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IT-Branche – Hintergrund: „Die Branche kennt keinen Stillstand“

Fachkräfte gesucht: Die IT-Branche ist nach wie vor auf der Suche nach gut ausgebildeten Arbeitskräften. Diese wiederum dürfen sich auf abwechslungsreiche Tätigkeiten freuen – und müssen sich wenig Gedanken über Arbeitslosigkeit machen.

Ein junger Mann steht an einem Gleis und guckt auf sein Tablet. Foto: Julien Fertl

Videoclips anschauen, Informationen suchen, Geld überweisen, Zugtickets kaufen oder sich zum Date verabreden – wir alle verbringen viel Zeit im Internet, am Computer und mit Apps. Damit dabei alles reibungslos funktioniert, sind Fachleute der IT-Branche gefragt. Eine von ihnen ist Stefanie Dippold, die bei der Bundesagentur für Arbeit IT-Azubis ausbildet.

„Das Programmieren macht mir sehr viel Spaß, weil man dabei etwas erschaffen kann“, sagt die 29-Jährige. Außerdem kenne die IT-Branche keinen Stillstand. „Es verändert sich vieles sehr schnell, das ist sehr spannend.“ Wer wissbegierig und neugierig auf innovative Technologien sei, könne in diesem Bereich viel erreichen – und sich immer neue Aufgabengebiete suchen.

„Die IT-Branche umfasst mittlerweile viele verschiedene Berufe“, betont Nina Brandau vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Die Arbeitsmöglichkeiten seien größer als viele annehmen. „In den Köpfen der Menschen hängt häufig noch das Image des Coders, der allein in seinem Kämmerchen hockt.“ Dieses sei aber überholt.

Mehr als Programmieren

Ein Porträtfoto von Stefanie Dippold. (Foto: Robert Hübschmann) Ein Porträtfoto von Stefanie Dippold. (Foto: Robert Hübschmann)

Stefanie Dippold

„Es geht längst nicht mehr nur ums Programmieren“, sagt die Verbandssprecherin. Immerhin benötigen heute auch Firmen anderer Branchen sowie Verwaltungen, ja selbst Schulen IT-Fachkräfte. Das habe die Aufgabenbereiche verändert – Projekt-Management ist demnach genauso gefragt wie interdisziplinäres Arbeiten mit Kolleg*innen anderer Fachbereiche.

Eine wichtige Entwicklung der vergangenen Jahre ist laut Nina Brandau „Big Data“. Damit ist das Phänomen gemeint, dass Datenmengen heutzutage oft zu groß und unüberschaubar sind, um sie mit manuellen Methoden zu bearbeiten und auszuwerten. Das verändert die IT-Branche. „Man braucht Experten, die wissen, wie Big-Data-Phänomene zu beherrschen und zu nutzen sind“, erklärt sie. Dafür werden etwa Data Scientists und KI-Expert*innen gesucht, die Daten auswerten und verwertbar machen und dabei Algorithmen der künstlichen Intelligenz einsetzen.

Ein weiterer Trend sind die Technologien Augmented und Virtual Reality, die uns unter anderem die Darstellung einer computergenerierten, realitätsnahen Umgebung ermöglichen. Sie kommen in Filmen und Games zum Einsatz, zudem in der Medizin oder im Verkehr. „In diesem Bereich sind Virtual-Reality-Designer gefragt, die gestalten und programmieren können, aber eben in einem ganz anderen Kontext“, erklärt die Bitkom-Expertin.

Nachhaltigkeit wird Thema

Bereiche wie die genannten haben erst nach und nach an Bedeutung gewonnen. „Durch kontinuierliche Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan in der IT-Branche“, sagt Nina Brandau. Das habe dazu geführt, dass Firmen und Organisationen heute einen „Riesenbedarf“ an IT-Fachkräften haben. „Zudem muss man als ITler flexibel sein und sich immer wieder auf neue Technologien und Entwicklungen einstellen.“

Darüber hinaus gewinnen übergeordnete Themen an Relevanz. „Nachhaltigkeit ist in dieser Branche ein großes Stichwort“, berichtet die Verbandssprecherin. Wie kann man etwa als Onlineshop sein Angebot klimaneutraler gestalten? Immerhin spiele das gerade für die jüngere Generation eine große Rolle.

Hinzu kommt, dass die Branche selbst wegen ihres hohen Strombedarfs teilweise kritisiert wird. Viele Unternehmen haben das Problem erkannt und sich für die kommenden Jahre Lösungen auf ihre To-do-Listen geschrieben. „Allerdings werden wir ohne die Server, die die Datenmengen verarbeiten, erstmal nicht auskommen“, betont Nina Brandau. Deswegen sei die Energiebranche gefordert, alternative Energien zu schaffen, die die großen Server versorgen können.

Frauen, traut euch!

Was sich in all den Jahren allerdings nicht geändert hat, ist die Tatsache, dass die IT-Branche noch immer sehr männerlastig ist: Einer Bitkom-Studie von Anfang 2019 zufolge arbeiten in diesem Wirtschaftszweig in Deutschland nur 17 Prozent Frauen. „Frauen sollten aber wirklich keine Scheu haben“, ermutigt Nina Brandau. „Im Informatikstudium fangen alle gleich an. Gewisse Vorkenntnisse sind immer hilfreich, aber auch ohne sollte man sich ruhig trauen.“

Sie unterstreicht, dass Frauen sogar „unheimlich große Chancen“ in der IT-Branche hätten: „IT-Unternehmen sind sehr daran interessiert, dass die Frauenquote steigt – und dass sie insgesamt diverser werden.“ Studien hätten gezeigt, „dass diversere und gemischtere Teams innovativer sind und mehr Erfolg haben“. Dabei sei die Geschlechter-Diversität genauso wichtig wie die kulturelle, also dass man Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen im Team hat.

Viele offene Stellen, kaum Arbeitslosigkeit

Der Bedarf an Fachkräften ist weiterhin ungebrochen. „Im vergangenen Jahr hatten wir in Deutschland 124.000 offene IT-Stellen“, bilanziert Nina Brandau. Der Bitkom-Studie von 2019 zufolge entsprach das einem Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der unbesetzten IT-Stellen sogar mehr als verdoppelt.

Das Statistische Bundesamt registriert die steigende Nachfrage ebenso: „Unternehmen in Deutschland haben zunehmend Schwierigkeiten, freie IT-Stellen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen“, hieß es vergangenen Dezember. Ähnliches meldet die Bundesagentur für Arbeit. „Das Vordringen der Informatik in nahezu alle Arbeits- und Lebensbereiche geht einher mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen für Computerfachleute in den letzten Jahren“, berichtet das Team Arbeitsmarktberichterstattung.

Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern habe sich 2019 auf Höchstniveau bewegt. „In manchen Tätigkeitsfeldern wie der Softwareentwicklung spricht man sogar von Fachkräftemangel.“ Mit einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent sei Arbeitslosigkeit dagegen in der Regel kein Thema für IT-Expert*innen.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchworte: Informatik, IT).
studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchworte: Informatik, IT)
berufenet.arbeitsagentur.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Bitkom e.V.

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien
www.bitkom.org

Bundesverband IT-Mittelstand e.V.

www.bitmi.de