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Bachelor live

Die Wahlnacht

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

10.11.2020

Eine Woche vor der Wahl in den USA bekam ich Lust, das wichtigste politische Ereignis im Jahr 2020 live zu verfolgen. Ich hatte von Bekannten gehört, dass sie 2016 die US-Wahl bei einem nächtlichen Fernsehmarathon verfolgt hatten. Das wollte ich in diesem Jahr auch tun. Zunächst informierte ich mich darüber, wann überhaupt mit Ergebnissen zu rechnen war. Im Internet stand, dass die ersten Wahllokale um ein Uhr nachts unserer Zeit schließen. Danach würden im Halb-Stunden-Takt weitere Bundesstaaten nachziehen. Bis drei Uhr nachts würden sich schon erste Tendenzen abzeichnen können. Vor allem eine Voraussage erregte meine Aufmerksamkeit: „Wer Ohio gewinnt, zieht ins Weiße Haus ein.“ Seit 1960 war das zumindest immer der Fall gewesen und so zu einem ungeschriebenen Gesetz geworden. Ohio würde um halb zwei erste Ergebnisse bekannt geben können. Mein Entschluss stand also fest. Zumindest die ersten paar Stunden der Auszählung wollte ich sehen. Bis ganz zum Ende der Wahlnacht wollte ich dann doch nicht dabei bleiben, weil ich am nächsten Tag leider Termine hatte. Auch in Deutschland gab es mehr als genügend Möglichkeiten, sich die Wahl anzusehen. Ich entschied mich ganz klassisch für das Wahlstudio der ARD.
Doch, ähnlich wie beim Eurovision Song Contest, macht der Live-Stream erst in der Gruppe richtig Spaß. Deshalb aktivierte ich ein paar Freunde. Mit immerhin vier Zusagen konnte die Corona-freundliche digitale Watch-Party beginnen. Ein paar Stunden vor Mitternacht trudelten die ersten Absagen ein. Zwei Leute waren einfach zu müde, um das Ganze durchzustehen. Stattdessen waren unverhofft drei andere Personen am Start, die davon Wind bekommen hatten. In der ersten Stunde lernten wir uns gegenseitig erst einmal kennen – es waren sehr unterschiedliche Freundeskreise dabei. Wetten wurden abgeschlossen auf Trump oder Biden, Moderations-Pannen kommentiert und als die ersten Zahlen eintrudelten, schien es ein spannender Abend werden zu können. Doch enttäuschender Weise hörten wir sehr oft die Formulierung „Too Close to Call“, also „es ist zu knapp, um zu entscheiden“. Es hieß, Abwarten und Dosenbier trinken oder doch einfach ins Bett gehen. Einer nach dem anderen verabschiedete sich aus dem Live-Stream, bis wir uns um drei Uhr nachts eingestanden, dass es noch sehr lange dauern wird bis ein Sieger feststeht.
Und tatsächlich: Erst vier Tage später stand das Ergebnis fest: Joe Biden hat gesiegt. Ein historisches Ergebnis ist es, vor allem in Bezug auf Ohio. Denn hier gewann Donald Trump die absolute Mehrheit. Zum Glück ist in diesen Tagen auf so etwas wie Regeln oder Normalität wenig Verlass.

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