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Thank You For The Music

Porträt von Anna

Autor:
Anna

Rubrik:
orientieren

09.07.2024

Meine absolut absolut absolut allerliebste Lieblingsband ist definitiv ABBA. 

Mein Liebe zu alter Musik habe ich von meinem Vater, ich bin mit Bob Dylan, Elvis Presley und The Jayhawks aufgewachsen. Er sammelt CDs und wir hören meistens zu jedem gemeinsamen Essen eine davon. Wenn ich dran war mit Musik aussuchen, habe ich mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit ABBA ausgesucht und dann diese CD tagelang gehört – bis meine Mutter gesagt hat, dass wir jetzt etwas anderes hören müssen, weil in ihren Träumen „Voulez-Vous“ gesungen wird und sie nicht auch noch nachts von ABBA verfolgt werden möchte.

Das Problem mit alter Musik ist, dass man ein Rennen gegen die Zeit läuft, wenn man seine Lieblingskünstler live hören möchte. Das Zeitfenster, bis sich die Band auflöst oder die Sängerin/der Sänger stirbt, wird von Jahr zu Jahr größer, falls das nicht schon ohnehin der Fall ist. Wie bei ABBA: Offiziell hatte sich die Band 1982 aufgelöst, lange, bevor ich geboren bin. Und so habe ich mich mit dem Fakt abgefunden, dass ich sie niemals auf einem Konzert sehen werde. Bis sie eine Wiedervereinigung, ein neues Album und eine Konzertreihe in London angekündigt haben, genau 40 Jahre nach ihrem „Ende“.  Ihrer Show gegenüber war ich zugegebenermaßen zunächst etwas kritisch: Sie würden nicht selbst auftreten, es wäre ein rein fiktives Konzert mit Avataren (Abbataren) anstelle von echten Menschen. Als ich dann während meines letzten Schuljahres auf Abifahrt in London war, habe natürlich trotzdem Tickets gekauft, zusammen mit meinen Freundinnen. Unglücklicherweise ist am selben Tag die Queen beerdigt und deshalb die Show abgesagt worden. Für mich, die ein Dreivierteljahr vorher angefangen hat, die Lyrics zu jedem einzelnen ihrer über 100 Liedern auswendig zu lernen, ein kleiner Weltuntergang. 

Eineinhalb Jahre später habe ich es dann endlich – mit denselben Freundinnen – geschafft, zu ABBA Voyage zu gehen. Ich war zwar nicht mehr „Seventeen, Dancing Queen“ aber es war ein unvergessliches Erlebnis. Die Show war extrem gut, die Avatare haben total realistisch ausgesehen (fast ein bisschen gruselig) und jede*r einzelne Zuschauer*in hatte gute Laune. Ich habe es absolut geliebt, auch wenn ich es bis heute kaum glauben kann, dass ich ABBA gesehen habe. Ich muss leider zugeben, dass ich eigentlich die ganze Zeit vor Freude weinen musste. Besonders die halbe Stunde nach dem Konzert ist im Nachhinein ein bisschen peinlich.

Mit dem Konzert ist ein Kindheitstraum von mir wahr geworden. Einen Monat später bin ich dann zusammen mit meinen Gasteltern auf ein Bruce Springsteen & The E Street Band Konzert gegangen, auch ein unvergleichliches Erlebnis, und der somit nächste „alte“ Sänger, den ich abhaken konnte.