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Au-Pair: Im Lockdown in Irland

Neun Monate lang war Isabelle (19) als Au-pair in Irland. Während sie das Land und die Kultur erkundete, konnte sie gleichzeitig ihr Englisch verbessern.

Der Innenhof von Kilkenny Castle. (Foto: Manuela Meier)

„Ich habe noch nie so viel Smalltalk mit Fremden gemacht wie in Irland“, erzählt Isabelle, „überall wird man auf der Straße gegrüßt und freundlich angelächelt.“ Die positive Mentalität und ihre Gastfamilie sorgten dafür, dass sie sich in dem Land sehr wohlgefühlt hat – auch wenn die Voraussetzungen eigentlich schwierig waren: Sie kam im Januar 2021 nach Irland, kurz bevor dort ein sehr strenger Lockdown begann. „Man durfte sich nur zwei Kilometer vom eigenen Haus entfernen “, berichtet sie, „deswegen bin ich am Anfang in meiner Freizeit sehr viel spazieren gegangen.“ 

Der Sohn ihrer Gastfamilie war sieben Jahre alt und besuchte die Grundschule. Aufgrund des Lockdowns fand sein Unterricht größtenteils online statt. „Darum haben sich aber die Gasteltern gekümmert“, erzählt Isabelle. Ihr Arbeitstag mit dem Jungen begann dann um ein Uhr nachmittags, nach dem Unterricht, mit mindestens einer Stunde an der frischen Luft bevor es wieder rein und an die Hausaufgaben ging.

Außerdem sollte sie mit ihrem Schützling jeden Tag eine halbe Stunde Deutsch lernen, wofür sie selbst Karteikarten bastelte. Neben Deutsch lernte Isabelle mit ihm aber auch noch mit einer Sprachlern-App die Landessprache: „Wir haben täglich zusammen mit Duolingo Gälisch gelernt“, erzählt Isabelle. Die Iren lernen Gälisch eigentlich schon in der Grundschule, durch den Online Unterricht ist das aber leider weggefallen.“

Der Weg ins Ausland

Porträt von Isabelle Andres. (Foto: privat) Porträt von Isabelle Andres. (Foto: privat)

„Mir war die ganze Zeit bewusst, dass ich nach der Schule erst ein Jahr pausieren will, weil ich das Abitur schon mit 17 gemacht habe“, erklärt Isabelle. Während ihrer Schulzeit engagierte sie sich als ausgebildete Gruppenleiterin in einer Jugendgruppe. Deshalb war es für sie kein großer Schritt zum Au-pair. Wichtig war ihr vor allem, die fremde Kultur richtig kennen zu lernen und nicht nur von außen zu erleben, wie es etwa bei Work & Travel oder als Tourist*in der Fall ist: „Ich wollte die ganze Zeit Englisch um mich herum haben und das Land erkunden“, erzählt sie. Die Entscheidung für Irland fiel aber erst relativ spät. Ihr anfänglicher Plan war es, in Neuseeland einen Platz zu suchen, aber wegen der Corona Pandemie entschied sie sich, in der EU zu bleiben.

Für ihre Bewerbung musste sie einige Unterlagen einreichen, etwa ein Führungszeugnis, ein Nachweis ihrer Krankenversicherung und ein allgemeines Attest über ihren Gesundheitszustand. Ihre Entsendeorganisation kulturist wollte außerdem zwei Fotos, eine Charakter- und eine Kinderbetreuungsreferenz. „Mir wurde genau gesagt, was ich wann abgeben muss. Das wurde dann gebündelt hochgeladen.“ Anschließend bekam sie Steckbriefe von mehreren Familien zugeschickt und führte mit ihnen Videochats. Glücklicherweise war die Familie, die Isabelle am sympathischsten fand, auch von ihr begeistert – sie hatte ihr „Match“ gefunden.

Wochenendtrips durch Irland

Durch Gruppen in sozialen Medien fand sie in Irland schnell neue Freundinnen und Freunde, die als Au-pair in der Nähe waren. Bis im April der Lockdown endete, konnte sie sich mit ihnen nur online oder in der direkten Umgebung treffen. Nachdem die Beschränkungen gelockert wurden, machten sie zusammen Wochenendtrips durch ganz Irland. „Wir waren jedes Wochenende in Gruppen unterwegs und bei keinem unserer Ausflüge hatten wir schlechtes Wetter“, freut sich Isabelle. Außerdem besuchte sie einmal wöchentlich einen Englisch-Sprachkurs.

Ihre Wochenendreisen hat sie sich selbst finanziert, das einzige was ihre Eltern für sie gezahlt haben, waren Hin- und Rückflug. Während ihrer Tätigkeit als Au-pair erhielt sie wöchentlich 120 Euro von der Gastfamilie, für Essen und Unterkunft musste sie nichts bezahlen

Auf die Frage, wie sie die Zeit als Au-pair erlebt hat, meint Isabelle: „Ich würde sagen, das war bisher die beste Zeit meines Lebens.“ Sie kann einen Au-pair-Aufenthalt auf jeden Fall empfehlen. „Man sollte aber gerne Zeit mit Kindern verbringen“, rät sie, „denn den Hauptanteil der Zeit verbringt man damit, sich um die Gastkinder zu kümmern.“ Und war Heimweh ein Problem? Zuerst sei es ungewohnt, alleine in einem fremden Land und einer fremden Familie zu sein, erinnert sich Isabelle. Aber bald hatte sie das Gefühl, eine zweite Familie hinzugewonnen zu haben.

Auch für ihr Studium hat ihr die Zeit in Irland viel gebracht. Sie studiert jetzt Umweltwissenschaften in Lüneburg, ein Studiengang in dem viele Module auf Englisch sind. Und eventuell wird sie demnächst wieder neue Erfahrungen in einem fremden Land sammeln: „Vielleicht mache ich ja noch ein Auslandssemester, überlegt Isabelle.

Weitere Informationen

kulturist

Die Entsendeorganisation kulturist vermittelt Au-pair und Sprachtutor Stellen sowie Angebote zu Freiwilligendiensten und Work & Travel.

kulturist.com