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Chemieingenieur

Chemische Prozesse in der Mathematik abbilden

Stephan Obermeier (30) simuliert bei Linde Engineering mithilfe von Computerprogrammen die Technik von Anlagen und chemische Prozesse. Dabei entwickelt der Ingenieur für Chemiewesen unter anderem sogenannte Trennapparate für großtechnische Chemieanlagen weiter.

Das Foto zeigt verschiedene Chemieutensilien.

Ein Chemiestudium qualifiziert für verschiedene Berufe. Das Labor ist eine der häufigsten Arbeitsstellen.

„Die Anlagen und Apparate, die wir in der Abteilung entwerfen, haben immer eine Trennaufgabe: Sie spalten Gasgemische in ihre unterschiedlichen Komponenten“, erklärt der 30-Jährige. In der Angebotsphase von neuen Anlagen steht der Spezialist für Prozesssimulation in engem Kontakt mit den Kunden und der Vertriebsabteilung. Dabei ist er zuständig für die sogenannte Auslegung, den Entwurf einer Anlage – und damit ist er auch das erste Glied in der Gemeinschaftsarbeit eines mehrköpfigen Ingenieurteams. Ist die Großanlage schließlich gebaut, betreut und überwacht der Chemieingenieur die Inbetriebnahme der Anlage.

Steckenpferd Forschung

Porträt von Stephan Obermeier

Stephan Obermeier

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Forschung, um das Instrument für die Prozesssimulation weiterzuentwickeln. Stephan Obermeier sagt: „Ich verwende Labordaten, um den Prozesssimulator zu verbessern und Fehler zwischen Prozesssimulation und Realität zu reduzieren. Es geht immer darum, einen Prozess bestmöglich mathematisch zu beschreiben, um Voraussagen hinsichtlich der späteren Funktionsfähigkeit einer Anlage treffen zu können. Die gewonnenen Forschungsergebnisse nutzen wir wiederum für die Auslegung neuer Anlagen für unsere Kunden, um stets die Qualität zu verbessern.“

Auch wenn die Forschung sein Steckenpferd ist: Der Arbeitsalltag des Chemieingenieurs wird bestimmt durch den Projekteingang. Sind neue Anlagen zu planen, tritt die Forschungsarbeit vorübergehend in den Hintergrund. 

Naturwissenschaften in ihrer vollen Bandbreite

Die Naturwissenschaften in ihrer vollen Bandbreite haben es Stephan Obermeier bereits in der Schule angetan. Chemie und Biologie faszinierten ihn genauso wie Physik und Mathematik. Der Bachelorstudiengang Chemieingenieurwesen an der Technischen Universität in München passte schließlich perfekt zu seiner Leidenschaft. Das Studium beinhaltete Praktika und Studienarbeiten. „So konnte ich verschiedene Fachbereiche ausprobieren und feststellen, was mir persönlich am ehesten liegt“, erinnert sich der Chemieingenieur. Für ihn kristallisierte sich auf diese Weise heraus, dass er im Masterstudium die chemische Verfahrenstechnik als Vertiefung wählen würde.

Nachdem er im Unternehmen bereits ein Praktikum absolviert hatte, kehrte er für seine Masterarbeit zurück zu Linde. Als er den Abschluss dann aber in der Tasche hatte, gab es einen Einstellungsstopp, so dass Stephan Obermeier seine Karriere bei einem Unternehmen für Abgasreinigung in der Halbleiterindustrie startete. Vier Jahre lang sammelte er Erfahrungen in der Prozess- und Anlagenplanung, in Versuchsaufbau und -ablauf, Programmierung und Projektmanagement. Anschließend klappte es mit seiner Bewerbung für die aktuelle Position bei Linde.

Forschen für den Geschäftserfolg

Stephan Obermeier betont, dass die Forschung in der Industrie immer anwendungsbezogen ist. „Wir forschen, um unseren Geschäftserfolg auszubauen. Das ist natürlich ein Unterschied zur akademischen Forschung, aber mich fasziniert die Anwendung, die Umsetzung meiner Arbeit in Hardware“, sagt er. Auf die Frage nach beruflichen Zielen antwortet der Chemieingenieur: „Noch bin ich ja relativ frisch auf meinem Arbeitsgebiet und sammle Erfahrungen. Aber irgendwann kann ich hoffentlich eine Führungsrolle übernehmen.“

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abi» 12.08.2020

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