Durchblick im Datendschungel

Ein junger Mann bearbeitet Daten in einer Datenbank am Computer.
Informationsmanager behalten den Überblick im Datendschungel. Wer sich für das Studium interessiert, sollte ein Faible für Mathe und Technik haben.
Foto: Hildebrand

Informationsmanagement studieren

Durchblick im Datendschungel

Informatik, Mathematik, Wirtschaft, dazu Bibliothekswesen, Gesundheitswissenschaften oder Finanzen – Studiengänge des Informationsmanagements sind vielfältig. Absolventen können sich laut dem Digitalverband Bitkom über attraktive Chancen am Arbeitsmarkt freuen.

Was haben eine Klinik, ein Unternehmen und eine Bibliothek gemeinsam? Richtig, für einen reibungslosen Ablauf sind sie alle von der korrekten Verarbeitung und Verwaltung von Informationen abhängig. In der Klinik können Ärzte, Pflegepersonal und Verwaltung die Daten jedes einzelnen Patienten jederzeit an PC und Tablet abrufen. Unternehmen organisieren mithilfe ihres IT-Systems sowohl ihre Finanzen als auch die Produktion, über alle Abteilungen hinweg. Und in der Bibliothek behalten der Nutzer und das Personal dank spezieller Software den Überblick über sämtliche Medien.

Dafür, dass die korrekten Daten an der richtigen Stelle zu finden sind, sind Informationsmanager zuständig. Rund 85 grundständige und weiterführende Studiengänge in Deutschland beschäftigen sich mit den verschiedenen Aspekten dieses Teilbereichs der IT.

Affin für Technik, Wirtschaft und Kultur

Porträtbild von Juliane Petrich

Juliane Petrich

Foto: Till Budde / Bitkom e.V.

Wer sich für dieses Studienfeld interessiert, sollte natürlich eine Affinität für Computer und Technik mitbringen. Das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge ist aber ebenso wichtig, betont Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Digitalverband Bitkom: „Studierende lernen, große Informationsmengen zu managen und technisch beherrschbar zu machen, um IT-Systeme und -Abläufe in Unternehmen zu entwerfen, zu realisieren und einzuführen.“ Unverzichtbar dafür ist die Mathematik. Ein Großteil der Vorlesungen zu Beginn des Studiums bezieht sich auf mathematische Modelle. Daher sollten sich Studienanfänger unbedingt für Zahlen begeistern sowie Spaß am logischen und analytischen Denken haben.

Informationstechniker arbeiten häufig in interkulturellen Teams und haben im Beruf nicht nur mit IT-Fachkräften zu tun. Sie müssen ihre Produkte daher so konzipieren, dass sie von Kollegen und Nutzern weltweit verstanden werden. „Eine zentrale Aufgabe von Informationsmanagern ist es, zwischen Technik und Mensch zu übersetzen. Wer in den Bereich einsteigen möchte, sollte also unbedingt team- und kommunikationsfähig sein und gut Englisch sprechen“, betont Juliane Petrich. Auch ein hohes Maß an Flexibilität sei erforderlich. Denn die Zeit der digitalen Transformation ist von sehr schnellen Umbrüchen geprägt – Informationsmanager müssen sich immer wieder auf neue Technologien einstellen.

Fachkräftemangel – über alle Branchen hinweg

Studiengänge dieses Bereichs sind also interdisziplinär ausgerichtet. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit ganz unterschiedlichen Themen wie Gesundheit, Kommunikation oder Sozialwissenschaften. „Nach dem Grundlagenstudium haben Informationsmanager vielfältige Spezialisierungsmöglichkeiten. Wer sich für Gesundheitsthemen interessiert, kann beispielsweise einen Studiengang im Bereich eHealth wählen. Wer eine Affinität zur Versicherungsbranche hat, kann in den Finanzbereich einsteigen. Auch möglich sind Studiengänge wie ‚Bibliotheks- und Informationswissenschaft‘ oder ‚Geoinformatik/Management‘“, zählt Juliane Petrich auf.

Je nach Schwerpunkt eröffnen sich Absolventen später zahlreiche Aufgabenbereiche in den unterschiedlichsten Branchen. „Informationstechniker werden zum Beispiel in Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen gesucht, aber auch in Softwarehäusern, Verlagen oder Bibliotheken sowie in der Multimediabranche und im Öffentlichen Dienst“, sagt Juliane Petrich. „Viele Wirtschaftskonzerne, NGOs und Medieneinrichtungen schreiben derzeit zum Beispiel Stellen für ‚Chief Information Officer‘ aus, die von Absolventen von Studiengängen des Informationsmanagements besetzt werden können.“

Die Arbeitsmarktperspektiven schätzt die Expertin aufgrund des aktuellen Fachkräftemangels in allen Bereichen als sehr gut ein: „Überall wird händeringend nach IT-Experten gesucht, derzeit gibt es insgesamt 55.000 offene Stellen. Die große Nachfrage wird im Zuge der Digitalisierung quer durch alle Branchen weiter zunehmen“, ist sie sich sicher.

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Informationsmanagement, Informationsmanager/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Informationsmanagement, Data Management, Data Science)

www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du in den Teilberufsfeldern „IT-Administration und Koordination“ oder „Hard- und Softwareentwicklung“.

www.berufsfeld-info.de/abi

Digitalverband Bitkom

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. vertritt gegenüber der Politik die Interessen von mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Telekommunikation, Internet, Recht, Hard- und Software sowie Wirtschaft sind Themen des Verbandes.

www.bitkom.org

Deutscher Verband für Dokumentation und Informationsmanagement in der Medizin

www.dvmd.de

Berufsverband Information Bibliothek e.V.

www.bib-info.de

Ausschuss für Informationsmanagement (AIM)

Teil des Verbandes Kommunaler Unternehmen

www.vku.de/verband/struktur/gremien/energie/ausschuss-fuer-informationsmanagement-aim/

 

Internationales Informationsmanagement

Infos global verständlich machen

Von Informations- bis Sprachwissenschaften und von BWL bis Psychologie: Marisa Bruhin (22) verbindet in ihrem Bachelorstudiengang „Internationales Informationsmanagement“ unterschiedliche Disziplinen miteinander. Das übergeordnete Ziel ist es, die Kommunikation zwischen verschiedenen Sprachräumen und Kulturen zu gestalten und zu verbessern.

Seit Marisa Bruhin zu Schulzeiten Kontakt zu Austauschschülern aus Nicaragua hatte, interessiert sie sich für interkulturelle Begegnungen. Kein Wunder also, dass sie nach dem Abitur und einem Au-pair-Aufenthalt der Bachelor „Internationales Informationsmanagement (Informationswissenschaft und Interkulturelle Kommunikation)“ an der Universität Hildesheim direkt ansprach. In diesem geht es zum einen darum, wie mehrsprachige und interkulturelle Kommunikation funktioniert, andererseits darum, wie dementsprechend Informationen in sozialen Medien, auf Benutzeroberflächen wie Websites oder im Bereich Marketing eingesetzt werden können.

Beim Informationstag der Uni hakte sie persönlich bei einem Dozenten nach, dann war für sie klar, dass sie diesen Weg wählen wollte: „Im Berufsleben wird es immer wichtiger, interkulturell aufgestellt zu sein. Der Studiengang bietet die Möglichkeit, in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern und sich dann je nach persönlichen Interessen zu spezialisieren“, erklärt sie ihre Entscheidung. Der Studiengang ist nicht zulassungsbeschränkt, weshalb sich die heute 22-Jährige einfach einschreiben konnte.

Wie wirken Sprache und Farbe?

Ein Porträtbild von Marisa Bruhin

Marisa Bruhin

Foto: privat

Los ging das Studium mit einigen Einführungsveranstaltungen, etwa in ihren Nebenfächern BWL und Psychologie. Im Fach Informationswissenschaft erlernte sie unter anderem die Programmiersprache Java und beschäftigte sich mit der Benutzerfreundlichkeit von Oberflächen. „Wir haben fachfremde Studierende verschiedene Internetseiten nutzen lassen und getestet, welche Schwierigkeiten sich ergeben und wie sich die Websites besser gestalten lassen“, berichtet sie. Hier spielte auch das Thema der kulturellen Unterschiede hinein: „Bei der Gestaltung von Internetseiten spielt etwa die Farbwahl eine wichtige Rolle, denn eine Farbe wie Rot kann je nach kultureller Prägung ganz unterschiedlich wahrgenommen werden“, erklärt die Studentin.

Im Bereich Informationsmanagement setzte sie sich intensiv mit Informationssystemen auseinander, mit deren Hilfe Unternehmen ihre Daten verwalten: Welche Funktionen erfüllen sie? Wie sind sie aufgebaut? Welche Schwierigkeiten können bei ihrer Nutzung auftreten? Und wie lassen sich Probleme beseitigen?

Ab dem zweiten und dritten Semester wählte Marisa Bruhin verstärkt Lehrveranstaltungen in ihrem Vertiefungsbereich „Angewandte Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“. In einem Seminar diskutierte sie etwa mit ihren Kommilitonen und einer Gruppe Geflüchteter über Themen wie die Kopftuchdebatte in Deutschland oder Integration durch Musik. In einer anderen Veranstaltung beschäftigte sie sich damit, wie in mehrsprachigen Ländern wie Haiti oder der Dominikanischen Republik Machtunterschiede durch unterschiedliche Sprachkenntnisse entstehen. Und in einem Forschungsprojekt, das als eine Art Testlauf für die Bachelorarbeit fungierte, führte sie eine sprachwissenschaftliche Untersuchung eines authentischen Gespräches durch, um die Funktionen der Wörter „also“ und „weil“ zu analysieren.

Umgang mit kulturellen Unterschieden

Einige der Lehrveranstaltungen finden auf Deutsch, andere auf Englisch oder Spanisch statt. Die beiden Fremdsprachen hatte die 22-Jährige gewählt, weil sie sie schon in der Schule als Leistungskurse belegt hatte. Um noch besser zu werden, besucht sie an der Uni weiterhin Sprachkurse. Auf eine bestimmte Region oder Nationalkultur will sich die Studentin aber bewusst nicht fokussieren, ihr geht es vielmehr um den komplexen Kulturbegriff: „Kulturen sind vernetzt und innerhalb einer Nation sind viele Kulturen vertreten. Deshalb geht es vor allem darum, sensibel dafür zu sein, dass das Gegenüber bestimmte Dinge vielleicht anders sieht oder versteht als man selbst“.

Im Studiengang „Internationales Informationsmanagement“ ist ein Auslandssemester Pflicht. So verbrachte Marisa Bruhin ihr fünftes Semester an der nordspanischen Universidad de Valladolid. „Ich habe dort Menschen aus aller Welt kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet. Neben Spanisch habe ich also gelernt, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Kulturen zu erkennen, bestimmte Handlungen zu verstehen und andere Sichtweisen zu akzeptieren – das hat mich persönlich wie wissenschaftlich weitergebracht“, resümiert sie. Diese Gedanken wird sie auch in ihrer anstehenden Bachelorarbeit aufarbeiten, in der sie aufzeigen möchte, wie Missverständnisse im mehrsprachigen Kontext entstehen und wie sie vermieden werden können.

Bevor sie den weiterführenden, gleichnamigen Master an der Uni Hildesheim beginnt, möchte Marisa Bruhin ein Praktikum in einem Unternehmen absolvieren – am liebsten im internationalen Projektmanagement, denn in diesem Bereich sieht die 22-Jährige ihre berufliche Zukunft: „Hier könnte ich meine Kenntnisse aus den verschiedenen Fächern sowie mein Talent fürs Planen und Organisieren einbringen“.


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Stand: 14.12.2019