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Schülerwettbewerbe

Schüler im Wettbewerbsfieber

Von Naturwissenschaften bis Fremdsprachen, von Wirtschaft bis Informatik: Es gibt zahlreiche Wettbewerbe, in denen sich Oberstufenschülerinnen und -schüler ausprobieren können. Die Wettbewerbe bringen zudem viel mehr als „nur“ eine Auszeichnung – sie können einen wichtigen Beitrag zur Studien- und Berufsorientierung leisten.

Mauritz Fethke interagiert mit einem Roboterarm.

Mauritz Fethke konstruierte für Jugend forscht diesen bionischen Elefantenrüssel. Das bereitete ihn optimal auf sein Maschinenbau-Studium vor.

Mauritz Fethke (19) ist ein Wiederholungstäter. 2013 nahm er als Zwölfjähriger das erste Mal an dem Wettbewerb Schüler experimentieren teil, der Juniorsparte von Jugend forscht. Das Wettbewerbsfieber packte ihn. Jahr um Jahr reichte er Projekte ein – zunächst einen bionischen Elefantenrüssel, der Greifarbeiten übernehmen soll, und später ein Rückenunterstützungssystem, ein sogenanntes Exoskelett. Nach diversen regionalen, landes- sowie bundesweiten Auszeichnungen in den Jahren 2016 und 2017 belegte er 2018, bei seiner letzten Teilnahme an Jugend forscht, mit seinem rückenunterstützenden Tragesystem den fünften Platz in der Kategorie Arbeitswelt. In dieser Kategorie steht der Mensch im Mittelpunkt. Es geht darum, Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Was hat Mauritz Fethke über so viele Jahre angetrieben? „Die Preise sind natürlich grundsätzlich schön“, erklärt der 19-Jährige. „Aber ich fand die Atmosphäre bei den Wettbewerben toll. Jeder hat sein eigenes Projekt, das er vorstellen kann. Alleine das hat mich immer motiviert.“ Anspornend fand er zudem, dass es auf jeder Ebene – Regional-, Landes- und Bundesebene – von der Jury direktes Feedback gibt.

Über Jugend forscht hat der Niedersachse auch seinen heutigen Mentor kennen gelernt und ist so zu seinem Studienplatz gekommen. Auf der Hannover Messe durfte er seinen bionischen Elefantenrüssel vorstellen und hat dort Professor Dr. Robert Weidner kennengelernt, der damals Leiter einer interdisziplinären Forschergruppe an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg war. Heute studiert Mauritz Fethke in der Hansestadt im zweiten Jahr Maschinenbau, wird nächstes Jahr mit dem Bachelor abschließen und danach den Master beginnen. Nebenher hat er eine Anstellung als Werkstudent in einer Firma gefunden, die Exoskelette baut – also genau in dem Bereich, in dem sein Forschungsprojekt angesiedelt ist.

Als besonders stressig empfand Mauritz Fethke die Wettbewerbsteilnahmen nicht. „Es waren natürlich viele Stunden neben der Schule und den sonstigen Aktivitäten wie dem Sport und der Leitung des Jugendtrainings. Zu Abgabezeiten gab es viele lange Nächte, die ich für den Wettbewerb aufwenden musste, aber es war einfach meine Passion während der Schulzeit“, zieht er Bilanz.

Kreativität als Schlüssel zur Individualität

Jugend forscht ist einer der bekanntesten Schülerwettbewerbe. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 100 Stück. 23 Wettbewerbe werden staatlich gefördert – das sind die Bundeswettbewerbe. Thematisch decken sie ein breites Spektrum ab, von den Naturwissenschaften (siehe Erfahrungsbericht „Freunde fürs Leben“), Mathematik, Informatik und Technik über Sprachen, Geistes- und Sozialwissenschaften (siehe Erfahrungsbericht „Ich bin reifer geworden“) bis hin zum musisch-künstlerischen Bereich. Darüber hinaus gibt es Wettbewerbe im Gründen, Debattieren oder zur politischen Bildung. (Zu einer Auswahl an Wettbewerben findest du Steckbriefe.)

Ein Porträt-Foto von Angar Kemmann.

Ansgar Kemmann

„Doch nicht nur die Themen, auch die Art der Leistungserfüllung ist breit gefächert“, erklärt Ansgar Kemmann von der Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe. Je nach Art der Aufgabenstellung werden Aufgaben klausurmäßig gelöst oder eingesendet, einzeln oder im Team bearbeitet, und natürlich gibt es Vorführwettbewerbe. Auch medial wird ein breites Spektrum abgefragt – die Abgabe kann je nach Wettbewerb etwa als Text, Film oder Audio erfolgen. „Die Teilnehmer lernen bei solch einem Wettbewerb, sich selbst Ziele zu setzen und sie zu erreichen. Sie erfahren Enttäuschung und Erfolge, lernen mit Höhen und Tiefen umzugehen und können ihre Stärken ausloten“, erklärt Ansgar Kemmann.

Damit aus der Lust an der Teilnahme nicht Frust am Wettbewerb wird, empfiehlt Ansgar Kemmann, sich den Wettbewerb sorgfältig auszusuchen. Für die Bundeswettbewerbe wurden im Jahr 2009 Regeln zur Qualitätssicherung von der Kultusministerkonferenz festgelegt.

Die berufliche Richtung finden

Neben den vielen persönlichen Erfahrungen, die Teilnehmer aus einem Wettbewerb mitnehmen können, gibt es auch handfeste Vorteile. Denn sie sollen den jungen Menschen darüber hinaus bei der Beantwortung einer Frage helfen: Wie finde ich meine berufliche Richtung? Lehrer spielen dabei eine besondere Rolle: „Es ist unsere Aufgabe, die Schüler bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten, und auf das, was danach kommt“, betont Thorsten Koch, Tutor des Bundessiegers 2019 im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten (siehe Interview „Erfahrungen fürs ganze Leben“).

Ein Poträt-Foto von Eckhard Göske.

Dr. Eckhard Göske

Aber auch die Wirtschaft, vor allem die Industrie, hat ein Interesse primär an Teilnehmern von MINT-Schülerwettbewerbe. Das weiß Dr. Eckhard Göske von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, der als Patenbeauftragter für den Regionalwettbewerb Jugend forscht Münsterland verantwortlich ist. Eine Beteiligung an einem Wettbewerb wie Jugend forscht oder den diversen internationalen Olympiaden (Chemie, Physik, Mathematik) macht sich einerseits in der Bewerbungsmappe gut. Andererseits sponsern Unternehmen die Wettbewerbe und werden so auf Talente aufmerksam. Eindrucksvoll findet Dr. Eckhard Göske, dass Teilnehmer in der Schule oftmals nicht unbedingt durch Bestnoten auffallen. „Wir haben viele junge Menschen, die sagen: ‚Ich kann’s ja mal versuchen‘ und die dann so angetan sind, dass sie wiederkommen und mehrfach an unserem Regionalwettbewerb teilnehmen.“

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung

berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

bundeswettbewerbe.de

Kultusministerkonferenz

Konferenz zur Koordination von Fragen rund um Bildung, Wissenschaft und Kultur auf Bundes- und Länderebene.

www.kmk.org

Video

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

abi» 27.01.2020

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