Demokratisches Bewusstsein wecken

Bundestag in Berlin
Politik geht alle etwas an. Der Schülerwettbewerb zur politischen Bildung animiert Schulklassen dazu, sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinderzusetzen.
Foto: Sonja Trabandt

Schülerwettbewerb zur politischen Bildung – Interview

Demokratisches Bewusstsein wecken

Die Bundeszentrale für politische Bildung richtet seit 1971 den Schülerwettbewerb zur politischen Bildung aus, an dem jedes Jahr über 60.000 Jugendliche teilnehmen. abi>> sprach mit Hans-Georg Lambertz, Leiter des Wettbewerbs, über Teilnahmebedingungen und Auswahlkriterien.

abi>> Herr Lambertz, an welche Zielgruppe richtet sich der Wettbewerb?

Hans-Georg Lambertz: Der Wettbewerb richtet sich an deutschsprachige Klassen der Jahrgangsstufen 4 bis 12 aller Schulformen im In- und Ausland. Ziel ist es, dass sich Schülerinnen und Schüler im Klassenverband eigenständig mit einem Thema zur politischen Bildung auseinandersetzen.

abi>> Warum ist das wichtig?

Hans-Georg Lambertz: Politische Bildung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Der Schülerwettbewerb vermittelt verständlich aktuelle politische Sachverhalte und Probleme und weckt das Interesse an Politik. Dadurch werden das demokratische Bewusstsein sowie die Mitwirkung der Jugendlichen gefördert.

abi>> Wie ist der Wettbewerb aufgebaut?

Ein Porträt-Foto von Hans-Georg Lambertz

Hans-Georg Lambertz

Foto: Andreas Kirchhoff

Hans-Georg Lambertz: Im Frühjahr werden verschiedene Themen von circa 200 Klassen getestet. Die Themen, die Klassen und Lehrer überzeugen, schaffen es in den Wettbewerb. Vor den Sommerferien werden diese dann online veröffentlicht und an zahlreiche Schulen verschickt. Zur Auswahl stehen jeweils sechs Aufgabenstellungen für das 4. bis 8. und für das 8. bis 12. Schuljahr. Im zweiten Halbjahr werden diese in den Schulen bearbeitet. Der Einsendeschluss für die fertigen Projekte ist jedes Jahr im Dezember. Die Gewinner werden im Februar bekannt gegeben.

abi>> Wie können Schulen teilnehmen?

Hans-Georg Lambertz: Klassen können ihre Lehrkräfte auf den Wettbewerb ansprechen. Bei fast allen Themen soll die ganze Klasse gemeinsam an dem Projekt arbeiten. Bei den Jahrgangsstufen 8 bis 12 sind bei selbstgewählten Themen, Gruppenarbeiten von mindestens fünf Personen zulässig. Alle Beiträge müssen zusammen mit der Lehrkraft online auf der Seite www.schuelerwettbewerb.de angemeldet werden.

abi>> Welche Kriterien sind für die Jury wichtig?

Hans-Georg Lambertz: Zum Beispiel die inhaltliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen, die vollständige Beantwortung der Fragestellung, die Nutzung und Angabe von verlässlichen Quellen, die Einhaltung formeller Kriterien, die kreative Gestaltung des Werkstücks und vor allem auch die Frage, ob das Projekt Lernende derselben Altersgruppe anspricht.

abi>> Was gibt es zu gewinnen?

Hans-Georg Lambertz: Unter den 350 Preisen gibt es Klassenfahrten ins In- und Ausland, Geldprämien bis zu 2.000 Euro sowie Buch- und Sonderpreise zu gewinnen.

abi>> Wie profitieren junge Menschen von der Teilnahme?

Hans-Georg Lambertz: Die Jugendlichen organisieren ihr Projekt selbst, sie sammeln die benötigten Informationen und bereiten diese kreativ auf. Dadurch werden eigenständiges Arbeiten, Kreativität, Recherchefähigkeiten und oft auch technische Kenntnisse gefördert.

 

Schülerwettbewerb zur politischen Bildung

Aktuelle Politik erleben

Wie interessant politische Themen sein können, hat die Sozialkundeklasse des Helene-Lange-Gymnasiums im bayerischen Fürth mit der Teilnahme an dem Schülerwettbewerb für politische Bildung erfahren. Mit dem Thema „Islam und Europa – wie passt das zusammen?“ gewann die Klasse sogar einen der Hauptpreise.

Der Schülerwettbewerb zur politischen Bildung fordert jedes Jahr Schulklassen dazu auf, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen, die gerade in unserer Gesellschaft diskutiert werden. Im Wettbewerbszeitraum 2016/17 nahm die damalige 10c des Helene-Lange-Gymnasiums in Fürth bereits zum zweiten Mal an dem von der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) ausgeschriebenen Wettbewerb teil. „Unser Sozialkundelehrer hatte die Idee, wieder bei dem Projekt mitzumachen, und wir waren sofort dabei“, erinnert sich Maja Al-Ssayrafi.

Für das Thema „Islam und Europa – wie passt das zusammen?“ entschied sich die Klasse aus aktuellem Anlass: „Zu der Zeit wurde ein mögliches Burka-Verbot viel diskutiert“, erklärt die 19-jährige Schülerin. Gemeinsam entschied sich die Klasse, das Projekt in Form einer Onlinezeitschrift umzusetzen. „Da unsere Sozialkundeklasse mit 14 Schülern und Schülerinnen recht klein ist und wir uns alle gut verstehen, verlief die Zusammenarbeit reibungslos und hat viel Spaß gemacht.“

Intensive Auseinandersetzung, neue Erkenntnisse

Ein Porträt-Foto von Maja Al Ssayrafi

Maja Al-Ssayrafi

Foto: privat

Die Schulklasse überlegte sich eigenständig ein Konzept und schrieb auch alle Artikel für die Onlinezeitschrift selbst. Zuerst beleuchteten die Schüler übergreifend die Flüchtlingssituation, um dann das Thema Islam und Europa darzustellen. Die Leser erhielten einen Einblick in die islamische sowie christliche Kultur und Religion. „Wichtig war für uns zu zeigen, dass es egal ist, aus welchem Land ein Mensch kommt. Mensch ist Mensch. Da gibt es keinen Unterschied. Diesen Gedanken haben wir in Form von Rap-Zitaten umgesetzt“, sagt Maja Al-Ssayrafi.

Durch die eigenständige Recherche für die Inhalte der Onlinezeitung hat die Schülerin viel Neues erfahren. „Mir war vorher vieles über den Islam und das Christentum gar nicht bewusst“, fasst Maja Al-Ssayrafi ihre Eindrücke zusammen. „Ich hatte mich noch nie mit den unterschiedlichen Religionen beschäftigt und habe erkannt, dass sie viel mehr Ähnlichkeiten haben, als ich dachte.“

Zu Besuch bei der Bundeskanzlerin

Mit ihrem Beitrag hat die Sozialkundeklasse des Helene-Lange-Gymnasiums auch die Jury überzeugt. Sie gewannen eine fünftägige Reise nach Berlin, bei der auch ein persönliches Treffen mit der Bundeskanzlerin auf dem Programm stand. „Wir erhielten eine Führung durch das Kanzleramt und hatten einen Fototermin mit Angela Merkel. Trotz der kurzen Zeit interessierte sie sich sehr für unser Projekt.“ Der Wettbewerb hat Politik wirklich erlebbar gemacht, findet die Schülerin.

Schülerwettbewerb zur politischen Bildung

Der Schülerwettbewerb zur politischen Bildung ist der größte deutschsprachige Wettbewerb seiner Art. Er wird von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtet und wendet sich an deutschsprachige Klassen der Jahrgangsstufen 4 bis 12 aller Schulformen im In- und Ausland. Es gibt jeweils sechs Aufgabenstellungen, aus denen die Klassen wählen können. Sie bieten sich sowohl für den Politikunterricht als auch für Fächer wie Ethik, Wirtschaft, Deutsch oder Biologie an. Ziel ist es, das Interesse der Schülerinnen und Schüler für wichtige gesellschaftliche Fragen zu wecken. Weitere Infos gibt es unter www.schuelerwettbewerb.de.

 

Weitere Informationen

Schülerwettbewerb zur politischen Bildung

Informationen, Themenauswahl, Teilnahmebedingungen und Anmeldung zum Wettbewerb

www.schuelerwettbewerb.de

Bundeszentrale für politische Bildung (BPB)

Die BPB möchte das Verständnis für politische Sachverhalte und das demokratische Bewusstsein festigen sowie die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit stärken.
www.bpb.de

Stiftung Bildung und Gesellschaft

Mit Akademien und Wettbewerben fördert das Zentrum für Begabungsförderung das Potenzial junger Menschen.
www.stiftung-bildung-und-gesellschaft.de/home.html

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

Bundesweiter Zusammenschluss von staatlich anerkannten und gesamtstaatlich geförderten Schülerwettbewerben in Deutschland.

www.bundeswettbewerbe.de

Bildung und Begabung

www.bildung-und-begabung.de

studienwahl.de

Die Seite listet eine Reihe von Schülerwettbewerben auf.
www.studienwahl.de/de/wettbewerbe.htm

 


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Stand: 21.10.2019