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Lackschaden in Tschechien

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

12.08.2020

Und tatsächlich: „Rums“ machte es! Die Frau im Auto neben mir hatte die ganze Zeit schon sichtliche Schwierigkeiten gehabt, ihren PKW aus der Parklücke zu manövrieren. Ich hatte nur kurz einen Freund abgesetzt und wollte mich eigentlich gerade auf den Heimweg machen, als ich unliebsam gestreift wurde. Die Frau war Tschechin und ich befand mich auch in Tschechien – genauer gesagt in Zlín, eine knappe Autostunde von der Slowakei und mehr als 600 Kilometer von Zuhause entfernt.
Das Ganze ergab sich so: 2019 drehten ein guter Freund und ich einen Kurzfilm an der deutsch-tschechischen Grenze. Für das zweisprachige Projekt begaben wir uns auf beide Seiten, um dadurch einen Beitrag zum transnationalen Dialog zu leisten – soweit der offizielle Teil. Das bedeutete für uns vor allem eine aufregende und spannende Zeit in der bayerisch-böhmischen Provinz. Neben drei kurzen Recherchefahrten in die Region verbrachten wir hier eine ganze Woche für den Dreh. Das Überschreiten der Grenze war für mich jedes Mal etwas Besonderes und ich lernte sehr viel über beide Seiten. Diese Erfahrung fand natürlich Eingang in die Erzählung des Films und auch in den Herstellungsprozess. Als sich die Schnittphase dem Ende neigte, überlegten wir uns, dass es für die anschließende Postproduktion ebenfalls schön wäre, beide Nationalitäten einzubinden. Für die Bildnachbearbeitung fand sich einer meiner Kommilitonen von der Filmhochschule aus München. Die Tonmischung sollte deshalb in Tschechien stattfinden. Wir schrieben die wenigen Medienhochschulen der Nachbarrepublik an und tatsächlich erklärte sich ein Ton-Doktorand der Universität Zlín dazu bereit, an unserem Projekt mitzuwirken. Für die Fertigstellung der Mischung mussten wir aber selbstverständlich vor Ort erscheinen. Der Sound für das Kino lässt sich nicht zuhause per Kopfhörer kontrollieren.
Und so setzte ich mich an einem Mittwochmorgen im Juli 2020 ins Auto. Nach einem Boxenstopp in Prag, wo ich meinen Co-Regisseur einsammelte, ging es weiter in den Osten des Landes. Donnerstag fand die Tonmischung statt und Freitag ging es nach jenem kurzem Parkplatz-Intermezzo zurück nach Halle. Zwölf Stunden Fahrt und ein Lackschaden, der am Ende geringer ausfiel als im Moment des ersten Schocks erwartet, sind der Preis für einen schönen 5.1-Surround-Kinoton unseres Films. Das war es auf jeden Fall wert!

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