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Philosophie: Die Dinge hinterfragen

Argumentieren, Probleme lösen und verstehen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“: Felix Pries (22) studiert Philosophie im vierten Semester an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Sokrates: ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph. (Foto: Sonja Trabandt)

Es ist Sonntagnachmittag und Felix Pries geht seiner Hauptbeschäftigung für sein Philosophie-Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena nach: Lesen. Dieses Mal bereitet er sich auf das am nächsten Tag anstehende Seminar über Friedrich Nietzsche und Michel Foucault vor. Es gilt, einen 25-seitigen Foucault-Text zu verstehen, die wichtigsten Argumentationslinien herauszuarbeiten und nachzuvollziehen. Dafür streicht Felix Pries wichtige Textpassagen an und macht sich Notizen. Im Seminar wird er mit seinen Mitstudierenden und der Dozentin den Text besprechen, Verbindungen zu vorher Gelesenem herstellen und ihn in die philosophischen Zusammenhänge einordnen.

Leseintensives Studium

Ein Portraitbild von Felix Pries. (Foto: Jens Meyer) Ein Portraitbild von Felix Pries. (Foto: Jens Meyer)

Felix Pries

„Das Philosophiestudium ist sehr leseintensiv“, berichtet der 22-Jährige. Dabei geht es nicht nur um die Vorbereitung auf die konkreten Lehrveranstaltungen: „Um Hintergründe verstehen und Probleme einordnen zu können, ist es wichtig, überhaupt viel zu lesen und sich so ein möglichst breites Wissen anzueignen. Dazu gehört eine generelle Neugier auf die Welt und ihre Zusammenhänge.“

Um einen Überblick über diese Zusammenhänge zu bekommen, gibt es in Jena zunächst Einführungsveranstaltungen. Sie stellen die verschiedenen Teildisziplinen, wie Logik, Ästhetik oder Ethik, vor und schulen auch methodisch, beispielsweise in der Argumentationslehre. „Nach den Pflichtmodulen konnte ich mir die Lehrveranstaltungen beinahe frei aussuchen“, erzählt Felix Pries. „Ich habe mich dann beispielsweise mit Formalem in der Logik beschäftigt. Ich fand es spannend, wie man argumentative Sätze in eine der Mathematik ähnliche formale Sprache übersetzen kann.“

Schnittstellen zu anderen Wissenschaften

Die Sprache spielt im Philosophiestudium auch sonst eine wichtige Rolle. So müssen nicht nur die Texte von Philosophinnen und Philosophen gelesen und verstanden werden. Auch der eigene sprachliche Ausdruck wird geschult: „Wir lernen im Studium, exakt zu formulieren“, berichtet der Student. „Einzelne, vermeintlich ähnliche Wörter können ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Wer Philosophie studieren möchte, sollte gerne mit Sprache umgehen und einen Hang zur Genauigkeit mitbringen.“

Neben der Philosophie hat Felix Pries Soziologie als Nebenfach belegt. Die Schnittstelle der beiden Fächer fasziniert ihn: „Der Zusammenhang von Philosophie und Gesellschaft ist gerade mein Thema“, erzählt er. Dabei hat er sich besonders mit der Kritischen Theorie von Adorno auseinandergesetzt. „Adorno untersucht in Anschluss an Marx die gesellschaftlichen Bedingungen von Wissen. Theorien stehen bei ihm nicht in einem idealen, abgeschlossenen Raum, sondern immer im Zusammenhang zu den konkreten Gegebenheiten in der Gesellschaft.“

Viele Berufsmöglichkeiten

Dass er Philosophie studieren möchte, war Felix Pries schon in der zehnten Klasse klar. So hat er bereits früh angefangen, philosophische Werke zu lesen und auch in der Oberstufe den Philosophieunterricht besucht. „In der elften Klasse hatte ich die Möglichkeit, parallel zur Schule ein Frühstudium an der Universität Mainz zu belegen“, erzählt er. „Ein halbes Jahr lang habe ich einmal in der Woche an Philosophievorlesungen teilgenommen. Da habe ich gemerkt, dass das Fach wirklich etwas für mich ist.“

In den nächsten Semestern wird der Student seinen Bachelorabschluss machen. Danach steht der Master auf dem Programm. „Ich möchte gerne noch ausgiebig studieren und viele Lehrveranstaltungen belegen, die mich interessieren“, verrät er. Weiterhin plant er ein längeres Praktikum im Medienbereich. „Mit dem Philosophiestudium habe ich ein breites Feld an Berufsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich könnte mir aber auch gut eine akademische Karriere vorstellen.“

Philosophie studieren

Philosophiestudiengänge werden an deutschen Hochschulen in unterschiedlichen Formen angeboten. Laut studienwahl.de gibt es rund 120 Studienangebote an 70 Hochschulen. Dabei handelt es sich meistens um Bachelorstudiengänge, in denen man Philosophie als Haupt- oder als Nebenfach belegen kann. Wer Philosophielehrer/in werden möchte, kann das Fach aber auch auf Lehramt studieren. Dies ist beispielsweise an den Hochschulen in Göttingen, Heidelberg oder Osnabrück möglich. Weiterhin kann man entweder Philosophie als Überblicksfach studieren, wie an den Universitäten in Mainz, München oder Münster. Oder man beschäftigt sich intensiv mit einer Teildisziplin. So kann man in Landau und Koblenz den Schwerpunkt Ethik studieren, sich in Köln und Paderborn mit Praktischer Philosophie beschäftigen und in Düsseldorf und Bayreuth die Verbindung von Philosophie und Wirtschaft erforschen.

Weitere Infos

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.
studienwahl.de

Deutsche Gesellschaft für Philosophie e.V.

Dachorganisation des philosophischen Lebens in Deutschland und größte philosophische Gesellschaft im deutschen Sprachraum
dgphil.de

Studiensuche

Die Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit hilft dir bei der Auswahl von Studienort und Studienfach.
https://con.arbeitsagentur.de/prod/studiensuche/suche