Teams Mietrecht der Law Clinic, einer Studenten-Initiative: Dort berät er sozial schwache Mieter, wenn etwa eine Nebenkostenabrechnung fehlerhaft ist oder sie eine Eigenbedarfskündigung erhalten haben.

Lange Vorbereitung

Ein Porträt-Foto von Felix Grözinger

Felix Grözinger

Foto: privat

Vier Klausuren sind in den ersten Uni-Jahren besonders wichtig: Sie sind Teil der Zwischenprüfung, die bis zum sechsten Semester bestanden sein müssen. Felix Grözinger hat bereits alle erfolgreich hinter sich gebracht. Nun beschäftigt er sich mit seinem Schwerpunktbereich „Gesellschafts-, Bank- und Kapitalmarktrecht“, der Gegenstand seiner Juristischen Uniprüfung sein wird. Diese ist Teil der Ersten Juristischen Prüfung, auf die er sich eineinhalb Jahre vorbereiten und dafür an einem Repetitorium teilnehmen wird, welches die Studierenden kurz „Rep“ nennen. Diese meist kommerziellen Wiederholungskurse helfen beim systematischen Lernen. Obwohl es nicht gerade billig ist, entschied Felix Grözinger sich für das „Rep“ eines privaten Anbieters, um bei der Fülle an Stoff nicht den Überblick zu verlieren.

Berufsziel Rechtsanwalt

Anschließend beginnt sein Vorbereitungsdienst, dem die Zweite juristische Prüfung folgt. Nach Bestehen kann er von der zuständigen Kammer eine Zulassung als Rechtsanwalt erhalten. Dann will er sich bei Kanzleien bewerben, die auf Immobilienrecht spezialisiert sind. Bei der Bewerbung werde sicherlich auch die Abschlussnote eine Rolle spielen: „Da wird durchaus ein Prädikatsexamen gefordert.“ In Bayern spricht man von einem „Prädikat“ bei der Note „befriedigend“, von einem „Großen Prädikat“ ab „vollbefriedigend“ und besser. Die Note „sehr gut“ bekommt, wer mindestens 16 von 18 zu erreichenden Punkten erhält – das schaffe aber so gut wie niemand, sagt Felix Grözinger. 2018 waren es in Bayern bei der Zweiten Juristischen Staatsprüfung nur drei von 1.666 Teilnehmern – gerade einmal 0,18 Prozent.

 

Lebensmittelchemiker

Pestiziden auf der Spur

Chemisches Verständnis, analytische Fähigkeiten und detektivisches Gespür braucht Dr. Sören Meyer für seine Arbeit als Lebensmittelchemiker. Der 34-Jährige ist in einem Labor der Eurofins Dr. Specht Laboratorien GmbH in Hamburg beschäftigt und untersucht dort Produkte auf Pestizidrückstände.

Seit knapp eineinhalb Jahren arbeitet der staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker Dr. Sören Meyer bei dem international agierenden Handelslabor, das sich auf die Analytik von Pestiziden spezialisiert hat, unter anderem in Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Tee und Kräutern sowie Babynahrung. Mit modernster Analysetechnik und Spürsinn geht der 34-Jährige der Konzentration von Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln auf den Grund, die Kunden zur Analyse einreichen.

Labor, Messtechnik, Kontrolle

Ein Porträt-Foto von Dr. Sören Meyer

Dr. Sören Meyer

Foto: Sebastian Schöl

Soll er für einen Kunden beispielsweise Äpfel untersuchen, stellt er dem Labor mehrere davon als Probe zur Verfügung. „Diese werden von den Laboranten zu einer flüssigen Lösung aufgearbeitet, die in Messgeräte eingespritzt wird“, erklärt Sören Meyer. Die Apparaturen liefern Diagramme, in denen Peaks, also signifikante Werte des zu bestimmenden Stoffs, verzeichnet sind. Die Messtechniker gleichen die Werte mit denen von Vergleichslösungen ab und berechnen die Konzentration. Der Lebensmittelchemiker beurteilt die Ergebnisse nach ihrer Plausibilität, indem er sie beispielsweise in Datenbanken mit Werten ähnlicher Analysen vergleicht. „Wir müssen entscheiden, ob es sich bei den Peaks wirklich um das gesuchte Pestizid handelt. Eventuell enthielt der Extrakt zu viele störende Begleitstoffe, die zu sogenannten Fremdpeaks führen können.“ Wenn er ein Ergebnis für plausibel erklärt, verfasst er einen Bericht für die Kundenberater. Wenn nicht, kommen weitere Methoden zur Überprüfung und Klärung zum Einsatz: „Dabei kommt die gesamte analytische Bandbreite ins Spiel.“

Stippvisiten im Labor

90 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Sören Meyer am Computer. Im gleichen Büro wie er arbeiten noch fünf Kollegen. Den Laborräumen stattet er lediglich Stippvisiten ab, wenn es Nachfragen gibt, oder um schnell zu erledigende Aufgaben selbst durchzuführen. Im Gegensatz dazu verbrachte Sören Meyer im Studium, das er an der Uni Münster absolvierte, viel mehr Zeit im Labor.

Staatsexamen oder Bachelor-Master

Neben dem Staatsexamen kann Lebensmittelchemie ebenso im Bachelor-Master-Programm studiert werden. Mit dem Master ist es möglich, direkt ins Berufsleben einzusteigen, was Sören Meyer als Vorteil sieht. Er rät jedoch dazu, das Praktische Jahr (PJ) zu absolvieren, dem der Dritte Prüfungsabschnitt folgt. Im PJ wird sich intensiv mit juristischen Aspekten beschäftigt: „Man lernt, Gesetzestexte zu lesen, herauszufinden, wann eine Probe verkehrsfähig ist – also verkauft werden darf, und Gutachten zu verfassen.“ Und diese Fähigkeiten und Kenntnisse seien gleichermaßen in der freien Wirtschaft gefragt.

Nachdem er zunächst promoviert und als Postdoktorand an der Uni Potsdam gearbeitet hatte, entschied Sören Meyer sich schließlich für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft. „Ich hatte überlegt, auf der wissenschaftlichen Schiene zu bleiben“, sagt er. Da es aber ohne Professur fast nur befristete Stellen gebe, schlug er einen anderen Karriereweg ein. Die richtige Entscheidung, denn die „Detektivarbeit“, wie er es nennt, macht ihm Spaß: „Die Technik kann zwar viel – aber wir kommen immer wieder an Punkte, an denen wir überlegen müssen, wie wir die ermittelten Messergebnisse überprüfen können. Man muss querdenken und mithilfe der erhobenen Daten, aber auch unserer Erfahrung, unserem Wissen und detektivischem Gespür Wege finden, das Ergebnis ein Stück sicherer zu machen.“

 

Steckbriefe

Staatsexamen in sechs Fachbereichen

Verschiedene Fachbereichen erfordern eine Staatsexamensprüfung. abi» hat die Steckbriefe von sechs solcher Fachbereiche verglichen.

Humanmedizin

geregelt durch die Approbationsordnung für Ärzte
Regelstudienzeit: 12 Semester

Zulassung: bundesweit zulassungsbeschränkt, Vergabe über hochschulstart.de, weiteres Kriterium u. U. einschlägige Berufsausbildungen, manche Hochschulen führen Auswahlgespräche durch

Aufbau:
1. bis 4. Semester: Vorklinik
5. bis 10. Semester: Klinik
11. und 12. Semester: Praktisches Jahr (PJ)

Famulaturen: ein Monat in der ambulanten Krankenversorgung, zweiMonate in einem Krankenhaus oder einer stationären Rehabilitationseinrichtung, ein Monat in der hausärztlichen Versorgung

Weitere Pflichtleistungen: Ausbildung in Erster Hilfe, dreimonatiger Krankenpflegedienst im Krankenhaus oder einer Rehabilitationseinrichtung

Ärztliche Prüfung:
Erster Abschnitt nach der Vorklinik („Physikum“): 320 Multiple-Choice-Aufgaben (MC-Aufgaben) und mündliche Prüfung
Zweiter Abschnitt nach der Klinik: 320 MC-Aufgaben
Dritter Abschnitt nach dem PJ: mündlich-praktische Prüfungen

Approbation und Facharztausbildung: nach Drittem Abschnitt der Ärztlichen Prüfung kann die Approbation beantragt werden (Genehmigung zur Berufsausübung). Voraussetzung für die mehrjährige Weiterbildung zum Facharzt.

Modellstudiengänge:
Humanmedizin kann auch als Modellstudiengang studiert werden, zum Beispiel in Berlin und Hamburg (Zulassung ebenfalls über hochschulstart.de). Den Studienaufbau gestalten die Hochschulen individuell. Er ist nicht in Vorklinik und Klinik unterteilt, sondern meist in Blöcke und Module gegliedert.

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Human-,Tier- und Zahnmedizin auf studienwahl.de.

Rechtswissenschaft

geregelt durch die Juristischen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der Bundesländer (JAPO)
Regelstudienzeit: 9 Semester

Zulassung: teilweise örtlich zulassungsbeschränkt („Numerus Clausus“), Bewerbung bei der Hochschule oder über das Dialogorientierte Serviceverfahren von hochschulstart.de

Aufbau:
1. bis 4. Semester: Grundstudium
5. bis 9. Semester: Hauptstudium

Vorbereitungsdienst/Rechtsreferendariat: ungefähr zwei Jahre

Praktika: drei Monate in Justiz, Verwaltung und Rechtsanwaltschaft

Prüfungen:
Zwischenprüfungen in Zivilrecht, Öffentlichem Recht und Strafrecht
Erste Juristische Prüfung: 5 bis 7 Klausuren und eine mündliche Prüfung
Zweite Juristische Prüfung (Assessorprüfung): 7 bis 11 Klausuren und eine mündliche Prüfung

Kombinationsstudiengänge:
Rechtswissenschaft kann auch als Kombinationsstudiengang studiert werden, zum Beispiel an der Universität Mannheim. Im Kombinatonsstudiengang Unternehmensjurist/in erwerben die Absolventen nach sechs Semestern zunächst einen Bachelor of Laws und studieren im weiteren Verlauf auf das Staatsexamen hin.

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Rechtswissenschaft auf studienwahl.de.

Zahnmedizin

geregelt durch die Approbationsordnung für Zahnärzte
Regelstudienzeit: 9 bis 11 Semester

Zulassung: bundesweit zulassungsbeschränkt, Vergabe über hochschulstart.de, weitere Kriterien u. U. Einzelnoten und einschlägige Berufsausbildungen, manche Hochschulen führen Auswahlgespräche durch

Aufbau:
1. bis 5. Semester: Vorklinik
6. bis 10. Semester: Klinik

Prüfungen:
Naturwissenschaftliche Vorprüfung („Vorphysikum“): mündliche Prüfungen
Zahnärztliche Vorprüfung („Physikum“): mündliche Prüfungen
Zahnärztliche Prüfung: mündliche Prüfungen

Approbation: nach bestandener Zahnärztlicher Prüfung kann die Approbation, also die Genehmigung zur Berufsausübung, beantragt werden

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Human-,Tier- und Zahnmedizin auf studienwahl.de.

Tiermedizin/Verterinärmedizin

geregelt durch die Approbationsordnung für Tierärzte
Regelstudienzeit: 11 Semester

Zulassung: bundesweit zulassungsbeschränkt, Vergabe über hochschulstart.de, weitere Kriterien u. U. Ortspräferenzen, Ergebnis eines Tests, Einzelnoten in bestimmten Schulfächern und/oder einschlägige Berufsausbildungen

Aufbau:
1. bis 4. Semester: Vorklinik
5. bis 11. Semester: Klinik

Prüfungen:
Naturwissenschaftlicher Abschnitt der Tierärztlichen Vorprüfung (Vorphysikum) nach 1. oder 2. Semester
Anatomisch-physiologischer Abschnitt der Tierärztlichen Vorprüfung (Physikum) nach 4. Semester
Tierärztliche Prüfung: mündlich, schriftlich und Multiple-Choice studienbegleitend ab 5. Semester

Praktische Ausbildung: in Landwirtschaft, Tierzucht, Tierhaltung, tierärztlicher Praxis bzw. Tierklinik, Hygienekontrolle und Lebensmittelüberwachung/-untersuchung, öffentliches Veterinärwesen

Approbation: nach bestandener Tierärztlicher Prüfung kann die Approbation, also die Genehmigung zur Berufsausübung, beantragt werden

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Human-,Tier- und Zahnmedizin auf studienwahl.de.

Pharmazie

geregelt durch die Approbationsordnung für Apotheker
Regelstudienzeit: 8 Semester

Zulassung: bundesweit zulassungsbeschränkt, Vergabe über hochschulstart.de, weitere Kriterien u. U. Einzelnoten in bestimmten Schulfächern, eine pharmazienahe Berufsausbildung bzw. Berufstätigkeit, manche Hochschulen führen Auswahlgespräche durch

Aufbau:
1. bis 4. Semester: Erster Studienabschnitt
5. bis 8. Semester: Zweiter Studienabschnitt

Praktische Ausbildung: z. T. in öffentlicher Apotheke, in einer Krankenhaus- oder Bundeswehrapotheke, in der Pharmaindustrie, in einem Universitätsinstitut oder anderen wissenschaftlichen Institutionen oder in einer Arzneimitteluntersuchungsstelle

Famulaturen: mind. ein Monat in einer öffentlichen Apotheke, übrige Zeit in einer Krankenhaus- oder Bundeswehrapotheke, in der Pharmaindustrie oder in einer Arzneimitteluntersuchungsstelle

Pharmazeutische Prüfung:
Erster Abschnitt nach 4. Semester: insgesamt 320 Multiple-Choice-Aufgaben (MC-Aufgaben)
Zweiter Abschnitt nach 8. Semester: mündliche Prüfungen
Dritter Abschnitt nach dem Praktischen Jahr (PJ): mündliche Prüfungen

Approbation: nach bestandenen Pharmazeutischen Prüfungen kann die Approbation, also die Genehmigung zur Berufsausübung, beantragt werden

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Chemie, Pharmazie auf studienwahl.de.

Lebensmittelchemie

geregelt durch inhaltlich vergleichbare Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der Bundesländer
Regelstudienzeit: 9 Semester

Zulassung: grundsätzlich zulassungsbeschränkt („Numerus Clausus“) an allen Universitäten, Bewerbung bei der Hochschule, Vergabe nach hochschuleigenen Auswahlverfahren

Aufbau:
1. bis 4. Semester: Grundstudium
5. bis 9. Semester: Hauptstudium

Berufspraktisches Jahr: Praktikum in einem Staatlichen Untersuchungsamt

Prüfungen:
Erster Abschnitt nach Grundstudium: mündliche Prüfungen
Zweiter Abschnitt nach Hauptstudium („Erstes Staatsexamen“): mündliche Prüfungen
Dritter Abschnitt nach berufspraktischem Jahr (Zweites Staatsexamen"): mündliche Prüfungen

Bachelor-Master-Studiengänge
Die Studien- und Prüfungsinhalte sind bundesweit in den Bachelor-/Master-Programmen weitgehend identisch und verteilen sich auf ein sechssemestriges Masterstudium, das eine sechsmonatige Masterarbeit als Prüfungsbestandteil einschließt. Als wesentlicher Unterschied zum Staatsexamensstudiengang werden die Prüfungen mündlich oder schriftlich studienbegleitend zu jedem Veranstaltungsmodul und nicht am Ende der jeweiligen Studienabschnite abgenommen. Der Abschluss mit einem Master of Science" wird als Zweiter Prüfungsabschnitt der Staatsprfung anerkannt.

Für mehr Informationen siehe das Studienfeld Chemie, Pharmazie auf studienwahl.de.


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Stand: 16.11.2019