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Die Lehrer von morgen: Was mich am Lehrerdasein stresst - Teil 1

Foto von abi>> Bloggerin Hannah

Autor:
Hannah

Rubrik:
orientieren

05.11.2019

In meinem letzten Beitrag habe ich schon angedeutet, dass der Lehrerberuf mit viel Stress verbunden ist. Woran genau das liegt, möchte ich nun näher ausführen.
Einerseits ist da natürlich der Unterricht, der bei weitem kein Selbstläufer ist. Gerade weil ich auf meine benotete Lehrprobe hinarbeite, die noch vor Weihnachten stattfinden wird, möchte ich mich noch verbessern und zum Beispiel mein Methodenrepertoire erweitern. Ich versuche also, bestmöglichen Unterricht vorzubereiten, der entsprechend zeitaufwändig ist. Meine Klasse ist zudem immer noch ziemlich herausfordernd. Es ist schwierig, ihren emotionalen Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig das Bildungsziel im Blick zu behalten. Meinen Unterricht bereite ich übrigens zu Hause vor, entweder nachmittags nach der Schule oder am Wochenende. Einen komplett freien Tag hatte ich schon lange nicht mehr, selbst an Sonntagen sitze ich am Schreibtisch.
Die Zeit, in der ich in der Schule bin, finde ich aber besonders anstrengend. Das liegt vor allem daran, dass man keine richtigen Pausen hat. Du kannst nicht einfach während deines Unterrichts auf die Toilette gehen, du musst die ganze Zeit präsent sein, du musst immer ansprechbar sein und immer die Kontrolle über die Situation behalten. Bei uns gibt es zwei große Pausen am Tag, eine mit 10 und eine mit 15 Minuten. In dieser Zeit hast du entweder Aufsicht, also quasi gar keine Pause, oder du musst es schaffen, auf die Toilette zu gehen, in dein Fach zu schauen, etwas zu kopieren und am besten noch dienstliche Fragen mit drei verschiedenen Kollegen zu klären. Es ist permanent hektisch und es gibt immer etwas zu tun. Es ist außerdem kein Job, bei dem du mal einen schlechten Tag haben kannst und dich zurückziehen, hinter den anderen verstecken, kannst. Wenn du da bist, dann musst du richtig arbeiten, mit vollem Einsatz, anders funktioniert es nicht. Das hat mich auch schon das eine oder andere Mal vor die Frage gestellt, wie ich damit umgehen soll, wenn ich am Wochenende krank war, sodass ich meinen Unterricht nicht vorbereiten konnte, am Montag allerdings wieder fit genug war, um in der Schule zu sein. Lehrerin sein ist im Prinzip so etwas wie berufliche Selbstständigkeit mit sehr regelmäßigen Abgaben und täglichen (sehr frühen) Präsenzterminen. Eigentlich hast du deinen festen Rhythmus, aber wenn du nach Hause kommst, musst du deine Arbeit selbst organisieren. Und da tauchen die klassischen Selbstständigkeitsprobleme auf. Ich überlege mir auch dreimal, ob ich mich tatsächlich krankmelden möchte. Es gibt in jedem Beruf Tage, an denen es besonders ungeschickt ist, krank zu sein, weil man eine bestimmte Aufgabe zu erledigen hat, die niemand anders übernehmen kann. Als Lehrerin ist eigentlich jeder Tag ein solcher Tag. Wenn ich fehle, löse ich Chaos aus. Ich muss vertreten werden, was das Kollegium belastet und den Schülern nötige Routine nimmt.