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Hochschularten – Interview

„Die Grenzen sind inzwischen fließend“

Christian Tauch, stellvertretender Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), erläutert im Interview mit abi >> die wichtigsten Unterschiede zwischen Universität und Fachhochschule. Als Leiter des Arbeitsbereichs Bildung hat er außerdem Tipps für die Wahl der passenden Hochschule.

Studentin sitzt in der Uni und lernt

Universität ist nicht gleich Fachhochschule. Sowohl bei der Auswahl der Hochschule als auch des Studiengangs gibt es vieles zu beachten. abi>> fasst das Wichtigste zusammen.

abi» Worauf sollten Studieninteressierte bei der Wahl ihrer Hochschule achten?

Christian Tauch: In erster Linie sollte der Studiengang sowie die Situation in den Fächern entscheidend sein. Es gibt heute viele Tests, die Studienbewerbern Klarheit über die eigenen Interessen und Fähigkeiten vermitteln. Hierzu zählt etwa der Studien-Interessentest, den die HRK auf der Seite des Hochschulkompasses anbietet, aber auch viele Hochschulen bieten auf ihren Websites Tests an. (Sehr empfehlenswert ist auch das Selbsterkundungstool „Check-U“ der Bundesagentur für Arbeit, Anm. d. Red.)

Übergreifend spielt natürlich das allgemeine Profil der Hochschule eine Rolle: Wie ist ihr Selbstverständnis, werden Aspekte wie internationaler Austausch besonders gefördert, gibt es Mentorenprogramme oder ähnliches?

abi» Worin unterscheiden sich Universitäten und Fachhochschulen?

Christian Tauch: Die Grenzen zwischen den Hochschularten sind heute fließend; die Hochschullandschaft ist deutlich vielfältiger als etwa bei Entstehung der Fachhochschulen vor 50 Jahren. Der Schwerpunkt der Fachhochschulen, die heute überwiegend „Hochschulen für Angewandte Wissenschaften“ heißen, liegt weiterhin auf der Lehre, deshalb haben die FH-Professorinnen und Professoren auch ein höheres „Lehrdeputat“, können also weniger Zeit in die Forschung investieren als ihre Kolleginnen und Kollegen an den Universitäten. Die Fächerschwerpunkte an den Fachhochschulen liegen bislang vor allem in den Ingenieur-, Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften, in der Sozialen Arbeit und im Design.

Christian Tauch

abi» Wie haben sich die verschiedenen Hochschularten seit der Europäischen Studienreform (Bologna) entwickelt?

Christian Tauch: Der Diplomabschluss einer Fachhochschule war ausdrücklich mit (FH) gekennzeichnet. Bachelor wie Master dagegen weisen die Hochschulart in der Abschlussbezeichnung nicht aus – ein sichtbares Zeichen ihrer Anerkennung als gleichwertig. Die Diplomstudiengänge waren lange Zeit deutlich kürzer als die der Universitäten.

Auch seit der Studienreform gibt es wieder erkennbare Unterschiede, was die Regelstudienzeiten angeht. Tendenziell sind die Bachelorstudiengänge an Fachhochschulen/HAW wegen der Praxisanteile länger (mehr als die Hälfte haben eine Regelstudienzeit von sieben Semestern) und ihr Anteil ist im Vergleich zu den Masterangeboten größer als an den Universitäten.

abi» Welchen Trend beobachten Sie derzeit? 

Christian Tauch: Die Studierendenschaft wird immer vielfältiger und das Studienangebot entwickelt sich mit. Ein differenziertes Bildungsangebot ist noch wichtiger geworden. Die Nachfrage nach Teilzeitstudiengängen, die mit Berufstätigkeit, Kinderbetreuung oder Pflege kompatibel sind, wächst. Es gibt heute mehr Studierende mit multikulturellem Hintergrund oder solche mit Berufserfahrung – mit oder ohne Abitur. Der Bedarf an wissenschaftsbasierten Bildungsangeboten mit Praxisnähe ist gestiegen. Beispielsweise sind die Pflegeberufe heute so anspruchsvoll, dass in diesem Feld neue Studienangebote an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften entstanden sind.  

abi» Welche Entwicklungen sind für die Zukunft zu erwarten? Wird es zum Beispiel einen neuen Hochschultyp geben?

Christian Tauch: Entwicklungen wird es wohl eher innerhalb der bestehenden Strukturen geben: Wie entwickeln sich die digitalen Anteile im Studium, wie kann das Studienangebot besser auf die diversen Studierendengruppen angepasst werden, wie sieht künftig eine moderne Hochschule auch baulich aus – bei  weniger großen Vorlesungen, aber viel Gruppenarbeit und kleinen Seminar- und Arbeitsgruppen?

Stand: 20.05.2021

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