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Schülerleben live

Bestätigung durch Noten – Teil 2

Autor:
Lina

Rubrik:
orientieren

14.12.2020

Als ich dann heute in der Chemie-Klausur saß, fühlte ich mich so, als lastete so, so viel Druck auf meinen Schultern – und damit meine ich gar nicht den Druck, den ich mir selber mache! Ich persönlich wäre mit 10 Punkten zufrieden, mit 13 glücklich. Doch ich fühlte mich in der Situation so, als würde jede einzelne Person, die mit mir im Raum saß (Lehrerin und MitschülerInnen), die Erwartung an mich stellen, 15 Punkte schreiben zu müssen. Keine Fehler zu machen. Denn das ist nun einmal das, was ich normalerweise mache. Blöd war nur, dass ich das Thema weder gut verstanden, noch gut gelernt habe. Da ich aber meiner Lehrerin nicht die Vorstellung nehmen wollte, ich sei doch so gut in Chemie; musste ich 15 Punkte schreiben. Ich musste einfach, und zwar nicht wegen meiner Erwartungen, sondern wegen derer anderer Leute. Leute, die meine Noten, solange ich nicht durchfalle, eigentlich nichts zu interessieren haben. Ich wollte nicht versagen. Ich wollte nicht auf die Frage meiner Mitschüler, welche Note ich denn habe, „14“ antworten müssen. Wenn ich darüber schreibe, fällt mir selbst auf, dass das total verrückt klingt. Wer ist denn schon mit 14 Punkten nicht zufrieden?

Mir ist schon seit längerem klar geworden, dass ich unterbewusst mein Selbstwertgefühl an meine Noten gehängt habe. Und heute, in dieser Klausur, da war so ein Moment, da ist mir dies besonders aufgefallen. Ich bin mir sicher, dass das ein Punkt ist, an dem ich unbedingt arbeiten muss. Über die Jahre, in denen meine Noten sich verbessert haben, ist auch mein Selbstbewusstsein gestiegen.
Das war bisher noch kein Problem, denn solange meine Noten gut sind, fühle ich mich auch gut. Ich fürchte nur den Moment, an dem ich eine schlechte Note bekomme, und mein ganzes Selbstbewusstsein zusammenbricht. Ich habe mir vorgenommen, daran zu arbeiten: Jetzt absichtlich anzufangen, schlechte Noten zu schreiben, nur damit ich mich daran gewöhne, wäre absolut unsinnig. Aber ich kann anfangen, mögliche „schlechtere“ Noten zu akzeptieren. Auf eine 13 in Chemie stolz zu sein, und mal nicht meine Erwartungen an meine Englisch-Note auf 15, sondern auf 13 zu setzen. Ich glaube, diesen Druck erfahren viele Schülerinnen und Schüler, und sicherlich auch Leute, die eine Ausbildung oder ein Studium machen, oder auch schon arbeiten gehen. Falls es dir so geht wie mir, wünsche ich dir alles Gute. Wir schaffen das!

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